Škoda: Erfolgsgarant Klaus Zellmer wechselt zu Volvo

hellgrüner Skoda-Schriftzug mit Logo auf dunkelgrünem Hintergrund
Quelle: Škoda Auto Deutschland GmbH
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Die schlechte Nachricht für den Volkswagen-Konzern schlägt in Wolfsburg wie eine Bombe ein: Klaus Zellmer verlässt Škoda Auto und übernimmt spätestens zum 1. Oktober 2027 die Konzernspitze von Volvo Cars als neuer Präsident und CEO. Das teilten die Schweden überraschend über eine regulatorische Pflichtmitteilung mit.

Was für den schwedisch-chinesischen Autobauer nach turbulenten Jahren der Dauerkrise und mehreren Chefwechseln wie ein echter Rettungsanker wirkt, reißt bei der tschechischen Tochtergesellschaft eine tiefe Wunde. Ausgerechnet der erfolgreichste Sanierer der gesamten Markengruppe kehrt dem deutschen Automobilriesen den Rücken.

Glanzleistung in Mladá Boleslav: Rekorde im Halbjahrstakt

Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2022 legte Klaus Zellmer bei Škoda eine beeindruckende Vorstellung hin. Der Manager führte die tschechische Traditionsmarke aus den Nachwehen der Corona-Krise direkt zu historischen Höchstwerten. Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen lesen sich wie eine Ansage an die Konkurrenz. Im Geschäftsjahr 2025 lieferte das Unternehmen rund 1,04 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus. Das entspricht einem kräftigen Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert das erste Überschreiten der Millionengrenze seit sechs Jahren. Der Umsatz stieg auf 30,1 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis 2,5 Milliarden Euro erreichte. Eine Umsatzrendite von 8,3 Prozent setzte Maßstäbe im Konzern.

Durch diesen Lauf kletterte die Marke in den europäischen Zulassungsstatistiken auf Platz drei. Doch Zellmer ruhte sich auf diesen Erfolgen nicht aus. Im ersten Halbjahr 2026 legte Škoda bei den Auslieferungen nochmals um 9,1 Prozent auf 556.000 Fahrzeuge zu. Damit eroberte die Marke hinter der Muttermarke Volkswagen sogar den zweiten Platz auf dem europäischen Heimatmarkt. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Schub bei den rein elektrischen Modellen. Die Auslieferungen batterieelektrischer Fahrzeuge kletterten um 48,3 Prozent auf knapp 108.000 Einheiten.

Der Erfolg stützt sich auf ein strammes Produktportfolio. Neben dem bewährten Enyaq sorgt der kompakte Elroq für Stückzahlen, während der erschwingliche Epiq und das neue siebensitzige Flaggschiff Peaq das Angebot abrunden. In den ersten sechs Monaten 2026 erwirtschaftete Škoda bereits 16 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro. Die Marge stieg weiter auf herausragende 8,5 Prozent. Trotz dieser Glanzzahlen blieb der Manager gewohnt realistisch. Erst vor wenigen Tagen stellte er klar, dass die rhetorisch betonte Preiswert-Rhetorik von Škoda gegen harten Konkurrenzdruck hart verteidigt werden muss, um nicht im Preiskampf mit chinesischen Herstellern zerrieben zu werden.

Sanierungsfall Göteborg: Baustellen, Zölle und schwache Margen

Bei Volvo Cars stößt der gewechselte Chef auf ein völlig anderes Bild. Der schwedische Autobauer, der mehrheitlich dem chinesischen Geely-Konzern gehört, steckt mitten in einer tiefen Restrukturierung. Die Zahlen der Schweden offenbaren erhebliche Schieflagen im operativen Geschäft. Die bereinigte Marge sackte im Jahr 2025 auf 3,5 Prozent ab und erlitt im zweiten Quartal 2026 einen Einbruch auf desolate 1,1 Prozent. Der globale Absatz ging im gleichen Zeitraum um sieben Prozent auf etwa 710.000 Fahrzeuge zurück. Volvo kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig: hohe Rohstoffpreise, schmerzhafte US-Handelszölle, eine alternde Modellpalette und schwach ausgelastete Produktionskapazitäten.

Verwaltungsratschef Eric Li holte im April 2025 den früheren Langzeit-Chef Håkan Samuelsson zurück, nachdem der vorherige CEO Jim Rowan nach nur drei Jahren entlassen worden war. Samuelsson sollte vorübergehend Ruhe in das Unternehmen bringen, die Strategie neu ausrichten und einen langfristigen Nachfolger aufbauen. Sein Vertrag läuft im April 2027 aus. Um die Kosten zu senken, griff die Führung hart durch. Ein Sparprogramm kostete rund 3.000 Angestellten in der Zentrale in Göteborg den Arbeitsplatz. Zudem schloss das Unternehmen den Standort in Stockholm und verhängte Milliarden-Abschreibungen auf die veraltete Software-Architektur der Modellreihen EX90 und ES90.

Die Herausforderungen für Zellmer sind immens. Er übernimmt eine neue Strategie, die bis Ende des Jahrzehnts 13 neue Modelle vorsieht. Dazu gehören sieben Fahrzeuge auf den Plattformen SPA2 und SPA3 für westliche Märkte sowie sechs gemeinsam mit Geely entwickelte Modelle für den chinesischen Markt. Zudem verabschiedete sich Volvo endgültig vom starren Ziel, bis 2030 eine reines Elektro-Marke zu werden. Stattdessen setzt man wieder verstärkt auf Hybride und eine stärkere regionale Differenzierung. Ab Januar 2027 übernimmt Volvo zudem den Europa-Vertrieb von Lynk & Co. Die Zielvorgabe des Verwaltungsrats steht: Eine operative Rendite von mindestens acht Prozent soll erreicht werden.

Schwerer Schlag für die Wolfsburger Konzernmutter

Für den Volkswagen-Konzern schmerzt der Verlust doppelt. Während die Kernmarke in Wolfsburg mit hohen Fertigungskosten, Software-Problemen bei der Tochter Cariad und drohenden Werksschließungen kämpft, lieferte Škoda unter Zellmer verlässlich Spitzenrenditen ab. Der Manager bewies bei seinen strategischen Richtungsentscheidungen stets eine kühle Pragmatik. Als sich abzeichnete, dass kleine Stromer kaum rentabel zu produzieren sind, schob er den elektrischen Škoda Fabia bis 2031 nach hinten. Damit sicherte er die Erträge im klassischen Verbrenner-Segment ab, ohne unüberlegte Risiken einzugehen.

Ein Nachfolger in Mladá Boleslav ist bisher ebenso wenig benannt wie der genaue Stichtag des Wechsels. Das Datum Ende Oktober 2027 markiert lediglich eine vertragliche Obergrenze. Ob der Manager seine Aufgaben in Tschechien schon früher niederlegt, bleibt abzuwarten. Sicher ist dagegen etwas anderes: Der VW-Konzern verliert eine seiner profiliertesten Führungskräfte an einen direkten Rivalen. Ein Desaster für Wolfsburg, ein echter Coup für Göteborg.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert