BMW Neue Klasse: Der Steyr-Faktor entscheidet über Sekt oder Selters

Wer glaubt, die Zukunft von BMW entscheide sich im bayerischen Designstudio, irrt gewaltig. Der eigentliche Knackpunkt liegt tief im österreichischen Steyr. Dort muss die Produktion jetzt fehlerfrei laufen, denn ohne Motoren bleibt die Neue Klasse schlicht ein teures Versprechen.
Die riskante Wette auf den Turbo-Hochlauf
BMW dreht an den Reglern. In Steyr läuft die Fertigung der neuen Gen6-Elektromotoren ab sofort im Zwei-Schicht-Betrieb, um die wöchentliche Kapazität auf über 4.000 Einheiten hochzuprügeln. Eine Ansage.
Bislang reiner Tröpfelbetrieb. Seit dem Serienstart am 1. August 2025 liefen gerade mal 8.500 E-Motoren vom Band. Und jetzt? Sollen es im laufenden Jahr direkt weit über 100.000 Einheiten werden. Ambitioniert. Da darf kein einziger Roboter husten.
Warum das Werk Steyr die ganze Last trägt
Wer die Neue Klasse fahren will, braucht Geduld. Das Mittelklasse-SUV iX3 macht dieses Jahr den Anfang, der elektrische 3er (i3) folgt Ende des Jahres aus München. Das Werk Steyr beliefert dafür alle BMW-Werke außerhalb Chinas mit den Antrieben. Ein einziges Werk trägt also die Last für fast den gesamten Weltmarkt. Ein enormes Risiko.
Denn der Haken bei so einer hohen Fertigungstiefe liegt auf der Hand. BMW baut die Kernkomponenten Rotor und Stator selbst vor Ort, seit dem ersten Halbjahr ebenfalls im Zwei-Schicht-Betrieb. Fällt in Steyr ein Werkzeug um, steht irgendwo auf der Welt ein Band still. Das ist der Kompromiss, wenn man sich nicht komplett von Zulieferern abhängig machen will. Clever, aber eben auch nervenaufreibend.
Die Montagelinie 5 hat nun die zweite Schicht, Linie 6 läuft seit April im Serienbetrieb. Alles wirkt durchgetaktet. Trotzdem nervt die Vorstellung, wie fragil diese globale Kette im Ernstfall sein kann.
Die Jagd nach der totalen Motor-Hoheit
BMWs Weg weicht massiv von vielen Konkurrenten ab, die ihre E-Motoren schlicht fertig zukaufen. Die Münchner setzen bei ihrer sechsten Motorengeneration auf maximale Eigenregie. Das Baukastensystem in Steyr muss verschiedene Antriebskonzepte auf denselben Linien abbilden können.
Wirtschaftlich bedeutet das anfangs einen schmerzhaften, extrem teuren Weg. Die Milliardeninvestitionen belasten die Marge im Hier und Jetzt. Doch langfristig sichert sich BMW so die totale Kontrolle über die wichtigste Komponente des Elektrozeitalters. Wer den Motor beherrscht, beherrscht die Effizienz. Das könnte sich im Konkurrenzkampf mit den Herstellern aus China auszahlen.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
