Cayenne Electric: Das erste echte Premium-EV-SUV, das alles kann?

Der Porsche Cayenne Electric ist jetzt in Deutschland erhältlich. Und die zentrale Frage, die sich nach Woche zwei aufzwingen muss, ist ziemlich simpel: Kann das Ding wirklich alles – oder ist das nur wieder so ein Premium-Versprechen, das im Alltag zerbröselt? Autocar hat den Einstiegs-Cayenne Electric (Dualmotor, 436 PS, €83.000) gegen die zwei eigentlichen Rivalen antreten lassen: BMW iX xDrive60 M Sport (€93.205) und Polestar 3 Dual Motor (€84.540). Das Interessante: Alle drei sind vollgepackt mit Luftfederung und doppelten Antriebsmotoren – auch die „günstigen“ Versionen. Das ist nicht selbstverständlich in dieser Klasse.
Das verspricht viel. Aber liefert es auch?
Der Design-Kampf: Porsche versäumtes Meisterwerk
Moment mal. Der Cayenne Electric sieht… etwas generisch aus, oder? Das ist das erste, das man bemerkt, wenn man die drei Autos nebeneinander stellt. Von vorne wirkt er „lizardig“ – und mit dem optionalen Offroad-Paket sieht das Ding tatsächlich aus wie eine Echse mit Überbiss. Die Proportionen stimmen einfach nicht überein. Das ist ärgerlich, weil ein brillantes Design hätte den Wagen verkaufen können – unabhängig vom Antrieb.
Der Polestar 3 gewinnt diese Runde haushoch. Die 22-Zoll-Räder wirken nicht überscaled, die Proportionen sind klasse, und das Auto sieht premium aus – nicht generisch wie der Porsche. Der BMW iX ist… naja, seltsam. Das Design polarisiert, aber es hat eine Art Charakter, die man respektieren muss. Für lange Zeit merkwürdig. Aber wenn es weg ist – und das wird es bald sein – werden wir es vermissen.
Fazit Design: Polestar gewinnt, BMW überraschend sympathisch, Porsche verpasste die Chance auf eine Designikone.
Platz & Praktikabilität: Hier dominiert der Cayenne
Aber hier ändert sich die Rangfolge radikal. Der Cayenne hat deutlich mehr Platz als seine Rivalen – und das wird schnell greifbar, wenn man hinten Platz nimmt. Der Polestar 3 ist etwas eng an Kopf- und Knieraum. Der BMW iX ist zwar großzügig (und hat eine echte 3er-Sitzbank hinten), aber der Cayenne gewinnt hier deutlich.
Besonders wertvoll: Die Rückseiten des Cayenne lassen sich schieben UND klappen – bei den Rivalen nur klappen. Das macht beim Alltag einen echten Unterschied. Der Kofferraum ist mit 506 Litern marginalstes größer als der iX (500 Liter), und der Polestar folgt mit 484 Litern. Für Premium-SUVs in dieser Größenklasse ist das nicht üppig – aber der Cayenne bietet die beste Kombinierbarkeit.
Fazit Platz: Klarer Sieg für den Cayenne. Praktikabilität ist hier eben doch eine Kern-Stärke.
Im Auto: Luxus-Kohärenz vs. Minimalismus
Das Interieur des Cayenne fühlt sich am meisten nach echtem Premium an. Jeder Schalter hat Gewicht und Integrität. Jede Oberfläche ist hochwertig. Das ist beeindruckend – aber auch bewusst gemacht.
Der BMW iX besticht durch einen luftigen Eindruck, große Glasflächen und ein Gefühl von Raum. Das Cockpit ist intuitiv, die Sichtlinien sind gut. Der Polestar 3 dagegen setzt auf Minimalismus – schick beim ersten Eindruck, aber nervig im Alltag. Die Bedienung ist zu touchscreen-abhängig. Spiegel verstellen? Menü tippen. Trip-Computer? Menü tippen. Das nervt auf längeren Fahrten und lenkt dich dauernd vom Fahren ab.
