VW-Plattform SSP: Warum der Elektro-Golf erst 2030 profitabel wird

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Quelle: Volkswagen AG
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Eigentlich sollte die Revolution längst auf der Straße rollen, doch bei Volkswagen mahlen die Mühlen langsamer als gehofft. Während chinesische Konkurrenten wie BYD ihre Bestandsflotten im Rekordtempo auf Megawatt-Plattformen hieven, steckt Wolfsburg in einer Warteschleife fest. Das große Versprechen hört auf den Namen SSP (Scalable Systems Platform) und soll das Kunststück vollbringen, alles vom ID.1 bis zum Luxus-Porsche auf ein gemeinsames technisches Fundament zu stellen. Doch der Zeitplan wackelt: Ursprünglich für 2026 geplant, verschiebt sich der Start nun Richtung 2030. Für Kunden bedeutet das vorerst mehr vom Bekannten: Kommende Modelle wie der ID.3 Neo oder der elektrische Tiguan-Erbe müssen weiterhin mit der 400-Volt-Technik des MEB+ Vorlieb nehmen, was bei den Ladegeschwindigkeiten im Vergleich zur Konkurrenz kein Ruhmesblatt ist.

Der wahre Grund für den Fokus auf SSP ist jedoch weniger die reine Technik-Begeisterung, sondern die bittere Realität in den Excel-Tabellen der Buchhaltung. Momentan verdient VW mit einem elektrischen ID-Modell nur etwa 70 bis 80 Prozent dessen, was ein vergleichbarer Verbrenner wie der T-Cross in die Kassen spült. Erst mit der neuen Einheitsplattform will der Konzern die Kosten in der Produktion so weit drücken, dass Elektroautos und Benziner bei der Gewinnmarge gleichauf liegen. Diese finanzielle Parität ist überlebenswichtig, um den Konzernumbau zu finanzieren, ohne die Renditeziele zu opfern. Dass die Software-Architektur dabei künftig für alle Marken vereinheitlicht wird, soll die Entwicklungskosten zusätzlich senken, auch wenn Premium-Töchter wie Porsche ihre eigenen Anpassungen oben drauf satteln.

Das Warten auf SSP bremst allerdings die kurzfristige Dynamik. Wichtige Zugpferde wie der erste rein elektrische Golf oder der Skoda Octavia auf Basis der Vision O hängen direkt am Tropf dieser neuen Architektur. Bis diese Flaggschiffe beim Händler stehen, muss die aktuelle MEB-Basis die Stellung halten. In einer Branche, die sich gerade radikal beschleunigt, ist dieser Verzug auf das Ende des Jahrzehnts ein riskantes Spiel. VW setzt alles auf eine Karte: Eine Plattform, die so effizient und skalierbar ist, dass sie den Vorsprung der Konkurrenz durch schiere Masse und optimierte Margen wieder wettmacht. Der ID Golf wird somit nicht nur technisch ein neues Kapitel aufschlagen, sondern vor allem wirtschaftlich zeigen müssen, ob Wolfsburg die Elektro-Rechnung ohne Verluste begleichen kann.


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