LineageOS 23.2: Endlich fertig – und verdammt nochmal gut

LineageOS 23.2 ist raus, und ja, es hat verdammt lange gedauert. Das ursprüngliche Release war für Ende 2025 geplant – Material 3 Expressive fehlte komplett, Google veröffentlichte den AOSP-Quellcode zu spät, und das Projekt musste warten. Wir schreiben 2026, und erst jetzt läuft die vollständige Version stabil.
Wer auf ein Smartphone ohne aufgezwungene KI-Features steht, findet hier das seltene Gegenteil: Gemini nur dann, wenn man es will. Google Apps sind optional als Zusatzpaket installierbar – und wer es weglässt, verliert nach einem kurzen Test überraschend wenig Komfort, gewinnt aber spürbar an Datenschutz.
Was Material 3 Expressive konkret bringt
Das neue Design-System von Google macht sich vor allem in den Schnelleinstellungen bemerkbar. Kacheln lassen sich jetzt von 2×1 auf 1×1 verkleinern – klingt klein, ist im Alltag aber ein echter Gewinn, weil LineageOS ohnehin deutlich mehr Kachel-Optionen mitbringt als Stock-Android. Die Statusleiste sieht anders aus, die Animationen laufen flüssiger, und selbst auf älterem Hardware wie dem Pixel 7a fühlt sich das Ganze nicht träge an.
Der Musikplayer Twelve hat größere Buttons, bessere Farbdynamik und jetzt auch Wiedergabestatistiken plus MIDI-Support. Die Kamera-App Aperture unterstützt endlich Ultra HDR, RAW und RAW+JPEG gleichzeitig – das ist ein echter Sprung für alle, die ihr Gerät ernsthaft als Kamera nutzen.
Was noch nicht rund läuft
- Updater-App – überarbeitet wird sie noch, fertig ist sie nicht. Wer regelmäßig aktualisiert, kennt den umständlichen Prozess und wartet weiter.
- Taschenrechner-App – laut Changelog überarbeitet, in der Praxis kaum erkennbar. Die AC-Taste funktioniert nicht korrekt. Kleines Ding, nervt trotzdem.
- Uhr-App – „verbesserte Animationen“ steht im Changelog. Sieht identisch aus. Kein Kommentar nötig.
- System-Apps insgesamt – viele haben das neue Design noch nicht, kommen in den nächsten Monaten nach. Das ist kein Showstopper, aber man sieht, dass das Release noch etwas work-in-progress ist.
Was das für den Alltag bedeutet
Googles Umstieg auf vierteljährliche AOSP-Releases hat einen direkten Effekt: LineageOS erscheint jetzt nur noch alle sechs Monate in einer neuen Hauptversion. Das ist langsamer als früher, hat aber einen seltsamen Vorteil – das Team kann Features gründlicher integrieren statt zu hetzen.
Der eigentliche Knackpunkt bleibt die Gerätekompatibilität. Wer ein Pixel oder ein unterstütztes Modell hat, bekommt mit LineageOS ein System, das vielen Hersteller-ROMs klar überlegen ist – gerade weil Features freigeschaltet werden, die Hersteller künstlich gesperrt haben. Fingerabdruckerkennung außerhalb des Displays auf bestimmten Pixels zum Beispiel: offiziell nicht unterstützt, mit Lineage funktioniert es auf manchen Geräten.
Wer gerade ein Billigsmartphone kauft, das nur ein einziges Systemupdate bekommt, sitzt 2026 auf einem Gerät, das in zwei Jahren veraltet ist. LineageOS ist in solchen Fällen keine Bastelei – es ist die vernünftigere Entscheidung. Und für alle, denen KI-Integration in jedem zweiten System-Dialog einfach zu viel ist: Das ist wahrscheinlich gerade die sauberste Android-Erfahrung, die man ohne Eigenentwicklung haben kann.
Quelle: LineageOS
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