Samsung unter Druck: AppCloud sorgt für massive Datenschutz-Debatte

Eine vorinstallierte Anwendung auf bestimmten Samsung-Smartphones sorgt derzeit für heftige Diskussionen. Die Software mit dem Namen AppCloud, entwickelt vom israelischen Analyseunternehmen IronSource, ist auf Geräten der Galaxy-A- und Galaxy-M-Reihe in mehreren Märkten tief ins System eingebunden. Laut Berichten von CyberSecurityNews und der libanesischen Organisation SMEX sammelt die App Standortdaten, Nutzungsverhalten und Geräteinformationen, ohne dass Nutzer wiederholt zustimmen müssen. Besonders kritisch: AppCloud lässt sich kaum dauerhaft entfernen und aktiviert sich nach Updates oder einem Werksreset automatisch erneut.
Ursprünglich wurde AppCloud als Dienst zur App-Empfehlung vorgestellt. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Funktionen weit darüber hinausgehen. Die Software erfasst Standortinformationen auch im Hintergrund, protokolliert, welche Apps wie lange genutzt werden, und speichert Details zu Modell, Android-Version und Hardware. Zudem werden Netzwerkaktivitäten aufgezeichnet, die möglicherweise an Drittanbieter weitergegeben werden. Transparente Hinweise oder eine klare Einwilligung fehlen, viele Nutzer wissen nicht einmal, dass die App aktiv ist.
Die Entfernung gestaltet sich schwierig. AppCloud ist tief in Samsungs Benutzeroberfläche One UI integriert und verhält sich nicht wie klassische Bloatware. Ein Deaktivieren ist möglich, doch nach Systemupdates oder einem Reset wird die App erneut aktiv. Nur mit Root-Zugriff lässt sie sich vollständig löschen, was für die meisten Anwender keine praktikable Lösung darstellt. SMEX bezeichnete die Software daher als Überwachungsinstrument, das direkt in die Hardware eingebettet sei.
Berichte zeigen, dass vor allem Modelle der Galaxy-A- und Galaxy-M-Serie betroffen sind, darunter A14, A23, A34 sowie M14, M23 und M34. Besonders häufig tritt das Problem in Regionen wie dem Nahen Osten, Indien, Indonesien, Brasilien und Mexiko auf. In Europa gibt es vereinzelte Meldungen, während Flaggschiffe wie die Galaxy-S-, Ultra- oder Z-Serie offenbar nicht betroffen sind. Nutzer in Deutschland und der EU berichten bislang keine Fälle, doch eine offizielle Bestätigung von Samsung fehlt.
Die Enthüllungen führten zu heftigen Reaktionen in sozialen Netzwerken. Kritiker sprechen von nicht entfernbarer Spyware und werfen Samsung vor, Daten ohne Zustimmung zu sammeln. Viele Nutzer sehen darin einen Vertrauensbruch, insbesondere bei günstigeren Geräten. IronSource wird zudem mit Werbenetzwerken in Verbindung gebracht, was die Sorge verstärkt, dass Daten zu kommerziellen Zwecken genutzt werden könnten. Samsung selbst hat bislang keine Stellungnahme abgegeben und bleibt intransparent, wie die gesammelten Informationen verarbeitet werden.
Betroffene Nutzer können die App lediglich deaktivieren und Berechtigungen entziehen. Fortgeschrittene Anwender können über ADB-Befehle versuchen, AppCloud zu entfernen, wobei dies nicht immer dauerhaft funktioniert. Alternativ bleibt der Wechsel auf Custom-ROMs, was jedoch Garantieverlust und technische Risiken mit sich bringt. Manche Nutzer ziehen sogar einen Geräteaustausch in Betracht, um die App zu umgehen.
Warum Samsung diesen Weg geht, ist unklar. Mögliche Gründe sind die Monetarisierung von Daten durch IronSource, die offizielle Begründung einer personalisierten Nutzererfahrung oder regionale Unterschiede bei Datenschutzgesetzen. Während in der EU und den USA strenge Vorgaben gelten, sind solche Praktiken in weniger regulierten Märkten leichter umzusetzen.
Das Fazit fällt zwiespältig aus. Konkrete Beweise für Missbrauch liegen bislang nicht vor. Klar ist jedoch: Die Debatte um AppCloud zeigt, wie sensibel das Thema Datenschutz bei Smartphones bleibt und wie wichtig Transparenz von Herstellern wäre.
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