Tesla: Mysteriöse FSD-Zulassung entfacht EU-Streit

Wer geglaubt hat, Elon Musks Dauerversprechen vom vollautonomen Fahren bleibe ein reines US-Phänomen, wird jetzt eines Besseren belehrt. Ausgerechnet die niederländische Kraftfahrzeugbehörde RDW hat Teslas Full Self-Driving (FSD) im April die vorläufige Typgenehmigung erteilt. Doch statt für Transparenz zu sorgen, mauerte die Behörde auf Anweisung des US-Konzerns bei den Testdaten.
Unveröffentlichte E-Mails belegen, dass Tesla die Niederländer bereits seit Ende 2024 unter Druck setzt, sämtliche Sicherheitsanalysen unter Verschluss zu halten. Die RDW nutzte für die Freigabe der Hardware 4 den rechtlichen Trick einer Sondergenehmigung nach Artikel 39 der EU-Verordnung 2018/858 im Rahmen der neuen UN-Regelung 171 für Fahrassistenzsysteme (DCAS). Für mich riecht das gewaltig nach Verschleierungstaktik.
Erinnern wir uns: Eine Untersuchung deckte auf, dass Teslas Behauptung, FSD sei zehnmal sicherer als ein menschlicher Fahrer, auf geschönten US-Statistiken basierte. Genau diese fragwürdigen Daten reichte der Elektroautobauer auch bei europäischen Aufsichtsbehörden ein.
Gefährliche Geheimniskrämerei unter der DCAS-Regulierung
Die RDW behauptet nun zwar, über 18 Monate hinweg eigene Praxistests auf der Strecke in Lelystad durchgeführt zu haben, weigert sich aber standhaft, Messkriterien offenzulegen. Zuerst hieß es im April, das System sei sicherer als andere Assistenzsysteme, nur um die Aussage im Juni auf mindestens genauso sicher zu korrigieren – Belege gab es für beide Behauptungen nicht.
Namhafte Experten wie Professor Oliver Carsten von der Universität Leeds schlagen zu Recht Alarm. Sicherheitsrelevante Prüfdaten gehören im öffentlichen Straßenverkehr an die Öffentlichkeit und dürfen nicht hinter der Floskel des Betriebsgeheimnisses versteckt werden. Während Mercedes für sein Drive-Pilot-System nach UN R157 klare Kriterien für Level 3 erfüllt, bleibt Teslas FSD nach wie vor ein überwachtes Level-2-System.
Dass es anders geht, zeigen Reaktionen aus Nachbarländern. Die norwegische Straßenverkehrsbehörde stellte fest, dass die von der RDW geprüften Daten keineswegs mit Teslas öffentlichen Marketing-Zahlen übereinstimmen. Der französische Verkehrsminister winkte ab: Bedenken wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen und unzureichender Fahrerüberwachung lassen eine Freigabe derzeit gar nicht zu.
Ein politisches Pokerspiel vor der entscheidenden EU-Abstimmung
Der Grund für Teslas Vehemenz liegt auf der Hand: Der Pionier kämpft in Europa gegen den rapiden Marktanteilsverlust durch chinesische Konkurrenz. Für ein Abo von 99 Euro im Monat soll FSD nun europäische Käufer locken.
In Kürze steht die richtungsweisende EU-Abstimmung an, bei der die Niederländer versuchen, eine breite Zulassung durchzuboxen. Wenn europäische Behörden sich jedoch als Gehilfen für Teslas Geheimhaltungsstrategie einspannen lassen, steht am Ende nicht der technologische Fortschritt, sondern das Vertrauen der Bürger auf dem Spiel.
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