Tesla-Werk Grünheide: IG Metall fechtet Betriebsratswahl gerichtlich an

Der Machtkampf bei Tesla eskaliert. Die IG Metall zerrt den Autobauer vor das Arbeitsgericht Frankfurt an der Oder. Die Gewerkschaft reichte einen offiziellen Beschlussantrag ein. Das Ziel ist klar: Die Richter sollen die jüngste Betriebsratswahl vom 4. März offiziell für unwirksam erklären. Der Vorwurf wiegt schwer. Tesla habe die Mitarbeiter massiv eingeschüchtert und den gesamten Wahlkampf gezielt manipuliert.
Dieser Schritt überrascht. Jan Otto, der Bezirkschef der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, schloss eine juristische Anfechtung kurz nach der Wahl noch kategorisch aus. Damals forderte er lediglich eine „moralische Klärung“ der Situation. Die internen Prüfungen der vergangenen Wochen förderten jedoch offenbar eine erdrückende Menge an handfesten Indizien zutage. IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert nun gerechte Wahlen ohne die permanente Angst der Belegschaft vor späteren Repressalien durch den Arbeitgeber.
Die Liste der angeblichen Verstöße fällt lang aus. Tesla verbot der IG Metall laut eigenen Angaben die Installation von Leuchtwerbung an der Werksfassade. Konkurrierende Listen durften diese prominente Werbefläche hingegen nutzen. Führungskräfte verteilten aktiv Anti-Gewerkschafts-Anstecker und rieten den Angestellten in direkten Gesprächen von der Wahl der IG Metall ab. Kurz vor der Öffnung der Wahlurnen zeigte das Management zudem ein brisantes Video-Interview zwischen Werksleiter André Thierig und CEO Elon Musk. Musk lockte darin mit neuen Produkten wie dem Cybercab für den Standort Grünheide. Gleichzeitig warnte er die Belegschaft deutlich vor dem Einfluss externer Organisationen auf interne Firmenentscheidungen.
Die IG Metall kassierte bei der Wahl eine herbe Niederlage. Die Liste erreichte lediglich 31 Prozent der Stimmen. Das reichte am Ende nur für 13 der 37 Sitze im neuen Betriebsrat. Die erhoffte Mehrheit verfehlte die Gewerkschaft damit deutlich. Tesla reagiert auf die Klage bislang völlig gelassen. Das Unternehmen verweist genüsslich auf die früheren Aussagen von Jan Otto und vertraut nun auf den rechtsstaatlichen Gang der Dinge. Gewinnt die Gewerkschaft den Prozess, muss die komplette Wahl im Werk Grünheide wiederholt werden.
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