Mercedes: 10 Cent Bonus pro kWh fürs smarte Laden

Mercedes dreht an der Preisschraube fürs Heimladen und schüttet künftig bares Geld aus: Mit den beiden neuen Diensten MB.CHARGE Home Dynamic und MB.CHARGE Home Intelligent wollen die Stuttgarter das Laden von Elektroautos automatisch in günstige und stromnetzschonende Zeitfenster verlegen. Besonders interessant finde ich den finanziellen Anreiz beim Komplettangebot. Wer sein Fahrzeug zu vom System vorgegebenen Optimalzeiten lädt, bekommt 10 Cent pro kWh auf der Stromrechnung gutgeschrieben.
Das Grundprinzip unterscheidet sich dabei kaum von bereits bekannten Smart-Charging-Ansätzen am Markt. Über die Mercedes-Benz App legt der Fahrer fest, wann das Auto wieder einsatzbereit sein muss und welches Ladelimit erreicht werden soll. Der Algorithmus übernimmt die Feinplanung im Hintergrund und steuert den Ladevorgang gezielt in Phasen mit niedrigen Börsenstrompreisen oder hoher Einspeisung aus erneuerbaren Energien. Das schont nicht nur den Geldbeutel der Kunden, sondern entlastet zeitgleich die regionalen Verteilnetze in Spitzenzeiten.
Zwei Wege: Flexibler Bestandstarif oder Partnermodell
Mercedes teilt das Angebot in zwei Tarifwelten auf, um unterschiedliche Kundengruppen anzusprechen. Die Variante MB.CHARGE Home Dynamic richtet sich an Fahrer, die ihren bestehenden Stromvertrag keinesfalls wechseln möchten. Das System greift hier direkt auf die Day-Ahead-Preise der Strombörse zu und legt die Ladefenster automatisch in die günstigsten Stunden des Tages. Einen direkten Rabatt von Mercedes gibt es in dieser Variante zwar nicht, doch wer bereits einen dynamischen Stromtarif besitzt, reicht die Ersparnis der Börsenpreise direkt an die eigene Rechnungsadresse weiter.
Wer dagegen auf die Bonuszahlung schielt, muss sich an die Variante MB.CHARGE Home Intelligent binden. Hier liefert Mercedes den passenden Stromvertrag direkt mit und kooperiert dafür mit dem Anbieter The Mobility House Energy. Genutzt wird dabei der feste Mercedes-Benz Intelligent Öko Tarif, für den allerdings ein kompletter Tarifwechsel erforderlich ist. Der Grundpreis und Arbeitspreis des Stromtarifs selbst bleiben zwar fix, aber für jede Kilowattstunde, die nach den Vorgaben des Smart-Charging-Algorithmus geladen wird, schreibt Mercedes pauschal 10 Cent gut.
Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung im Alltag summiert sich dieser Bonus spürbar auf. Wer im Monat etwa 300 kWh gesteuert in den Akku einspeist, erhält am Monatsende eine Gutschrift von 30 Euro auf seiner Stromrechnung. Bei Vielfahrern mit 500 kWh Ladevolumen steigt die Ersparnis sogar auf 50 Euro im Monat. Als zusätzlichen Anreiz legt Mercedes den ersten 1.000 Kunden beim Abschluss des Tarifs ein Extra-Guthaben von 80 Euro für das öffentliche Ladenetz über MB.CHARGE Public oben drauf. Solche finanziellen Anreize rücken das Laden zu Hause wieder stärker in den Mittelpunkt, wo smarte Ladestrategien an der heimischen Wallbox ohnehin den effizientesten Weg darstellen.
Strikte Voraussetzungen bei Hardware und Fahrzeugen
So verlockend der Bonus auf den ersten Blick wirkt, so eng steckt Mercedes die technischen Hürden ab. Neben dem zwingenden Wechsel zum Partner-Stromtarif ist für den intelligenten Tarif ein installiertes Smart Meter im Haushalt absolute Pflicht. Zudem müssen Kunden einer kontinuierlichen Datenübertragung zwischen der Mercedes-Plattform und dem Energieanbieter zustimmen, damit die Abrechnung der geladenen Mengen reibungslos funktioniert.
Auch bei der heimischen Ladestation schränken die Stuttgarter die Auswahl derzeit stark ein. Kompatibel sind vorerst nur ausgewählte AC-Stationen wie die hauseigene Mercedes-Benz AC Wallbox oder das Flexible Ladesystem Pro. Überraschend ist dabei ein technisches Detail aus dem Kleingedruckten: Wallboxen, die bereits per ISO 15118 mit dem Fahrzeug kommunizieren und für Plug & Charge ausgelegt sind, werden zum Start explizit nicht unterstützt.
Auf Fahrzeugseite setzt das System ebenfalls eine moderne Softwarebasis und kompatible Hardware voraus. Voll unterstützt werden rein elektrische Modelle wie der überarbeitete Mercedes EQS sowie kommende Serienmodelle wie der elektrische Mercedes GLA. Auch Baureihen wie CLA, CLA Shooting Brake, GLB, GLA, GLC, VLE, die elektrische C-Klasse und das Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé sind freigeschaltet. Bei Plug-in-Hybriden verlangt Mercedes mindestens das Betriebssystem MB.OS 0.7, was aktuell bei den neueren Generationen von S-Klasse, GLE und C-Klasse der Fall ist.
Guter Anreiz, aber kein Selbstläufer für jeden Fahrer
In meinen Augen ist dieser Schritt von Mercedes strategisch richtig, aber keineswegs ein Selbstläufer für jeden E-Auto-Fahrer. Das Hauptproblem vieler bisheriger Smart-Charging-Lösungen lag oft in der zu hohen Komplexität für den Verbraucher. Indem Mercedes die Ersparnis beim Intelligent-Tarif auf fixe 10 Cent pro kWh vereinfacht, entsteht eine klare und verständliche Zahl, die jeder Fahrer sofort auf seiner Monatsabrechnung sieht.
Allerdings erkauft man sich diesen Bonus mit einem spürbaren Verlust an Flexibilität. Der Zwang zum Anbieterwechsel zu The Mobility House Energy, das Erfordernis eines Smart Meters und die Ausgrenzung bestimmter Wallboxen bilden Hürden, die nicht jeder Kunde nehmen will. Ob die monatliche Ersparnis von 30 bis 50 Euro ausreicht, um Bestandskunden aus ihren gewohnten Stromverträgen zu locken, muss sich in den nächsten Monaten erst noch in der Praxis beweisen.
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