Nothing nach fünf Jahren: Zwischen Kultstatus und Orientierungslosigkeit

Als Carl Pei im Jahr 2020 sein neues Unternehmen Nothing ins Leben rief, verbanden viele Technikfans damit große Erwartungen. Vor allem ehemalige OnePlus-Anhänger hofften auf eine Rückkehr zum rebellischen „Flagship-Killer“-Ansatz, den sie bei ihrem alten Hersteller vermissten. Fünf Jahre später steht die Marke an einem kritischen Punkt. Zwar haben die transparenten Gehäuse und das auffällige Glyph-Lichtsystem Nothing eine klare visuelle Identität verschafft, doch die jüngsten Produkte und Software-Updates sorgen zunehmend für Diskussionen. Das Phone (3) sollte als echtes Spitzenmodell überzeugen, doch übertriebenes Marketing, fragwürdige Hardwareentscheidungen und ein umstrittenes Redesign der Glyph-Funktion führten zu Ernüchterung. Hinzu kommt ein holpriger Rollout von Nothing OS 4.0 auf Basis von Android 16, der viele Nutzer enttäuscht zurückließ.
Trotz dieser Probleme hat Nothing auch Erfolge vorzuweisen. Die ersten Geräte wie Phone (1), Phone (2) und Ear (Stick) boten solide Technik und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Design hob sich klar von der Konkurrenz ab und die Community schätzte die offene Kommunikation des Unternehmens. Viele Fans sehen in Nothing eine klare Markenidentität, die OnePlus inzwischen verloren habe. Dennoch mehren sich kritische Stimmen, die den Kurs der Firma hinterfragen.
Besonders das Phone (3) steht im Fokus. Mit einem Snapdragon 8s Gen 4 statt des stärkeren 8 Gen 3 und einem Preis ab 700 Euro wirkte das Modell für viele überteuert. Auch das neue Glyph-System, das statt einfacher LED-Lichter eine komplexe Matrix mit Mini-Display einsetzt, stieß auf Skepsis. Nutzer kritisierten, dass ein Always-On-Display denselben Zweck besser erfüllen könne und die ursprüngliche Einfachheit verloren gegangen sei. Das Software-Update Nothing OS 4.0 verstärkte die Unzufriedenheit, da es wegen Fehlern gestoppt wurde und kaum spürbare Neuerungen brachte.
Die zentrale Frage lautet nun, ob Nothing seinen ursprünglichen Anspruch noch erfüllt. Statt eines echten Alternativ-Smartphones wirkt die Strategie inzwischen stärker auf den Mainstream ausgerichtet, mit höheren Preisen und weniger Innovation. Die größten Herausforderungen liegen in übertriebenem Marketing, schwacher Softwarequalität, einem möglichen Identitätsverlust und einer fragwürdigen Preispolitik. Zwar bietet das Phone (3) Verbesserungen bei Kamera und Software-Support, doch echte Fortschritte bleiben aus. Viele in der Community wünschen sich eine Rückkehr zu den ursprünglichen Glyph-Lichtern, günstigere Preise, stabilere Updates und stärkere Hardware.
Für die Zukunft stehen mehrere Szenarien im Raum. Nothing könnte zu seinen Wurzeln zurückkehren und wieder stärker auf Fans setzen, was jedoch geringere Margen bedeuten würde. Ein Verbleib im Mainstream birgt die Gefahr, die eigene Einzigartigkeit zu verlieren. Alternativ könnte das Unternehmen neue Nischen wie Faltgeräte oder KI-Gadgets erschließen, was riskant, aber auch chancenreich wäre. Klar ist: Die Marke braucht wieder ein Produkt, das Begeisterung auslöst und nicht nur ein weiteres Android-Smartphone darstellt.
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
