EU-Kommission greift durch: Snapchat und Porno-Plattformen wegen mangelndem Jugendschutz im Visier

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Quelle: Europäische Union

Brüssel erhöht den Druck auf Anbieter beim Schutz minderjähriger Internetnutzer. Die EU-Kommission leitet ein offizielles Verfahren gegen Snapchat ein, da der Verdacht auf unzureichende Alterskontrollen besteht. Bisher reicht eine einfache Angabe des Geburtsdatums aus, was Kinder kaum von der Nutzung abhält. Die Behörde sieht darin erhebliche Risiken: Minderjährige geraten auf der Plattform ins Visier von Erwachsenen für Cybergrooming oder werden mit Werbung für Drogen und Alkohol konfrontiert. Auch die Anwerbung für kriminelle Aktivitäten durch vermeintlich Gleichaltrige steht im Fokus der Ermittlungen. Snapchat betont unterdessen, die Sicherheit der Nutzer habe höchste Priorität und kündigt eine transparente Zusammenarbeit an.

Bei der Überprüfung großer Erotikportale wie Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos ist die Kommission bereits einen Schritt weiter. Hier liegen vorläufige Ergebnisse vor, die den Diensten massive Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) attestieren. Ein simpler Klick auf eine Ü-18-Bestätigung genüge demnach nicht, um Kinder wirksam von schädlichen Inhalten fernzuhalten. Die betroffenen Unternehmen müssen nun mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, drohen Strafzahlungen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Plattformen haben jetzt die Gelegenheit, ihre Schutzmaßnahmen nachzubessern oder sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen.

Um das Problem der Altersverifikation langfristig zu lösen, arbeitet die EU an einer eigenen App für den digitalen Altersnachweis. Diese soll ab 2027 einsatzbereit sein und Datenschutz mit Jugendschutz vereinen, ohne private Daten direkt an die Plattformen zu übermitteln. Bis dahin sind die Betreiber selbst in der Pflicht, rechtssichere Lösungen zu finden. In anderen Regionen ist man bereits strikter: Australien hat ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige verabschiedet und erzwingt Identitätsprüfungen über Drittanbieter oder Ausweisdokumente. Eine Expertenkommission in Europa berät aktuell ebenfalls über ähnliche Verbote oder strengere Altersgrenzen.

Während Brüssel auf regulatorischer Ebene agiert, setzen US-Gerichte auf finanzielle Abschreckung. In Los Angeles verurteilte eine Jury Meta und Google zu einer Millionenstrafe, weil sie Nutzer unzureichend über das Suchtpotenzial ihrer Dienste aufklärten. Eine Klägerin erhielt insgesamt sechs Millionen Dollar zugesprochen. Auch wenn solche Urteile aufgrund des unterschiedlichen Rechtssystems nicht direkt auf Deutschland übertragbar sind, senden sie ein deutliches Signal an die Tech-Branche. Die Zeit der laxen Selbstkontrolle scheint endgültig vorbei zu sein, da Behörden weltweit die Verantwortung der Plattformbetreiber für ihre jüngsten Nutzer einfordern.

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