VW-Hoffnungsträger Scout: Verspätung, Software-Chaos und die Rückkehr des Verbrenners

Eigentlich sollte die Wiedergeburt der US-Kultmarke Scout das große Comeback von Volkswagen in Amerika einläuten. Doch wie der Spiegel aktuell berichtet, steht das Prestigeprojekt in South Carolina unter massivem Druck. Der für Sommer 2027 geplante Marktstart der Modelle Terra (Pick-up) und Traveler (SUV) wackelt bedenklich – mittlerweile ist von einer Verschiebung auf mindestens Mitte 2028 die Rede. Der Grund: Eine strategische Kehrtwende und technische Hürden werfen den Zeitplan komplett über den Haufen.
Die größte Baustelle ist der Antrieb. Angesichts der schwächelnden E-Auto-Nachfrage in den USA setzt Scout nun voll auf eine Variante mit Range Extender (Harvester). Das Problem: Die ursprünglich reine Elektro-Plattform muss nun nachträglich für einen Verbrennungsmotor samt Tank und Abgasanlage umkonstruiert werden. Da im Vorderwagen kein Platz ist, muss der Benziner ins Heck – ein technischer Kraftakt, der Zeit und Millionen kostet. Erschwerend kommt hinzu, dass der Partner Rivian, der eigentlich die Software-Architektur liefern soll, wenig Interesse an der Integration von Verbrennungsmotoren zeigt. Rivian fokussiert sich auf reine Stromer, weshalb nun ausgerechnet die krisengebeutelte VW-Sparte Cariad einspringen soll, um das System zu retten.
Für den VW-Konzern wird Scout damit zum nächsten „Problemkind“. Das Timing könnte kaum schlechter sein: Wolfsburg steckt mitten in einem radikalen 20-Prozent-Sparprogramm und muss gleichzeitig zusehen, wie die Kosten in South Carolina explodieren. Auch für Audi ist die Nachricht ein Dämpfer. Die Ingolstädter planten unter dem Projektnamen „Rugged“ ein eigenes Premium-SUV auf der Scout-Plattform, das exklusiv in den USA gefertigt werden sollte. Sollte sich Scout weiter verzögern, gerät auch Audis US-Offensive ins Hintertreffen. Ob der Range Extender 2028 noch die erhoffte Rettung ist oder der Markt bis dahin längst wieder Richtung reiner E-Autos geschwenkt ist, bleibt die große Wette von Konzernchef Oliver Blume.
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