VW gesteht ein: Reine Elektroauto-Werke waren ein Fehler

VW ID.3 Neo
Quelle: Volkswagen AG
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Reine E-Auto-Werke klangen nach der perfekten Zukunft, entpuppen sich bei Volkswagen jetzt aber als teure Sackgasse. Produktionschef Christian Vollmer räumte überraschend offen ein, dass der Umbau reiner E-Standorte wie Zwickau und Emden rückblickend eine Fehlentscheidung war. Wer keine Verbrenner mehr über dieselben Bänder schicken kann, verliert bei Nachfrageschwankungen jede betriebswirtschaftliche Flexibilität.

Fehleinschätzung beim Hochlauf: Warum Monokulturen in Zwickau und Emden scheitern

In Zwickau und Emden zeigt sich das Problem dieser reinen Elektro-Strategie unbarmherzig. VW verließ sich auf einen deutlich schnelleren Hochlauf der Elektromobilität und damalige politische Rahmenbedingungen. Bleiben die Verkäufe von Stromern wie dem ID.3 jedoch hinter den Erwartungen zurück, gerät die Auslastung sofort ins Wanken. Ausweichmöglichkeiten gibt es in einer reinen Elektro-Fabrik schlichtweg nicht.

Die gravierenden Konsequenzen dieser starren Ausrichtung erleben wir bei der Debatte um Werksschliessungen und Stellenabbau bei VW, wo unflexible Strukturen das Gesamtsystem belasten.

Zwar sorgt das Facelift des ID.3 Neo aktuell wieder für etwas Entlastung an den Bändern, doch das grundlegende Risiko bleibt bestehen. Eine Fabrik ohne Verbrenner-Puffer kann Marktflauten nicht abfedern. Das führte in der Vergangenheit bereits zu gestrichenen Schichten in Emden und Zwickau, da die Bänder schlicht nicht ausgelastet werden konnten.

Sollte der Markt erneut einbrechen, steht die Existenz ganzer Standorte auf dem Spiel – intern kursieren bereits Spekulationen, dass dem Werk Zwickau eine Schliessung drohen könnte, da fehlende Flexibilität die Stückkosten in die Höhe treibt.

Atmen auf der Linie: Die neue Flexibilität in den spanischen Werken

Volkswagen zieht daraus nun die Notbremse. Das neue Zauberwort in Wolfsburg heißt „atmen“: Fabriken müssen künftig in der Lage sein, Verbrenner und Elektroautos flexibel auf derselben Linie zu fertigen. Geht die Nachfrage nach Stromern zurück, zieht die Produktion von Verbrennern an – und die Gesamtauslastung bleibt stabil.

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt VW bereits an den spanischen Standorten in Martorell und Pamplona. Dort laufen zwar die Vorbereitungen für kommende Stromer wie den ID. Polo und den Cupra Raval, parallel bleiben die Kapazitäten für klassische Verbrenner jedoch voll erhalten. Je nach Marktlage kann VW die Stückzahlen der jeweiligen Antriebsart sofort anpassen.

Diese schrittweise Kurskorrektur passt zur breiteren Produktstrategie, bei der VW auch bei neuen Modellen wie dem elektrischen ID. Golf mit 800-Volt-Architektur wieder realistischere Übergangsphasen einkalkuliert.

Diese Strategie der Mischlinien wird laut VW noch viele Jahre das Maß der Dinge bleiben. Reine E-Auto-Werke wird es vorerst nicht mehr geben. Eine späte, aber wirtschaftlich überlebenswichtige Einsicht eines Automobilkonzerns, der sich im ersten E-Mobilitäts-Rausch schlicht verzockt hat.

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