Tensor G6: Googles GPU bricht bei Zimmertemperatur ein

Tensor G6-SoC des neuen Google Pixel 11
Quelle: Google
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Es gibt Zahlen, die tut man am liebsten in der Fußnote verstecken. Bei Google reicht’s aktuell offenbar nicht mal für eine Fußnote, denn die neuesten Benchmark-Werte zum Tensor G6 im Pixel 11 Pro sind so eindeutig schlecht, dass sich die Frage stellt, wie das Ding überhaupt durch die interne QS gekommen ist. Kurz zusammengefasst: Kalt ist der Chip flott, warm wird er zur Krücke.

Die Benchmark-Zahlen, die Google nicht gefallen dürften

In mehreren aufeinanderfolgenden AnTuTu-Durchläufen auf dem Pixel 11 Pro erreichte der Tensor G6 im besten Fall 1.710.984 Punkte. Zur Einordnung: Das ist ungefähr das Niveau eines durchschnittlichen Snapdragon 8 Gen 2-Geräts – und dieser Chip steckte 2022 in der Samsung-Galaxy S23-Serie. Für ein 2026er-Flaggschiff, das aktuell mit rund 1.200 Euro bepreist ist, ist das schlicht zu wenig.

Die CPU-Leistung blieb über alle Testläufe hinweg erstaunlich stabil. Bei der GPU sieht die Sache dagegen komplett anders aus, und genau hier wird’s spannend – im negativen Sinne.

Kühlschrank-Kälte als Voraussetzung für Spitzenwerte

Bei den AnTuTu-Temperaturtests zeigt sich ein Muster, das man so selten sieht: Die Leistung hängt fast ausschließlich von der Gerätetemperatur ab. Bei 11,3 Grad Celsius erreichte die CPU 826.956 Punkte, was ungefähr Snapdragon-8-Elite-Niveau entspricht. Klingt nach Oberklasse, ist aber unter Alltagsbedingungen kaum reproduzierbar.

Bei der PowerVR-CXTP-48-1536-GPU des Tensor G6 wird der Temperatureffekt noch drastischer. Runtergekühlt auf Gefriertemperatur kommt sie auf 414.765 Punkte, ungefähr Snapdragon-8-Gen-2-Level. Steigt die Temperatur auf 11,3 Grad, fällt der Wert auf 226.111 Punkte – ein Minus von 45 Prozent, und das entspricht dann Snapdragon-888-Niveau aus dem Jahr 2021.

Bei 36,7 Grad ist Schluss mit lustig

Jetzt kommt der eigentliche Aufreger: Bei einer Betriebstemperatur von 36,7 Grad – also dem, was im echten Alltag tatsächlich passiert, wenn man das Handy in der Tasche trägt oder länger nutzt – bricht die GPU-Leistung auf 40.362 Punkte ein. Das sind weniger als 10 Prozent der Spitzenleistung bei „Gefrierschrank-Bedingungen“.

Ein Leistungsverlust von über 90 Prozent ist keine Feinjustierung mehr, das ist ein handfestes thermisches Problem. Wer sein Smartphone nicht im Tiefkühlfach betreibt, muss mit dieser massiv gedrosselten Grafikleistung leben.

Tensor G6 gegen Snapdragon 8 Elite Gen 5 im direkten Vergleich

Unabhängig von den Temperaturtests gibt es einen zweiten Datensatz, der die Sache noch klarer macht: den direkten Vergleich zwischen Pixel 11 Pro XL (Tensor G6) und Galaxy S26 Ultra (Snapdragon 8 Elite Gen 5). Hier die wichtigsten Werte im Überblick:

Geekbench 6: Der Snapdragon liegt im Single-Core mit 3726 zu 2671 Punkten um 39 Prozent vorn, im Multi-Core mit 11402 zu 6802 Punkten sogar um 67 Prozent.

AnTuTu v11: Der Snapdragon kommt auf rund 3,9 Millionen Punkte, der Tensor G6 auf 1,86 Millionen – ein Abstand von 110 Prozent. Bei der GPU-Teilwertung allein beträgt die Differenz sogar 263 Prozent (1.572.568 zu 432.908 Punkten).

3DMark Wild Life Extreme Stress Test: Der Snapdragon schafft im Schnitt 46,34 fps, der Tensor G6 kommt auf 20,31 fps – weniger als die Hälfte, und das bei einem Test, der gezielt die Dauerleistung unter Last misst.

Auf dem Papier bringt der Tensor G6 mit den neuen ARM-C1-Ultra- und C1-Pro-Kernen, einer überarbeiteten fünften TPU-Generation und dem MediaTek-M90-Modem durchaus Fortschritte gegenüber dem Vorgänger Tensor G5. Gegen die Oryon-Gen-3-Kerne und die Adreno-840-GPU des Snapdragon 8 Elite Gen 5 sieht das in der Praxis aber nach wenig aus.

Googles Rechtfertigung: Wir wollen gar nicht gewinnen

Google selbst macht daraus gar keinen Hehl: Tensor-Chips sollen laut eigener Aussage nicht gegen Qualcomm oder Apple in Benchmark-Duellen antreten. Stattdessen setzt man auf heterogenes Computing, bei dem CPU, GPU, ISP und TPU im Team arbeiten sollen, statt einzeln auf Maximalwerte getrimmt zu sein.

Das Herzstück ist die Tensor Processing Unit, die Features wie Live Translate, Magic Eraser und die Real-Tone-Bildverarbeitung direkt auf dem Gerät berechnet. Diese Strategie hat durchaus ihre Berechtigung. Nur erklärt sie nicht, warum die GPU bei ganz normaler Betriebstemperatur um mehr als 90 Prozent einbricht – das ist kein Design-Statement, das ist ein Kühlungsproblem.

Für wen sich das Pixel 11 Pro trotzdem lohnt

Wer auf Googles KI-Funktionen, Computational Photography und die gewohnte Pixel-Software-Magie steht, bekommt mit dem Tensor G6 weiterhin ein stimmiges Gesamtpaket. Für alle, die Gaming-Performance oder dauerhaft hohe Grafikleistung erwarten, ist der Snapdragon 8 Elite Gen 5 aktuell die deutlich bessere Wahl – etwa im Galaxy S26 Ultra, Oppo Find X9 Ultra oder Xiaomi 17 Ultra.

Ob man dieses thermische Verhalten bei einem 1.200-Euro-Flaggschiff einfach so hinnehmen sollte? Eher nicht. Da hilft auch das schönste Marketing-Narrativ über heterogenes Computing nichts, wenn die Grafikleistung im Alltag praktisch verglüht.

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