Tesla FSD: 44 km/h in der 30er-Zone gefährdet EU-Start

Tesla FSD Supervised Europe
Quelle: Tesla, Inc.
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Die Testergebnisse der belgischen Verkehrssicherheitsorganisation Johanna.be treffen den Punkt: Teslas Full Self-Driving schießt im Brüsseler Stadtverkehr systematisch am Tempolimit vorbei. Vor der entscheidenden EU-Abstimmung am 6. Oktober legt die dreitägige Praxisprüfung über 400 Kilometer eklatante Schwächen der Autopilot-Software offen.

Kamera sieht Tempo 30, Display gibt 50 km/h frei

In 55 Prozent aller durchfahrenen 30er-Zonen ignorierte das FSD-System die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit. Das Testfahrzeug passierte die Strecken mit durchschnittlich 44 km/h – eine Tempoüberschreitung von knapp 50 Prozent. In Wohnstraßen mit Tempo 20 patzte die Software in 42 Prozent der Messungen.

Die Fehlerursache offenbart ein tiefes Abstimmungsproblem im System. Zwar erkannten die Kameras die Schilder am Straßenrand korrekt, doch das Display meldete dem Fahrer in der Regel ein Tempolimit von 50 km/h. Die Software wählte stur den falschen Kartenwert statt der optischen Verkehrszeichen. Auf Fahrradstraßen unternahm das Fahrzeug zudem verbotene Überholmanöver gegen Radfahrer. Zuvorkommendes Anhalten an Zebrastreifen gleicht diese Mängel nicht aus, wie auch meinem Check der europäischen FSD-Sicherheitsdaten zu entnehmen ist.

6-fache Mortalität: Wenn Assistenz zum Risiko wird

Das Tempo von 44 km/h in verkehrsberuhigten Bereichen ist eine reale Gefahr. Laut WHO-Daten steigt das Tötungsrisiko für Fußgänger bei einer Kollision mit 44 km/h gegenüber 30 km/h um das Sechsfache. Die Region Brüssel senkte die Limits bereits 2021 gezielt zum Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer.

Tesla argumentiert regelmäßig, FSD schwimme lediglich im Verkehrsfluss mit und fahre nicht exzessiv zu schnell. In geschützten Stadtzonen hebelt diese Logik den Sicherheitszweck der Verkehrsberuhigung komplett aus. Dass die vorläufige FSD-Freigabe der niederländischen RDW als Blaupause für ganz Europa dienen soll, wirkt vor diesem Hintergrund zunehmend fragwürdig.

EU-Zulassung am 6. Oktober vor dem Aus

Das Timing der Enthüllungen schwächt Teslas Verhandlungsposition massiv. Das Technische Komitee für Motorfahrzeuge der EU entscheidet am 6. Oktober über die Ausweitung der Zulassung nach UN-Regulierung 171. Für eine Freigabe in allen 27 Mitgliedstaaten ist eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 Mitgliedstaaten erforderlich, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren.

Der politische Widerstand wächst. Schweden verlangt eine technische Drosselung gegen Geschwindigkeitsverstöße; Dänemark, Finnland und Norwegen stützen diese Forderung. Frankreich verweigert die Anerkennung der Freigabe bereits seit Juli. Der Verweis flämischer Behörden auf die reine Fahrerverantwortung greift zu kurz, da Regulierungsgremien die Software bewerten. Die Testergebnisse legen offen, wie angreifbar Teslas aggressivem Europa-Push für den Autopiloten die Argumentationsgrundlage entzieht.

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