Vivo Watch 6: 3.500 Nits Helligkeit, aber kein Global-Start

Vivo drückt bei den eigenen Smartwatches spürbar auf das Tempo und schickt in China die neue Vivo Watch 6 ins Rennen. Parallel zur Präsentation der Vivo X500-Smartphone-Serie bringt der chinesische Hersteller ein Wearable auf den Markt, das vor allem beim Bildschirm extrem aufdreht. Satte 3.500 Nits Spitzenhelligkeit verspricht Vivo für das 1,47 Zoll große AMOLED-Display. Verpackt ist das Paket wahlweise in ein Gehäuse aus Edelstahl oder eine leichte Titanlegierung. Wer allerdings auf einen zügigen Verkaufsstart in Europa hofft, dürfte vorerst enttäuscht werden.
Extremes Display und hochwertige Werkstoffe im Check
Schon bei der Bildschärfe zeigt sich die Uhr solide aufgestellt: Mit 466 x 466 Pixeln und einer Bildwiederholfrequenz von 60 Hz bietet das AMOLED-Panel knackige Details. Doch der eigentliche Aufreger auf dem Datenblatt ist der Leuchtkraft-Wert. Wenn man bedenkt, dass schon die beeindruckenden 2.400 Nits der Vivo Watch GT 2 unter hellem Sonnenlicht problemlos lesbar waren, legen die 3.500 Nits der Watch 6 noch eine Schippe drauf. Der Gehäuserand fällt mit 1,49 mm erfreulich schmal aus, was zu einem Display-zu-Gehäuse-Verhältnis von 85,8 Prozent führt.
Geschützt wird die Anzeigefläche von feinstem Saphirglas, was fiesen Kratzern im Alltag wirksam trotzen dürfte. Beim Gehäuse überlässt Vivo den Käufern die Wahl. Das Standardmodell kommt im 45 mm großen Edelstahlgehäuse und misst schlanke 9,5 mm in der Tiefe. Wer mehr zahlen möchte, greift zur Variante aus einer leichten Titanlegierung. Das reduziert das reine Gewicht des Uhrenkörpers ohne Armband von 44,11 Gramm bei der Edelstahl-Version auf spürbar leichtere 37,7 Gramm bei der Titan-Ausführung.
Akkulaufzeit, Sensoren und der 60-Sekunden-Check
Beim Akku verbaut der Hersteller einen Energiespeicher mit 505 mAh Kapazität. Offiziell verspricht das Unternehmen eine Laufzeit von bis zu 21 Tagen bei gewöhnlicher, leichter Nutzung. Schaltet man das Always-On-Display dauerhaft ein, sinkt die Ausdauer auf etwa 6 Tage. Bei durchgehend aktiver eSIM-Verbindung gibt Vivo bis zu 4 Tage Laufzeit an. Das sind praxistaugliche Werte, die im Vergleich zu den Dauerbrennern von Huawei oder Amazfit absolut konkurrenzfähig wirken.
Im Alltagsbetrieb bietet das Wearable über 100 Sportmodi, integrierte Routennavigation sowie funktionale Offline-Karten. Ein spannendes Software-Feature bildet der sogenannte 60-sekündige Gesundheitscheck. Über eine einzige Auslösung misst die Uhr parallel Herzfrequenz, Blutsauerstoff, Stresslevel sowie Pulswellenmuster. Für präzise Streckenaufzeichnungen beim Laufen oder Radfahren verbaut Vivo Dual-Frequenz-GNSS und ergänzt die Hardware um einen Luftdrucksensor. Wie schon bei der früheren vivo WATCH GT ist das Gehäuse nach IP68 geschützt und widersteht einem Wasserdruck von bis zu 5 ATM.
BlueOS 4.0 und die eigenständige Kommunikation
Auf der Uhr läuft ab Werk das hauseigene BlueOS 4.0. Vivo entwickelt das eigene System stetig weiter, seitdem mit Vivos eigenem Betriebssystem BlueOS der Abschied von Google-Standards eingeleitet wurde. Die Bedienung reagiert flüssig, verzichtet jedoch nativ auf den Google Play Store oder typische Wear-OS-Apps.
Dafür glänzen die eSIM-Varianten mit vollkommen eigenständiger Telefonie und Nachrichtendienste-Nutzung ohne gekoppeltes Smartphone. Mikrofon und Lautsprecher sind direkt im Gehäuse integriert, was auch Sprachaufzeichnungen ermöglicht. Ergänzend bringt das Wearable Bluetooth 5.4 sowie NFC mit. Letzteres dient in China für kontaktloses Bezahlen, digitale Schlüssel sowie ÖPNV-Tickets.
Preise, Modelle und die bekannte Import-Hürde
In China startet der Verkauf der Vivo Watch 6 am 28. September. Das Basismodell aus Edelstahl ohne Mobilfunk kostet 999 Yuan, was umgerechnet rund 125 Euro entspricht. Die Edelstahl-Variante mit eSIM schlägt mit 1.399 Yuan (ca. 175 Euro) zu Buche. Das Topmodell aus Titan ist ausschließlich mit eSIM erhältlich und wechselt für 1.999 Yuan (rund 250 Euro) den Besitzer. Edelstahl steht in den Farben Schwarz (Wilderness) und Silber (Moonlight) bereit, während Titan im nativen Metallton angeboten wird.
Ob und wann die Smartwatch regulär in Europa erscheint, bleibt völlig offen. Wie wir es bereits bei der vivo Watch 5 gesehen haben, lässt Vivo den europäischen Markt bei Smartwatches häufig links liegen. Das halte ich für einen echten Jammer. Eine Titan-Uhr mit Saphirglas und 3.500 Nits für unter 300 Euro wäre ein richtiger Kracher gegen die etablierte Konkurrenz.
In meinen Augen liefert Vivo mit der Watch 6 technisch extrem stark ab. Ob die enormen 3.500 Nits im Alltag tatsächlich nötig sind oder nur die Akkulaufzeit fressen, muss die Praxis zeigen. Wer mit den Einschränkungen eines China-Imports und ohne Wear OS leben kann, bekommt hier allerdings verdammt viel Hardware für sein Geld.
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