Leapmotor B03X im Test: Viel Platz für 25.400 Euro, aber Patzer bei der Software

Das neue Elektro-SUV Leapmotor B03X in elegantem Dunkelgrün. Eine junge Frau lehnt an dem kompakten Crossover mit markanten Alufelgen und bronzefarbenem Front-Element vor urbaner Lifestyle-Kulisse
Quelle: Leapmotor
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Der Leapmotor B03X setzt ein Ausrufezeichen im Segment der kompakten Elektroautos: Für einen Einstiegspreis von 25.400 Euro verspricht der Crossover Raumverhältnisse, die sonst nur eine Fahrzeugklasse höher zu finden sind. Wer allerdings glaubt, Stellantis und der chinesische Partner hätten ein makelloses Wunderauto auf die Räder gestellt, stellt bei der ersten Ausfahrt schnell fest: Beim Finetuning und der Cockpit-Software regiert noch der Rotstift.

Mit 4,27 Metern Länge, 1,81 Metern Breite und 1,64 Metern Höhe passt der Leapmotor B03X exakt ins klassische B-Segment. Dank des Radstands von 2,61 Metern und der reinen Elektro-Plattform ohne Mitteltunnel entsteht im Innenraum jedoch eine erstaunliche Bewegungsfreiheit. Selbst wenn der Fahrersitz weit nach hinten geschoben ist, sitzen Erwachsene im Fond völlig unverkrampft. Für den dicht besiedelten Großstadtraum ist der Wendekreis von 10 Metern ein echter Segen – enge Rangier-Manöver erledigt der B03X in einem Zug. Dass der Hersteller so selbstbewusst auftritt, überrascht nicht: Leapmotor baut mit Stellantis über 1.000 Standorte in Europa auf, um das Händlernetz flächendeckend für B-Segment-Stromer zu rüsten.

Raumwunder mit cleveren Details – doch die Zuladung bremst

Im Koffer- und Innenraum beweisen die Entwickler Sinn für Alltagstauglichkeit. Bis zu 475 Liter Ladevolumen stehen im Heck bereit. Ein echtes Highlight verbirgt sich unter dem Ladeboden: Eine 105 Liter fassende, wasserdichte Wanne mit integriertem Stöpsel nimmt nasses Zubehör oder dreckige Schuhe auf und lässt sich einfach ausspülen. Bei umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1.358 Liter an. Zudem lassen sich die Sitzflächen der hinteren Reihe hochklappen, was das Beladen mit hohen Gegenständen quer hinter den Vordersitzen ermöglicht.

Die Kehrseite der Sparkalkül-Medaille zeigt sich beim Blick auf die Nutzlast. Eine zugelassene Zuladung von nur 395 Kilogramm ist für ein familientaugliches Fahrzeug extrem knapp bemessen. Mit vier Erwachsenen und leichtem Gepäck ist das Limit schnell erreicht. Einen Frunk unter der Fronthaube sucht man vergebens, weshalb das AC-Ladekabel den hinteren Frachtraum belegt. Wer auf Anhänger hofft, wird enttäuscht: Eine Anhängerkupplung wird gar nicht erst angeboten. Für die Dachlast gelten maximal 75 Kilogramm bei einer HerstellEmpfehlung von höchstens 120 km/h.

Im Cockpit dominieren ein 14,6-Zoll-Touchscreen und ein schmaler 8,8-Zoll-Tacho. Schalter oder physische Knöpfe in der Mittelkonsole fehlen komplett. Während die Soft-Touch-Elemente haptisch zunächst überzeugen, wirken viele Kunststoffflächen spürbar kratzempfindlich gegen Schlüssel oder Fingernägel.

Sparsamer Realverbrauch im Test, doch die Klima-Software patzt

In der getesteten Topversion ProMax Design leistet der ölgekühlte Elektromotor an der Vorderachse 145 kW (197 PS) und liefert 200 Nm Drehmoment. Die Basisversion Pro Life leistet 130 kW (177 PS). Den Sprint von 0 auf 100 km/h bewältigen beide in 8,6 Sekunden. Obwohl die Höchstgeschwindigkeit bei 160 km/h abgeregelt sein soll, marschierte der Testwagen im ausführlichen Praxis-Test von inside digital überraschend bis auf 181 km/h.

Bei der Effizienz überrascht der Elektro-Crossover positiv: Auf der 55 Kilometer langen Testdistanz durch Stadt, Landstraße und Autobahn begnügte sich der B03X ProMax mit laut Bordcomputer nur 13,2 kWh pro 100 Kilometer. Damit lag der Testverbrauch deutlich unter dem offiziellen WLTP-Mischwert von 15,7 kWh. Rechnerisch ergibt das mit dem verbauten 53-kWh-LFP-Akku eine Reichweite von rund 400 Kilometern (WLTP offiziell: 382 km). Der kleinere 39,8-kWh-Akku im Basismodell ist für 292 Kilometer spezifiziert. Wie ehrlich die WLTP-Reichweite beim Leapmotor B03X in der Praxis wirklich ist, hängt vor allem von niedrigen Wintertemperaturen und schnellen Autobahn-Etappen ab.

Geladen wird am DC-Schnelllader im ProMax mit bis zu 133 kW (Basismodell 100 kW), womit der Hub von 10 auf 80 Prozent in 21 Minuten gelingen soll. An der Wallbox lädt der Wagen mit 11 kW. Eine serienmäßige Wärmepumpe ist ab Werk verbaut.

Minuspunkte sammelt Leapmotor bei der Software-Reife. Die beworbene 2-Zonen-Klimaautomatik ließ sich während der Testfahrt schlichtweg nicht einstellen – eine getrennte Zonen-Wahl existierte im Touchscreen-Menü schlicht noch nicht. Der Hersteller gelobte Nachbesserung per Over-the-Air-Update. Auch der Spurhalteassistent griff stellenweise zu ruppig in das Geschehen ein.

Ansage an die Konkurrenz: Viel Elektroauto unter 30.000 Euro

Preislich setzt Leapmotor ein starkes Signal: Der B03X Pro Life startet bei 25.400 Euro (inklusive LED-Licht, Klimaautomatik und Touchscreen, aber auf Stahlfelgen). Die voll ausgestattete Variante ProMax Design steht für 29.900 Euro beim Händler und bietet zusätzlich Kunstledersitze, Lenkrad- und Sitzheizung, 360-Grad-Kamera und 18-Zoll-Alufelgen. Der Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis offenbart, wie sehr die Leapmotor-Plattform etablierte Rivalen wie VW unter Druck setzt.

Inklusive sind 4 Jahre Fahrzeuggarantie (bis 100.000 km) sowie 8 Jahre Batteriegarantie (bis 160.000 km). Auf künstliche Händlerrabatte verzichtet der Hersteller bewusst zur Stabilisierung der Restwerte. Unterm Strich liefert der Leapmotor B03X extrem viel Raum und Reichweite fürs Geld – setzt beim Käufer aber die Bereitschaft voraus, verbleibende Software-Falten per Update glätten zu lassen.

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