Teslas Robotaxi-Märchen: Warum 2 Millionen Autos im Jahr 2026 reine Fantasie sind

Elon Musk liebt große Zahlen und noch größere Versprechen. Im jüngsten Earnings Call legte der Tesla-CEO wieder eine Platte auf, die Investoren gerne hören, die aber bei genauerem Hinsehen massive Kratzer aufweist. Musk behauptet, die Flotte der bezahlten Robotaxis in Austin und der Bay Area umfasse bereits „weit über 500 Fahrzeuge“. Noch wilder: Diese Zahl soll sich „jeden Monat verdoppeln“. Wer kurz nachrechnet, landet bei dieser exponentiellen Kurve in nur zwölf Monaten bei über zwei Millionen Robotaxis. Das entspricht rein zufällig fast der gesamten Jahresproduktion von Tesla. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfte Tesla im kommenden Jahr also quasi kein einziges Auto mehr an Endkunden verkaufen, sondern müsste alles in die eigene Flotte stecken.
Die Realität sieht ernüchternd anders aus. In Kalifornien besitzt Tesla gar keine Genehmigung für den autonomen Betrieb ohne Fahrer. Die dortigen „Robotaxis“ sind in Wahrheit ganz normale Fahrzeuge mit einem menschlichen Fahrer am Steuer, die primär Mitarbeiter kutschieren. Der Begriff „Robotaxi“ wird hier als reine Marketing-Hülse missbraucht. In Austin startete man zwar Tests ohne Fahrer am Steuer, doch unabhängige Beobachter konnten kurz nach der Ankündigung kaum noch fahrerlose Fahrzeuge auf den Straßen finden. Die Diskrepanz zwischen Musks PR-Aussagen („deckt Ende des Jahres 50% der US-Bevölkerung ab“) und den Tatsachen ist gewaltig. Konkurrent Waymo betreibt bereits in sechs US-Städten echte fahrerlose Flotten. Tesla steht bei Null bis Eins – je nachdem, wie viel Glauben man den Austin-Tests schenkt.
Zudem bröckelt das Narrativ der Skalierbarkeit. Jahrelang versprach Musk ein System, das per Software-Update weltweit aktiviert werden kann. Jetzt gibt Tesla zu, dass jede neue Region mühsame Anpassungen an lokale Gegebenheiten erfordert („Corner Cases“). Das macht eine monatliche Verdopplung der Flotte technisch und regulatorisch praktisch unmöglich. Auch die Idee, dass Privatkunden ihre Autos per App in die Flotte schicken und Geld verdienen („Appreciating Assets“), bleibt ein leeres Versprechen. Die 1,1 Millionen FSD-Abonnenten warten weiterhin auf die versprochene Autonomie. Musks Aussagen wirken zunehmend wie der verzweifelte Versuch, den Aktienkurs zu pushen, während die Substanz dahinter fehlt.
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