Huawei Nova 9 Testbericht

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Quelle: Schmidtis Blog

Mit dem Huawei Nova 9 versucht der chinesische Hersteller ein kleines Comeback in Deutschland. Man braucht ja keinem mehr erzählen, warum der einstige Liebling lange kein neues Smartphone-Modell mehr für Deutschland präsentiert hat. Doch wie sieht es aus, kann das Modell auch ohne Google-Dienste und 5G-Support überzeugen?

Das Huawei Nova 9 wurde mir direkt vom Hersteller in der Farbe Starry Blue mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Dennoch hat dies keinen Einfluss auf das Testergebnis.

Lieferumfang

Das Huawei Nova 9 kommt in einer weißen Box mit silberner Schrift, das Nova-Logo sowie der Hinweis auf die AppGallery sind auf der Vorderseite zu sehen. Auf der Unterseite der Box findet man auch ein paar Key-Specs des Gerätes.

Im Inneren finden wir dann das eigentliche Telefon, ferner auch noch eine Silikonhülle, ein USB C-Kabel, das SIM-Eject-Tool und das 66 Watt Ladegerät. Kopfhörer gibt es auch hier nicht.

Huawei Nova 9
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Technische Daten

Das Huawei Nova 9 verfügt über ein 6,57″ gebogenes OLED-Display mit FullHD+-Auflösung (2.340 x 1.080 Pixel), 120 Hz Bildwiederholfrequenz, einer mittigen Punch Hole für die Frontkamera und einen Fingerabdrucksensor im Display für eine bequemere Entsperrung des Bildschirms.

Im Inneren werkelt der Qualcomm Snapdragon 778G Prozessor, hier jedoch nur das 4G LTE-Modell. Dazu gibt es 8 GB RAM und 128 GB internen Speicher. Auf der Rückseite ist eine Quad-Kamera bestehend aus 50 MP RYYB-Hauptkamera mit Blende f/1.9 + 8 MP Ultraweitwinkelkamera mit Blende f/2.2 + 2 MP Tiefenschärfekamera mit Blende f/2.4 und einer 2 MP Makrokamera mit Blende f/2.4. Auf der Vorderseite des Handys befindet sich eine 32 MP Selfie-Kamera (f/2.0-Blende).

Das Handy misst 160 mm x 73,7 mm x 7,77 mm und wiegt 175 g. Es hat einen 4.300 mAh Akku verbaut, der mit 66 Watt SuperCharge über USB Typ C aufgeladen werden kann. Interessanterweise kommt das Telefon mit dem EMUI 12-Betriebssystem, basierend auf Android 11.

Verarbeitung & Haptik

Huawei bietet auch weiterhin extrem gute Verarbeitung bei seinen Smartphones. Diese ist über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn das Huawei Nova 9 zur Mittelklasse gehört, verarbeitungstechnisch bekommt man aber Oberklasse-Niveau geboten.

Vorder- und Rückseite sind aus Glas und gebogen, die Rückseite glänzt sogar mit einem schönen Farbverlauf. Das Glas sieht aus wie sandgestrahlt und das Nova-Logo hat einen interessanten 3D-Effekt. Der schmale Rahmen ist aus Kunststoff, auf der rechten Seite sind der Power-Button und die Lautstärkewippen sehr gut erreichbar.

Huawei Nova 9
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Auf der Oberseite befindet sich ein zusätzliches Mikrofon. An der Unterseite der USB C-Anschluss, der SIM-Schacht und der Lautsprecher. Auf der Rückseite dominiert der riesige Kamera-Buckel, der im neuen Huawei-Look gehalten ist. Damit hebt sich das Gerät deutlich von der Konkurrenz ab.

Der Kamerabuckel steht ziemlich weit vor, und die 50 MP-Hauptkamera ist mit einem Ring um sie herum akzentuiert, während die anderen drei Sensoren in einem zweiten Ring ohne Akzente untergebracht sind.

Alles in allem liegt das Huawei Nova 9 richtig gut in der Hand, was sicherlich an der gewölbten Rückseite liegt.

Display

Huawei setzt beim Nova 9 auf ein gebogenes 6,57″ OLED-Display im Format 19,5:9 mit FullHD+-Auflösung (2.340 x 1.080 Pixel), 120 Hz Bildwiederholfrequenz und einer mittigen Punch Hole für die Selfie-Kamera. Auch einen Fingerabdrucksensor hat man unter dem Display verbaut, dieser funktioniert schnell und zuverlässig.

Es ist ganz offensichtlich, dass das Display eines der Hauptmerkmale des Gerätes ist. Neben OLED mit 120 Hz unterstützt es auch die 10-Bit-Farbwiedergabe. Was die Helligkeit angeht, ist das OLED-Panel nicht beeindruckend, es ist auf klassenüblich gutem Niveau. Im Auto-Modus kommt es auf einen Spitzenwert von knapp 600 nits, im Freien sollte es an einem hellen, sonnigen Tag keine Probleme geben.

Huawei Nova 9
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Die Farbgenauigkeit ist nicht ganz so gut, die Farbtemperatur viel zu kalt voreingestellt. dies verfälscht die Farben deutlich, alle Grau- und Weißtöne haben z.B. einen Blaustich. Wenn ihr ordentliche Farben haben wollt, solltet ihr lieber den normalen Farbmodus einstellen, dann bekommt ihr ein deutlich akkurateres Farberlebnis geboten.

Die Bild­wie­der­hol­rate kann entweder auf „Dyna­misch“ eingestellt werden, dort regelt das Display dann automatisch die Wiederholrate zwischen 60 Hz oder 120 Hz. Mann kann aber auch dauer­haft 120 Hz oder aber die stan­dard­mäßigen 60 Hz einstellen. Letzteres spart natürlich dann auch Akkulaufzeit.

Kamera

Huawei selbst hat nicht verraten, welcher Sensor im Nova 9 verbaut wurde. Es soll sich dabei aber um den 50 MP Sony IMX766 1/1.56″ Sensor mit 1.0µm Pixeln handeln, hier in Verbindung mit einer Blende von f/1.9. Die Ultraweitwinkelkamera ist ein 8 MP 1/4.0″ Sensor, der mit einer Blende von f/2.2 ausgestattet ist. Die beiden anderen Kameras dienen der Tiefenerkennung und der Makrofotografie, beide lösen mit 2 MP auf und haben eine f/2.4-Blende. Die Selfie-Kamera hat 32 MP Auflösung, 0,8 µm große Pixel und eine Blende von f/2.0.

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Huawei verbaut hier einen RYYB-Sensor, der auf einen gelben statt einen grünen Farb­filter setzt. Das soll mehr Licht durch­lassen und für bessere Aufnahmen bei schlechten Licht­ver­hält­nissen sorgen. Was es zu beweisen gilt. Dank zahlreicher Modi und KI-Verbesserungen erzielt das Huawei Nova 9 bereits im automatischen Foto-Modus in lichtarmen Situationen überraschend gute Resultate. Zusätzlich aktivierbar ist auch ein extra Nachtmodus mit sehr hoher Belichtung.

Die Fotos bei Tageslicht sind für die Preisklasse in Ordnung. Jedoch scheint der Autofokus ein paar Probleme zu haben, dieser ist manchmal uneinheitlich und die Fotos sind nicht optimal scharf. Davon abgesehen liefert das Nova 9 im Allgemeinen schöne und angenehme Fotos, die schön scharf sind.

Der Dynamikbereich ist mehr als ausreichend, Schatten und Lichtern sind gut ausbalanciert. Die Farben sind ebenfalls angenehm – ein wenig gesättigt, aber definitiv nicht übertrieben. Und Rauschen scheint kein Thema bei der Kamera zu sein. Leider bietet der 50 MP KI-Modus keine weiteren Vorteile als die natürlichere Verarbeitung. Die Bilder sehen dann auch nicht wirklich besser aus als sie ohnehin schon sind.

