Mercedes C-Klasse Elektro: Källenius beerdigt das EQ-Debakel

2027er Facelift der Mercedes C-Klasse Frontansicht Limousine
Quelle: Mercedes-Benz AG
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Das wurde aber auch Zeit: Mercedes zieht endlich den Stecker beim ungeliebten EQ-Branding. Auf einer exklusiven Ausfahrt durch Finnland mit dem britischen Magazin Autocar demonstrierte Konzernchef Ola Källenius höchstpersönlich die kommende elektrische C-Klasse. Die wichtigste Botschaft für alle Mercedes-Fans: Stromer und Verbrenner heißen künftig wieder gleich, basieren unter dem Blech aber auf grundverschiedenen Architekturen.

Bisher mussten E-Auto-Käufer mit aerodynamisch glattgebügelten Modellen wie dem EQE vorliebnehmen. Damit ist jetzt Schluss. Die neue C-Klasse und das SUV-Pendant GLC rollen als reine Stromer auf der neuen MB.EA-Plattform an. Wer weiterhin Benzin oder Diesel verbrennen will, bekommt modernisierte Verbrenner auf eigener Basis serviert. Mercedes zwingt niemanden mehr zum Umstieg – der Kunde entscheidet selbst, wann er wechselt.

MB.OS und TOPS: Wenn Chips wichtiger als Zylinder werden

Wie tief der digitale Wandel sitzt, zeigte sich mitten auf der finnischen Landstraße: Källenius philosophierte gerade über das Fahrgefühl bei Tempo 200, als ihn das Auto selbst per Sprachassistent trocken von der Seite unterbrach. Das Herzstück der neuen Generation ist das hauseigene Betriebssystem MB.OS, das markenübergreifend sowohl in reinen Elektroautos als auch in klassischen Verbrennern wie der S-Klasse als zentrales Nervensystem fungiert.

Für uns Autofahrer verschieben sich damit die Prioritäten drastisch. Källenius vergleicht die Transformation treffend mit dem damaligen PC-Sprung vom 386er- auf den 486er-Prozessor. Statt Hubraum und Zylinder zählen heute TOPS (Billionen Rechenoperationen pro Sekunde). Ohne massive Chip-Power lassen sich moderne, KI-gestützte Fahrassistenten und verzögerungsfreie Benutzeroberflächen schlichtweg nicht mehr realisieren.

40 Modelle bis 2027: Wahnsinnstempo mit eigener Software

Hinter den Kulissen läuft dafür ein gewaltiges Programm: Bis Ende 2027 will Mercedes weltweit satte 40 neue Modelle und Derivate auf den Markt werfen. Ein solches Pensum ist laut Källenius nur machbar, weil die Stuttgarter auf eine modulare Chip- und Software-Struktur setzen, statt jedes Fahrzeug von Grund auf neu zu konstruieren. Partnerschaften mit Tech-Riesen wie Google oder Apple lehnt Mercedes weitgehend ab – die Software-Hoheit bleibt strikt im eigenen Haus.

Ob man manche Spielereien wirklich braucht, darf man allerdings bezweifeln. Der kommende elektrische AMG CLA 45 soll beispielsweise virtuelle Schaltrucke und künstlichen V8-Sound simulieren. Källenius schwärmt zwar nach einer Probefahrt von einem geradezu religiösen Erlebnis, aber Hand aufs Herz: Echte E-Auto-Fans wollen den lautlosen, linearen Punch und keinen künstlich generierten Auspufflärm aus dem Lautsprecher.

Unterm Strich stellt Mercedes die Weichen dennoch richtig. Wenn die Schwaben jetzt noch ihre Preispolitik im Zaum halten und bei der elektrischen C-Klasse nicht völlig abheben, könnte die neue Plattform genau der Befreiungsschlag werden, den die Marke nach den zähen EQ-Jahren dringend braucht.

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