Pixel 10 im Grafiktest: Warum Googles GPU-Strategie nicht schwach, sondern clever ist

Google Pixel 10 Pro
Quelle: Google

Googles Pixel-Smartphones standen in den vergangenen Jahren nicht unbedingt für Spitzenleistung. Auch der neue Tensor G5 Prozessor, gefertigt von TSMC, änderte diesen Ruf zunächst kaum. Vor allem bei der Grafikleistung kamen Zweifel auf, ob die Hardware mit den stärksten Android-Modellen mithalten kann. Ein detaillierter Test zeigt nun aber, dass Google bewusst auf eine spezielle Taktstrategie setzt, die Effizienz und Performance verbindet.

Im Gaming-Test mit Call of Duty Mobile bei 90 Hertz blieb die Darstellung jederzeit flüssig. Auffällig war jedoch, dass die GPU über weite Strecken mit rund 396 Megahertz lief und nur in kurzen Intervallen auf 1,1 Gigahertz hochsprang. Zwischenschritte wie 512, 576 oder 633 Megahertz traten zwar auf, hielten aber nur Millisekunden. Dieses Verhalten entspricht einem klassischen „Race-to-Idle“-Ansatz: Die GPU läuft die meiste Zeit in einem sparsamen Modus und beschleunigt nur dann, wenn es wirklich nötig ist.

Der Hintergrund liegt im Energie- und Temperaturmanagement. Ein dauerhaft hoher Takt würde die Abwärme steigern und den Akku schnell leeren, ohne einen relevanten Vorteil im Spielalltag zu bringen. Messungen zeigen, dass der Stromverbrauch der GPU bei Spitzenlast fast das Doppelte erreicht. Nach einigen Minuten Gaming wird das Gerät spürbar warm, was die Grenzen von dauerhaftem Höchsttakt deutlich macht.

Google setzt im Pixel 10 auf eine PowerVR-Grafikeinheit, entwickelt von Imagination Technologies. Damit geht man bewusst einen anderen Weg als Hersteller wie Qualcomm mit Adreno oder ARM mit Mali. Theoretisch könnte das System mehr Leistung bereitstellen, doch in der Praxis zählt die Balance. Kurze Leistungsspitzen liefern genug Reserven für aufwendige Szenen, während der niedrige Grundtakt den Akku schont und das Gerät kühler hält.

Diese Strategie entspricht dem, was man heute auch in Laptops oder anderen mobilen Chips findet. Aufgaben werden so schnell wie möglich abgearbeitet, danach geht die Hardware zurück in einen stromsparenden Zustand. Das bedeutet nicht, dass der Chip gebremst wird, sondern dass er intelligent mit Ressourcen umgeht. Für Nutzer ergibt sich dadurch ein stabiler Spielfluss, ohne dass unnötig Energie verloren geht.

Ob sich dieser Ansatz langfristig gegen Konkurrenten durchsetzt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die GPU im Tensor G5 ist nicht künstlich gedrosselt. Vielmehr zeigt sich, dass Google bewusst ein Gleichgewicht zwischen Grafikleistung, Energieverbrauch und Temperatur gesucht hat – eine Entscheidung, die für viele Alltagsszenarien sinnvoller ist als rohes Dauerfeuer auf höchstem Takt.

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2 Kommentare

  1. Ich muss der Argumentation des Artikels widersprechen. Wenn der Tensor G5 tatsächlich nach dem „race-to-idle“-Prinzip arbeiten würde, müsste die GPU in synthetischen Benchmarks wie 3DMark Steel Nomad oder Wild Life Extreme regelmäßig auf die beworbenen 1,1 GHz hochtakten – genau dort herrscht schließlich konstante Volllast. Stattdessen bleibt der Takt selbst unter diesen Bedingungen die meiste Zeit deutlich niedriger, während die Benchmarks mit einstelligen FPS vor sich hinlaufen.
    Das spricht weniger für eine clever implementierte Burst-Strategie, sondern eher für ein zu konservatives oder fehlerhaftes DVFS-/Treiberverhalten.

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