Volkswagen in China: 20 neue E-Autos, aber die eigentliche Herausforderung liegt woanders

Seitenansicht der neuen Elektro-Limousine VW ID. Unyx 09 in kräftigem Metallic-Blau. Das in China mit XPeng entwickelte Oberklasse-Modell zeigt schmale LED-Rückleuchten und ein sportliches Fastback-Design
Quelle: Volkswagen AG
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Volkswagen will in China wieder angreifen. Allein 2026 bringt der Konzern mehr als 20 neue New Energy Vehicles (NEV) auf den Markt. Dazu zählen nicht nur reine Elektroautos, sondern auch Plug-in-Hybride und Modelle mit Range Extender. Bis 2030 soll das Angebot auf rund 50 elektrifizierte Fahrzeuge wachsen, darunter etwa 30 reine E-Autos.

Das ist eine echte Ansage. Allerdings startet Volkswagen diese Offensive nicht aus einer Position der Stärke.

Noch 2025 lag der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge bei den China-Auslieferungen des Konzerns bei lediglich fünf Prozent. Bis 2027 sollen daraus rund 40 Prozent werden, bis 2030 sogar 70 Prozent. Die Richtung ist also klar: Volkswagen will den Anschluss an den chinesischen Elektroautomarkt nicht nur halten, sondern verloren gegangenes Terrain zurückerobern.

Das Problem sind nicht die Autos

Wer nur auf die Modelloffensive schaut, könnte glauben, Volkswagen müsse lediglich mehr Elektroautos auf den Markt bringen. Genau das halte ich für zu kurz gedacht.

Der eigentliche Gegner heißt nicht BYD, Geely oder Xpeng. Der eigentliche Gegner ist ein Markt, der sich in wenigen Jahren komplett verändert hat. Software, Konnektivität und Entwicklungszeit sind heute oft wichtiger als Markenimage und jahrzehntelange Tradition.

Die Zahlen zeigen das ziemlich deutlich. Chinesische Hersteller kamen in den ersten fünf Monaten 2026 bereits auf rund 71 Prozent Marktanteil bei Pkw-Verkäufen. Deutsche Marken erreichten zusammen nur noch etwas mehr als zehn Prozent. Das ist keine normale Schwankung mehr. Das ist eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse.

Genau hier wird es spannend.

Volkswagen übernimmt zunehmend chinesische Methoden

Volkswagen hat inzwischen erkannt, dass europäische Entwicklungszyklen in China nicht mehr ausreichen. Deshalb setzt der Konzern auf die Strategie „In China, für China“. Fahrzeuge werden lokal entwickelt und stärker auf die Erwartungen chinesischer Kunden zugeschnitten.

Ein gutes Beispiel ist der gemeinsam mit Xpeng entwickelte ID. Unyx 08. Laut Volkswagen konnte die Entwicklungszeit auf rund 24 Monate reduziert werden. Für einen Hersteller dieser Größe ist das bemerkenswert. Gleichzeitig kommen neue Fahrzeuge auf Basis der lokal entwickelten China Electronic Architecture und der Compact Main Platform auf den Markt.

Das klingt zunächst wie ein technisches Detail. Tatsächlich könnte genau das einer der wichtigsten Bausteine der gesamten Strategie sein.

Denn viele chinesische Hersteller haben ihren Vorsprung nicht nur über den Preis aufgebaut. Sie entwickeln neue Fahrzeuge oft deutlich schneller und reagieren flexibler auf Markttrends. Volkswagen versucht nun, genau dieses Tempo zu erreichen.

Die Ziele sind ehrgeizig

Bis 2027 möchte Volkswagen seine Auslieferungen in China wieder auf rund drei Millionen Fahrzeuge steigern. Zum Ende des Jahrzehnts werden sogar etwa 3,2 Millionen Einheiten angepeilt. Aktuell liegt das Niveau bei rund 2,7 Millionen Fahrzeugen.

Auf dem Papier klingt das machbar. In der Praxis dürfte es deutlich schwieriger werden.

Volkswagen-China-Chef Ralf Brandstätter rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang des chinesischen Pkw-Marktes um rund 20 Prozent. Bereits im August schrumpfte der Markt den elften Monat in Folge. Die Wolfsburger wollen also wachsen, während der Gesamtmarkt unter Druck steht.

Das macht die Aufgabe nicht unmöglich. Einfach wird sie dadurch aber auch nicht.

2027 wird wichtiger als 2026

Die Modelloffensive ist ohne Zweifel überfällig. Volkswagen hat verstanden, dass China längst nicht mehr einfach ein Absatzmarkt für europäische Autos ist, sondern das Innovationszentrum der globalen Autoindustrie.

Für mich ist das die wichtigste Erkenntnis der gesamten Strategie. Der Konzern versucht nicht mehr, China deutsche Autos zu verkaufen. Er versucht inzwischen, Autos nach chinesischen Maßstäben zu entwickeln.

Das erhöht die Chancen deutlich.

Trotzdem bleibt eine offene Frage: Reicht eine große Produktoffensive aus, um verlorene Marktanteile zurückzuholen, wenn die heimische Konkurrenz bereits mehr als zwei Drittel des Marktes kontrolliert?

Die kommenden Monate werden erste Hinweise liefern. Der eigentliche Härtetest kommt aber erst 2027. Dann zeigt sich, ob Volkswagen mit seiner China-Strategie tatsächlich wieder näher an die Marktführer heranrückt oder ob die Aufholjagd letztlich zu spät begonnen hat.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert