Renault 4 Update: Modelljahr 2027 bringt verdeckten Lade-Kompromiss

Renault 4, Renault 5 und Renault Twingo in Frontansicht
Quelle: Renault
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Renault spendiert dem elektrischen R4 pünktlich zum Pariser Autosalon 2026 eine Modellpflege für 2027. Beim Blick auf die Spezifikationen wird jedoch schnell klar: Während der französische Konzern an der Aerodynamik feilt und Assistenzsysteme nachschiebt, offenbart die neue Einstiegsversion Jogging einen spürbaren Rotstift-Kompromiss bei der Alltagstauglichkeit.

Minimaler Reichweiten-Gewinn durch aerodynamischen Feinschliff

Renault setzt zum Modelljahr 2027 primär auf aerodynamische Details, um den Energieverbrauch der bestehenden Modellausführungen zu reduzieren. Der technische Ertrag dieser Optimierungen bleibt auf dem Papier allerdings überschaubar.

Die Basisvariante mit 40-kWh-Batterie und 90 kW (120 PS) erzielt künftig bis zu 310 Kilometer WLTP-Reichweite bei einem kombinierten Verbrauch von 14,7 kWh/100 km. Die größere Ausführung mit 52-kWh-Batterie und 110 kW (150 PS) kommt auf bis zu 415 Kilometer bei 14,4 kWh/100 km. Für den großen Akku bedeutet die Überarbeitung einen Zuwachs von lediglich 6 Kilometern. Dieser harte Kampf um einzelne Effizienz-Prozentpunkte reiht sich nahtlos in die 10-Milliarden-Offensive von Renault ein, mit der der Hersteller seine Position im europäischen E-Segment verteidigen will.

Neue Assistenzsysteme und funktionale Cockpit-Upgrades

Deutlicher fallen die funktionale Aufwertung des Innenraums und das Update der elektronischen Fahrerassistenz aus. Alle Modellvarianten des Renault 4 erhalten ab Werk eine höher auflösende Rückfahrkamera, während für die Ränge Techno und Iconic optional eine 360-Grad-Kamera verfügbar wird.

Neu integriert sind ein vorausschauender Eco-Fahrassistent sowie ein Notfallstoppassistent. Das Eco-System erkennt Kurven und Kreisverkehre vorausschauend und fordert zur Temporeduzierung auf. Reagiert der Fahrer in einer Notsituation nicht mehr, führt der Notfallstoppassistent eine automatische Bremsung bis zum Stillstand durch. Zudem unterstützt das eCall-Notrufsystem nun auch 5G-Mobilfunknetze.

Im Cockpit vereinfacht Renault die Bedienung: Die manuelle Akku-Vorkonditionierung lässt sich direkt über das Infotainment starten, Smartphones laden auf einer belüfteten Qi2-Ladeschale, der Modus Smart ersetzt die bisherige Option MySense, und die Heckklappe öffnet automatisch bei Annäherung mit der Schlüsselkarte. Dass diese Detailarbeit parallel zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Elektro-Antriebe erfolgt, zeigt Renaults Fokus auf funktionale Produktpflege.

Sparmodell Jogging opfert die 11-kW-Wallbox-Leistung

Die größte Veränderung im Modellprogramm betrifft das untere Preissegment. Noch vor Ende 2026 bringt Renault die neue Variante Renault 4 Jogging auf den Markt. Das Einstiegsmodell kombiniert einen 80 kW (109 PS) starken Elektromotor mit einer reduzierten 36,5-kWh-Batterie für eine prognostizierte Reichweite von 305 Kilometern. Den Sprint von 0 auf 100 km/h legt der Stromer in 10,2 Sekunden zurück.

Die Serienausstattung umfasst ein 7-Zoll-Fahrerdisplay, ein 10,1-Zoll-Infotainmentsystem mit Apple CarPlay und Android Auto, Parksensoren hinten, die neue Rückfahrkamera sowie 18-Zoll-Stahlräder.

Der entscheidende Haken zeigt sich jedoch an der Ladeinfrastruktur. Während die DC-Schnellladeleistung mit maximal 80 kW zur Batteriegröße passt, gestattet der interne On-Board-Lader an Wechselstrom-Anschlüssen lediglich 6,6 kW AC. Damit streicht Renault den in Europa üblichen 11-kW-Drehstrom-Standard. An der privaten Wallbox oder öffentlichen AC-Ladesäulen verlängert sich die Ladezeit dadurch drastisch.

Aggressiver Preiskampf erfordert harte Praxis-Kompromisse

Die Preisgestaltung für die Schweiz und Deutschland hält Renault derzeit noch unter Verschluss. Ziel der Jogging-Variante ist es eindeutig, eine preislich attraktivere Einstiegshürde für den urbanen Raum zu schaffen.

Die Herabstufung der Wechselstrom-Ladeleistung folgt einem Muster, das bereits bei früheren Preisanpassungen beim Mégane E-Tech zu beobachten war: Kostenreduktion durch gezielte Hardware-Einsparungen. Zudem plant Renault eine Nutzfahrzeug-Variante des R4 als Lieferwagen, die jedoch vorerst nicht für den Schweizer Markt vorgesehen ist.

Das Modelljahr 2027 bringt sinnvolle Sicherheits- und Komfort-Upgrades. Ob der geringe Reichweitengewinn von 6 Kilometern und die auf 6,6 kW AC kastrierte Ladeleistung des Jogging-Modells im Marktakzeptanz finden, wird sich an den ersten Verkaufszahlen messen lassen.

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2 Kommentare

  1. Das grenzt an Blasphemie, diese Plastikschüssel als R4 zu bezeichnen. Wir haben einen R4 TL von 1984 und würden den nicht gegen diese optische Vergewaltigung eintauschen wollen.

  2. 6,6 KW Ladeleistung AC heißt meines Wissens, dass das Auto nur einphasig lädt. D.h. an der vermutlichen heimischen „Standard-Wallbox“ mit 11 KW Leistung, sind das dann wohl eher 3,3 KW Ladeleistung.
    6,6 KW bekommt man nur an einer städtischen 22 KW Ladesäule.

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