Bilder, die mit dem 2fach-Zoom aufgenommen werden, sehen ebenfalls gut aus. Die Leistung der Ultraweitwinkelkamera ist zwar nicht überragend, liegt aber im Rahmen dessen, was die meisten Konkurrenten zu bieten haben. Die Bilder sind etwas weich und lassen bei genauer Betrachtung Details vermissen. Auch der Kontrast könnte besser sein, und die Farbwiedergabe unterscheidet sich stark von der der Hauptkamera.

Die Leistung der Hauptkamera bei Nacht ist auf den ersten Blick gut, es fehlt ein wenig an Konsistenz. Einige Fotos erscheinen manchmal unerklärlicherweise unscharf. Dagegen überzeugen Detailtreue in den Schatten und den gut ausgeprägten Lichtern. Auch die Farben in der Nacht sind sehr lebendig.

Der Nachtmodus erzielt keine wesentlich besseren Ergebnisse. Es gibt nur einen minimalen bis gar keinen Unterschied zwischen dem Standard-Fotomodus und dem speziellen Nachtmodus. Letzterer kann die Schärfe ein wenig verbessern, die Wartezeit für das fertige Bild im Nachtmodus lohnt sich aber nicht wirklich. Diese Zeit sollte man besser in ein paar Aufnahmen im normalen Fotomodus investieren und sicherstellen, dass der Fokus stimmt.

Software & Performance

Die Situation der mobilen Betriebssysteme von Huawei ist im Moment etwas kompliziert. Das firmeneigene HarmonyOS hat nach den letzten offiziellen Zahlen bereits über 150 Millionen Geräte erreicht, meist als Ersatz für Android. Doch hierzulande setzt Huawei weiterhin auf Android und EMUI. Beim Huawei Nova 9 in Form vom neuen EMUI 12 basierend auf Android 11. Auf meinem Testgerät war na dem letztn Update EMUI 12.0.1 zu finden.

Das neue EMUI 12 sieht extrem modern aus und lässt HarmonyOS, auf das so viele warten, eigentlich nicht vermissen. Was man allerdings weiter vermisst, sind die Google-Dienste, die es auf diesem Gerät natürlich auch nicht gibt. Ach den Google Play Store sucht man vergebens, dafür setzt der Hersteller auf Huawei HMS und den dazugehörigen AppGallery-Store.

EMUI 12 scheint in seinem Aussehen und Funktionen HarmonyOS 2.0 sehr ähnlich zu sein. Die Benutzeroberfläche verwendet viele abgerundete Ecken und Farbverläufe, wobei Schwarz, Blau und Weiß den Kern des Farbschemas bilden. Es gibt neue und verfeinerte Animationen, die laut Huawei von der Bewegung von Himmelsobjekten inspiriert wurden.

Zu den Änderungen in EMUI 12 gehört viele Personalisierungsmöglichkeiten, z.B. bei der Systemschrift, es nun separate Benachrichtigungs- und Kontrollleisten – eine davon ist durch Wischen von der linken Ecke nach unten zugänglich, die andere durch Wischen nach rechts.

Huawei hat auch einige der fortschrittlichen Konnektivitäts- und Produktivitätsoptionen von HarmonyOS 2.0 übernommen. Insbesondere der Abschnitt Device+ im Schnellzugriffsbereich ermöglicht es MatePad- und MateBook-Benutzern, erweiterte Multi-Screen-Setups zu erstellen. Es gibt auch Huawei Vision Casting auf einen kompatiblen Fernseher und erweiterte Multi-Device-Operationen.

Wenn ihr ein kompatibles MateBook besitzt, auf dem PC Manager 11.1 oder neuer läuft, unterstützt EMUI 12 auch das neue Distributed File System von Huawei, das den Dateizugriff und die Übertragung zwischen Ihrem Telefon und Ihrem Computer vereinfachen soll.

