VW ID. Tiguan: Mehr Anhängelast, aber Lade-Knick enttäuscht

VW ID. Tiguan auf der ersten Testfahrt
Quelle: Volkswagen AG
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Erste detaillierte Daten zum neuen VW ID. Tiguan liegen vor und zeichnen ein zwiespältiges Bild. Volkswagen streicht die Modellbezeichnungen ID.4 sowie ID.5 ersatzlos, um den elektrischen Nachfolger näher an die gewohnte Verbrenner-Flotte zu rücken. Der deutsche Autobauer bessert bei Karosserie, Innenraum-Ergonomie und Zugkraft spürbar nach, liefert beim Blick auf die Schnelllade-Performance jedoch einen Rückschritt, der an der Säule für Diskussionen sorgen wird.

MEB+ bringt 2 Tonnen Zugkraft, aber deckelt die Lade-Spitze

Unter dem Blechkleid setzt Volkswagen auf die überarbeitete Plattform MEB+. Die Karosserie wächst in der Länge um 44 Millimeter, was direkt dem Innenraum zugutekommt. Bei den Antrieben greift Wolfsburg auf die Elektromotoren APP550 und AKA zurück. Die Leistungsstufen verharren bei 140 kW (188 PS), 210 kW (282 PS) sowie 220 kW (295 PS) im Allradmodell Pro 4Motion. Wie der geplante Plattform-Wechsel auf MEB+ bei Volkswagen zeigt, bringt das Update jedoch spürbare Fortschritte beim Nutzwert: Die gebremste Anhängelast klettert auf 2,0 Tonnen.

Ernüchterung stellt sich dagegen bei der detaillierten Lade-Performance ein. Das Einstiegsmodell nutzt ein 58 kWh großes LFP-Akkupaket mit maximal 105 kW Ladeleistung, das 26 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent benötigt. In den höheren Varianten verbaut der Konzern einen 77 kWh NMC-Akku. Ausgerechnet hier drosselt VW die maximale Ladeleistung von bisher 183 kW auf nunmehr 165 kW. Obwohl der Wechsel zu physischen Tasten und besserer Software im Cockpit überzeugt, muss sich die versprochene flachere Ladekurve in der Praxis erst noch beweisen. Die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent verharrt bei 29 Minuten.

Rückkehr der Bügelgriffe und V2L-Debüt

Parallel zu den Fahrleistungen korrigiert der VW ID. Tiguan gravierende Ergonomie-Fehler des Vorgängers. Die unpraktischen Touch-Griffe fliegen raus. Mit dem Wechsel zurück auf klassische mechanische Bügelgriffe steigt die Praxistauglichkeit bei Frost spürbar. Zudem kehren im Cockpit haptische Tasten am Lenkrad zurück. Die WLTP-Reichweite gibt VW je nach Akkugröße mit 450 bis 600 Kilometern an, womit der Stromer direkt gegen das Tesla Model Y, den Hyundai Ioniq 5 und den Renault Scenic E-Tech antritt.

Technisch erweitert der Konzern das Bordnetz um Vehicle-to-Load (V2L) für die Stromversorgung externer Elektrogeräte. Bidirektionales Laden für den Heimakku bleibt softwareseitig verankert. Auf der Straße bietet der APP550-Heckmotor kräftigen Antritt aus dem Stand, verliert bei Zwischensprints oberhalb von 80 km/h jedoch spürbar an Elan. Die serienmäßige Progressivlenkung erleichtert das Rangieren in der Stadt, zeigt auf Landstraßen aber eine betont komfortable Abstimmung. Wechselstrom zieht der Onboard-Lader an der Wallbox mit maximal 11 kW.

Strategischer Namenswechsel vor der SSP-Ära

Die Abkehr von der abstrakten Zahlen-Nomenklatur markiert einen wichtigen Schwenk in der Markenkommunikation. Während man den ungeliebten ID.4 beerdigt, soll der eingeführte Name das Kundenvertrauen zurückgewinnen. Der VW ID. Tiguan dient als wichtiges Volumenmodell, bevor ab 2028 die einheitliche SSP-Plattform im Konzern übernimmt.

Die offizielle Weltpremiere ist für Oktober 2026 angesetzt, während der Marktstart im Frühjahr 2027 erfolgt. Für die deutschen Standorte sichert das Modell wichtige Produktionsstunden. Wie der Markt die Kombination aus besserer Ergonomie und reduzierter Peak-Ladeleistung aufnimmt, zeigen die kommenden Zulassungszahlen ab dem nächsten Jahr.

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