BYD: Gigantische Frachter-Flotte soll Export-Probleme lösen

schräge Frontansicht des 2026er BYD Seal
Quelle: BYD
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Wer geglaubt hat, dass europäische Importzölle oder schrumpfende Zahlen auf dem chinesischen Heimatmarkt den Autogiganten bremsen, sieht sich gründlich getäuscht. Branchenberichte enthüllen einen cleveren Schachzug aus Shenzhen: BYD legt nach und erweitert die eigene Autotransporter-Flotte um weitere zehn Frachtschiffe.

Zehn Mega-Frachter mit Platz für 92.000 Autos

Der chinesische Branchenprimus lässt die neuen Einheiten bei China Merchants Industry auf den Werften in Jinling und Haimen fertigen. Die Auslieferung der Schiffe ist für den Zeitraum zwischen 2027 und 2029 angesetzt. Es handelt sich um reine Spezialtransporter für Fahrzeuge, sogenannte Pure Car and Truck Carrier (PCTC) in RoRo-Bauweise.

Jeder dieser neuen Frachter bietet eine Kapazität von 9.200 CEU (Car-Equivalent Units). Zum Vergleich: Die bisher genutzten Schiffe fassten zwischen 7.200 und 9.000 Fahrzeuge. Mit diesem Einzelauftrag sichert sich der Hersteller eine zusätzliche Transportkapazität von 92.000 Fahrzeugen auf einen Schlag.

Sobald alle zehn Einheiten den Dienst aufnehmen, wächst die konzerneigene Reederei von 8 auf 18 Frachtschiffe. Die Gesamtkapazität der Flotte steigt damit auf über 130,000 CEU. Was nach maritimer Fachsimpelei klingt, ist in der Realität eine Ansage an die weltweite Konkurrenz: BYD schraubt seine theoretische Exportkapazität von bisher einer Million Einheiten auf gewaltige 2,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr hoch.

Flucht nach vorn: Export soll schrumpfenden Heimatmarkt retten

Dass dieser Schritt nötig wird, belegt der Blick auf die Zahlen im Inlandsgeschäft. Der anhaltende BYD Export-Rekord kaschiert einen heftigen Einbruch in China, weil der dortige Markt im brutalen Preiskampf kollabiert. Im August fielen die Inlandsverkäufe der Hauptmarke BYD um dramatische 35 Prozent auf 184.000 Fahrzeuge. In den ersten acht Monaten verzeichnete die Marke auf dem Heimatmarkt sogar ein Minus von 43 Prozent.

Gleichzeitig kletterte der Export im August auf die Rekordmarke von 184.000 Einheiten – ein Plus von 131 Prozent gegenüber dem Vorjahr. BYD zeichnet damit für über 35 Prozent aller chinesischen NEV-Exporte verantwortlich.

Bereits Mitte des Jahres schraubte der Hersteller die Frachtfrequenzen spürbar hoch. Als BYD 175.349 Autos exportierte und nach VW-Werken griff, zeichnete sich die langfristige Marschrichtung ab: Relevante Renditen lassen sich aktuell nur außerhalb Chinas erwirtschaften. Die operative Marge der gesamten chinesischen Autoindustrie sackte im ersten Quartal auf magere 3,2 Prozent ab. Im Ausland winken dagegen trotz Zöllen spürbar höhere Gewinne.

Unabhängigkeit von der globalen Logistik-Mafia

Der Aufbau einer eigenen Reederei schützt vor exorbitanten Charterraten. Wer eigene Schiffe betreibt, kontrolliert die gesamte Lieferkette vom Fließband in Shenzhen bis zum Entladehafen in Bremerhaven oder Rotterdam.

Zusätzlich bedient BYD mit der Flotte eigene Werke im Ausland. Das Werk in Thailand liefert Fahrzeuge ohne die sonst fälligen EU-Ausgleichszölle aus. Mit der Verfünffachung der Exportkapazität binnen weniger Jahre baut sich der Konzern ein logistisches Monopol auf, gegen das traditionelle Autobauer kaum Gegenmittel besitzen.

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