Mercedes-Benz korrigiert Bedienkonzept: Die Rückkehr der haptischen Tasten

Wer in den letzten Jahren in einem neuen Mercedes saß, brauchte vor allem eines: Fingerspitzengefühl für rutschige Touch-Flächen und viel Geduld für verschachtelte Menüs. Damit ist demnächst Schluss. Die Stuttgarter haben begriffen, dass die totale Digitalisierung am Kunden vorbeigeschossen ist. Es war ein Experiment am offenen Herzen des Cockpits, das in der Praxis schlicht durchgefallen ist. Vor allem die haptischen Schieberegler am Lenkrad, die oft mehr Frust als Funktion boten, fliegen wieder raus. Stattdessen verbaut Mercedes künftig wieder echte Walzen und Knöpfe, die man blind bedienen kann, ohne den Blick sekundenlang von der Straße zu nehmen.
Dass dieser Schwenk kommt, ist kein Zufall, sondern eine Reaktion auf deutliche Ansagen der Käufer. Internen Marktforschungen zufolge war das Feedback der Nutzer eindeutig: Die Bildschirme sind toll, aber für die Basics will niemand in Untermenüs wühlen. Vertriebschef Mathias Geisen bestätigt diesen Kurswechsel nun. Es geht um eine Koexistenz von analoger Griffigkeit und digitaler Optik. Der massive Hyperscreen, der sich über die gesamte Breite des Armaturenbretts zieht, bleibt nämlich als markentypisches Luxus-Feature erhalten. Mercedes sieht darin weiterhin die Chance, das Fahrzeug durch Software und persönliche Hintergründe zu individualisieren, ähnlich wie man es vom Smartphone kennt.
Sicherheit spielt bei dieser Rolle rückwärts eine entscheidende Rolle. Der ADAC beobachtet schon länger, dass die Bedienbarkeit moderner Autos systemübergreifend schlechter geworden ist. Während man 2019 im Schnitt noch gute Noten vergab, rutschte die Bewertung bis 2025 spürbar ab. Zu komplexe Systeme lenken schlichtweg zu sehr ab. Dieser Trend bekommt nun auch regulatorischen Gegenwind. Die Prüforganisation Euro NCAP verschärft ab 2026 ihre Kriterien. Wer bei den Sicherheitstests die volle Punktzahl abräumen will, muss wichtige Funktionen wie Scheibenwischer oder Warnblinker über physische Schalter zugänglich machen.
Für die kommenden Generationen von C-Klasse und GLC bedeutet das eine spürbare Entschlackung der Bedienlogik. Mercedes hält zwar am Prestige der großen Glasflächen fest, gibt der Ergonomie aber wieder den Vorrang. Es ist das Eingeständnis, dass technisches Machbare nicht immer mit dem fahrerischen Sinnvollen übereinstimmt. Die Magie der Software darf im Hintergrund stattfinden, aber am Lenkrad und für die Klimatisierung kehrt die gewohnte, fühlbare Mechanik zurück. Ein konsequenter Schritt, der zeigt, dass Luxus im Auto eben auch bedeutet, nicht über die Lautstärke-Einstellung nachdenken zu müssen.
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