Volkswagen wagt Neustart: Batteriezellen-Produktion in Salzgitter als strategisches Signal für Europas E-Mobilität

Im niedersächsischen Werk Salzgitter hat Volkswagen erstmals die Fertigung eigener Batteriezellen aufgenommen. Dieser Schritt soll die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern verringern und die europäische Elektromobilität stärken. Der Start erfolgt jedoch in einem schwierigen Umfeld: Die Batteriesparte PowerCo schreibt hohe Verluste, Investoren zeigen sich zurückhaltend und chinesische Hersteller wie CATL dominieren den Markt. Konzernchef Oliver Blume betont dennoch die Notwendigkeit, zentrale Technologien nicht allein Asien zu überlassen. Geplant sind zunächst 20 Gigawattstunden Jahreskapazität, ausreichend für rund 250.000 Fahrzeuge. Bis die Produktion stabil läuft, werden bis zu anderthalb Jahre veranschlagt, und die Wirtschaftlichkeit hängt von einer Ausbeute von über 90 Prozent fehlerfreien Zellen ab.
Salzgitter gilt als Symbol für den Versuch Europas, im Batteriegeschäft Fuß zu fassen. Während Projekte wie Northvolt scheiterten und Stellantis seine Pläne in Deutschland und Italien zurückzog, bleibt Volkswagen als einziger großer Hersteller mit eigener Zellfertigung übrig. Ziel ist es, bis 2030 etwa ein Fünftel des Bedarfs selbst zu decken, während der Rest über Partner wie Gotion High-Tech abgedeckt wird. Geopolitische Risiken wie chinesische Exportbeschränkungen für Rohstoffe verdeutlichen die Bedeutung eigener Standorte in Deutschland, Spanien und Kanada.
Die Herausforderungen sind erheblich. PowerCo verzeichnet Milliardenverluste, Energiepreise in Deutschland liegen deutlich über dem Niveau in China, und technologisch setzt VW auf teurere NMC-Zellen, während chinesische Anbieter günstige LFP-Varianten bevorzugen. Forschung an Festkörper- und Natrium-Ionen-Batterien soll langfristig Abhilfe schaffen. Kritiker innerhalb der Eigentümerfamilien sehen das Projekt als riskant, doch Blume verweist auf die strategische Notwendigkeit.
Das Werk selbst hat sich von einer Motorenfabrik zu einer modernen Gigafactory gewandelt. Zwei neue Hallen mit jeweils 300 Metern Länge stehen für die Zellproduktion bereit. In der ersten Phase sollen 20 Gigawattstunden pro Jahr erreicht werden, später ist ein Ausbau auf 40 Gigawattstunden geplant. Ziel ist es, die Kosten pro Kilowattstunde unter 80 Euro zu senken, während chinesische Anbieter derzeit bei etwa 100 Euro liegen.
Europa hinkt im globalen Batterie-Wettrennen hinterher. Während Asien frühzeitig große Kapazitäten aufgebaut hat und die USA mit dem Inflation Reduction Act Milliarden investieren, fehlt in Europa eine koordinierte Industriepolitik. Förderprogramme sind zersplittert, ein gemeinsamer „Airbus-Moment“ blieb bislang aus. Experten sehen darin einen entscheidenden Nachteil gegenüber den Wettbewerbern.
Volkswagen will kurzfristig die Produktion hochfahren, Partner gewinnen und Kosten senken. Langfristig soll Europa als Batterie-Hub etabliert werden, unterstützt durch neue Technologien wie Festkörper- und Natrium-Ionen-Zellen. Ob diese Vision gelingt, hängt von politischen Entscheidungen, technologischen Fortschritten und wirtschaftlicher Stabilität ab. Szenarien reichen von einem Erfolg mit 40 Prozent Wahrscheinlichkeit über einen teuren Teilerfolg bis hin zum möglichen Rückzug.
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