Ganfeng startet Massenproduktion von Semi-Solid-Akkus mit 650 Wh/kg – was das für Hyundai bedeutet

Hyundai Ioniq 6
Quelle: Hyundai

Hyundai hat die 800-Volt-Plattform früher als die meisten Konkurrenten in den Markt gebracht. Mit dem Ioniq 5 und Ioniq 6 lieferte der Konzern serienreife Fahrzeuge, als andere noch in der Pilotphase steckten. Beim nächsten Technologieschritt – der Batterie selbst – kommt der entscheidende Impuls gerade von außen.

Ganfeng Lithium, der weltgrößte Lithium-Metallproduzent und Rohstofflieferant von Hyundai, hat auf dem dritten chinesischen Innovations- und Entwicklungsforum für Festkörperbatterien in Peking den Start der Massenproduktion von Semi-Solid-State-Batterien bekanntgegeben. Die Zellen erreichen eine Energiedichte von 650 Wh/kg. Zum Vergleich: Aktuelle NMC-Zellen in der Ioniq-Plattform liegen bei rund 260 bis 300 Wh/kg. Das ist mehr als eine Verdoppelung auf Zellebene – in der Praxis geringer, weil das Gesamtpaket Kühlsystem, Gehäuse und Struktur mitrechnet, aber trotzdem strukturell relevant.

Die technische Basis der neuen Zellen: eine spannungsfreie Lithiumlegierungsanode kombiniert mit einer Schwefelkathode. Ganfeng gibt eine Volumenänderung von nur drei bis fünf Prozent pro Lade- und Entladezyklus an. Das ist für Lithium-Metall-Anoden ein guter Wert – bisherige Ansätze scheiterten oft an unkontrollierter Dendritenbildung, die Kurzschlüsse verursacht. Außerdem hat Ganfeng parallel die Musterproduktionsphase für vollständige Festkörper-Batteriepacks begonnen, also die nächste Entwicklungsstufe.

Was der Begriff „Semi-Solid“ bedeutet: Diese Zellen sind keine vollständigen Feststoffakkus, sondern eine Brückentechnologie. Der flüssige Elektrolyt wird stark reduziert, aber nicht vollständig ersetzt. Das erlaubt es, bestehende Produktionslinien weiter zu nutzen, senkt die Herstellkosten und macht den Technologieübergang schrittweise machbar. Die vollständige Feststoffbatterie, bei der keine flüssigen Komponenten mehr vorkommen, kommt nach aktuellem Branchenkonsens frühestens 2027 in kleinen Serien und nach 2030 in der Massenproduktion.

Hyundais direkte Verbindung zu Ganfeng ist relevant: Beide Unternehmen haben erst kürzlich einen Vierjahresvertrag über die Lieferung von Lithiumhydroxid unterzeichnet, einem Kernmaterial für Hochleistungszellen. Ob diese Partnerschaft direkt zu einer Integration von Semi-Solid-Zellen in Hyundai-Fahrzeuge führt, ist nicht bestätigt. Der Konzern fokussiert sich kurzfristig auf etwas anderes.

Die nächste Priorität bei Hyundai lautet: günstigere Fahrzeuge für den Massenmarkt. Der Ioniq 3 feiert im April 2026 seine offizielle Premiere, der Marktstart folgt im Herbst. Das Fahrzeug setzt auf eine 400-Volt-Variante der E-GMP-Plattform mit LFP-Einstiegsakkus und optional einer größeren NMC-Einheit. Die Premiere des Kia EV2 folgt ebenfalls 2026, technisch auf derselben Basis, rund 4,06 Meter kurz, Einstiegsreichweite rund 317 km, Topvariante bis zu 448 km. Beide Modelle laden vorne statt hinten und langsamer als die großen Konzernmodelle. Das ist die kalkulierte Kompromissstrategie für das Preissegment unter 36.000 Euro.

Semi-Solid-Batterien auf Ganfeng-Basis werden in Hyundai-Serienautos also mittelfristig kein Thema sein. Erst wenn die Produktionskosten sinken und die Technologie im europäischen Zulassungsumfeld validiert ist, rückt eine Integration näher. Das können zwei, es können auch fünf Jahre sein. Was Ganfengs Produktionsstart jetzt zeigt: Der Technologiepfad ist real, nicht mehr nur laborgetrieben.

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