Wer die Apps sucht, die man weltweit am häufigsten nutzt, z.B. Messenger wie WhatsApp oder Facebook, diese Apps amerikanischer Anbieter gibt es auch nicht in der AppGallery. Dafür aber offizielle Downloadlinks. In der AppGallery einfach in das Such­feld die gewünschte App eintragen und in 99 Prozent der Fälle wird dann auch der offizielle Downloadlink ausgespuckt.

Produktives Arbeiten, digitale Unterhaltung, Kommunikation mit Familie und Freunden und vieles mehr ist ohne Abstriche auch ohne die Google-Dienste möglich.

Der im Huawei Nova 9 verwendete Snapdragon 778G basiert auf dem 6nm N6-Fertigungsprozess von TSMC und verfügt über eine Octa-Core-CPU und eine Adreno 642L GPU für grafikintensive Aufgaben. Die CPU besteht aus drei Clustern 1x 2,4 GHz Kryo 670 Prime (Cortex-A78), 3x 2,4 GHz Kryo 670 Gold (Cortex-A78) und 4x 1,8 GHz Kryo 670 Silver (Cortex-A55). Dieser wird von 8 GB RAM unterstützt.

Wie erwartet, gibt es keine großen Unterschiede zu anderen Snapdragon 778G-Geräten, alles läuft flüssig, alle Apps starten schnell und es gibt auch keine Ruckler. Beim Thema Geschwindigkeit ist EMUI 12 nicht zu bremsen.

Lautsprecher

Im Gegensatz zu den meisten seiner Konkurrenten hat das Huawei Nova 9 keine Stereolautsprecher an Bord. Dies ist dann doch ein wenig enttäuschend. Huawei verlässt sich stattdessen auf einen einzigen, nach unten gerichteten Lautsprecher. Für einen einzelnen Lautsprecher ist er anständig laut und klingt ziemlich sauber. Aber wenn man die Lautstärke erhöht, stößt er an seine Grenzen. Der Sound geht in Ordnung, für Musik hören oder Videos schauen sollte man dann aber lieber auf Kopfhörer setzen oder aber streamen.

Huawei Nova 9
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Akku

Der Akku ist „nur“ 4.300 mAh groß, etwas kleiner als die meisten Geräte seiner Preisklasse, vielleicht um das Gerät schlank zu halten. Wie auch immer, der 4.300 mAh Akku sorgt jetzt nicht für die längste Ausdauer, aber über den Tag kommt man dennoch ohne Probleme. Die Akkulaufzeit kann daher als „durchschnittlich“ bezeichnet werden.

Dafür kann der Akku des Nova 9 allerdings mit 66 Watt aufgeladen werden. Huawei selbst gibt an, dass der Akku, wenn er denn einmal komplett leer ist, in nur 38 Minuten wieder voll aufge­laden sein soll. Damit sollte dann ein kurzer „Stopp“ an der Steckdose locker dafür ausreichen, dass das Gerät die nächsten Stunden mit Strom versorgt ist.

Huawei Nova 9
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Fazit

Das Huawei Nova 9 zeigt wieder einmal beeindruckend, dass Huawei nichts verlernt hat. Das Gerät sieht klasse aus, hat gute Technik verbaut und auch beim Thema Kamera scheint man auch weiterhin sein Bestes zu geben. Superschnelles Laden und ein neuen EMUI 12 basierend auf Android 11 runden das Paket ab.

Manko ist natürlich, dass es keine Google-Dienste gibt und der Eine oder Andere vielleicht auch 5G-Support vermissen wird. Dafür punktet Huawei aber mit einem extrem attraktiven Preis. Man muss für sich entscheiden, ob fehlende Google- und 5G-Unterstützung wichtig sind oder nicht. Wenn nicht, dann bekommt man mit dem Huawei Nova 9 ein gelungenes Smartphone.

Wer den Look liebt und doch lieber Google und 5G an Bord haben möchte, der sollte sich das fast identische Honor 50 einmal genauer ansehen.

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