Fazit Kabine: Cayenne für Puristen, BMW für Raumliebhaber, Polestar für Design-Jünger (aber mit Usability-Preis).
Fahrdynamik: Hier wird’s interessant
Das ist die Überraschung: Der Polestar 3 ist der klarere sportliche Wahl – nicht der Porsche. Das klingt paradox für eine Marke, die 70 Jahre Sportwagen-DNA hat. Aber der Polestar hat eine direktere Lenkung, einen kargeren Federungssetup und fühlt sich aktiver an.
Der BMW iX beschleunigt marginal schneller (4,6 vs. 4,8 Sekunden 0-62), ist aber deutlich weniger sportlich gelagert. Auf den Rädern bleiben diese Dinger schwer – bis zu 2.525 kg (Cayenne). Das wird bei schnellerem Fahren spürbar. Der iX rollt und nickt deutlich mehr als der Polestar.
Aber hier zeigt der Cayenne Electric seine wahre Stärke: Vielseitigkeit. Im Comfort-Modus bleibt die Luftfederung hochgefahren, gibt dir BMW-ähnliche Kulanz und Isolation. Drehst du den Fahrmodus weiter, setzt sich der Wagen ab, wird fester, fühlt sich verbundener an – und dann wirkt er fast wie der Polestar. Das ist verdammt clever. Kein anderes Auto hier bietet das.
Alltagsbeschleunigung: Alle drei hauen zu – 436–537 PS sind genug, um dich unauffällig beschleunigt nach vorne zu pressen. Aber der Cayenne braucht einen Modus-Wechsel, um sich sportlich anzufühlen. Der Polestar liefert das sowieso.
Fazit Fahren: Wer will, dass sein SUV sich wie ein SUV anfühlt → Cayenne. Wer will, dass es sich wie ein großes Auto anfühlt, das zufällig ein SUV ist → Polestar. BMW = gutes Mittelding.
Reichweite: Die echte Prüfung
Das war früher der Killer. 2024 konnte man noch schauen, wie der Audi SQ8 E-tron Sportback oder der Lotus Eletre nach 250 Meilen Realkurs Kühe zählte. Das ist jetzt anders.
Im Realtest:
- BMW iX: 380 Meilen aus 426 Versprechen. Das ist knackig gut.
- Polestar 3: Nur 310 Meilen aus 402. Das ist für €84k unerwartet schwach. Das ist die schwächste Leistung hier – und das sollte euch nachdenklich machen.
- Cayenne Electric: 350 Meilen aus 399. Mittelfeld, aber solide und verlässlich.
Der iX dominiert hier. Der Polestar enttäuscht. Der Cayenne ist das sichere Mittelfeld – nicht mit Wow-Faktor, aber auch nicht mit Überraschungs-Abfall.
Was heißt das im Alltag? Mit 350–380 Meilen ist Fernfahrt wieder echte Entspannung. Das war 2024 noch nicht der Fall. Jetzt kannst du von Berlin nach München fahren, ohne psychisch zu sterben. Das ist ein echter Fortschritt.
Ladegeschwindigkeit: Der Cayenne hat das höchste Schnell-Lad-Potenzial (390 kW), gefolgt vom Polestar (350 kW). Der BMW schafft nur 195 kW – das ist merklich langsamer.
Aber: Hat der Cayenne Electric echte Star-Qualität?
Das ist die unbequeme Frage. Die alten Benzin-Cayennes hatten dieses undefinierbares Etwas. Sie waren Alleskönner – sportlich, luxuriös, praktisch, rau, elegant. Sie warfen Konkurrenten weg, als würden sie nicht existieren. Zwanzig Jahre lang.
Der Cayenne Electric ist… komplett. Er ist klasse und luxuriös. Er ist praktisch. Er ist effizient. Er ist zuverlässig. Aber er ist auch erreichbar – angreifbar, sogar. Der Polestar ist sportlicher. Der BMW ist luftiger. Der Cayenne ist die Antwort, wenn du fragst: „Welches ist das beste Gesamtpaket?“
Das ist verdammt viel. Aber es ist nicht das magische Etwas.
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