Xpeng VLA 2.0: Autonom auf die Fähre ganz ohne Navi

Autonomes Fahren klappt auf der gewohnten Teststrecke prima, solange die Fahrbahnstreifen knackig weiß und die GPS-Karten perfekt sind. Sobald es aber im Urlaub auf eine eng bebaute Fähre geht, schalten klassische Assistenzsysteme sofort ab. Xpeng setzt genau hier an und schickt sein neues KI-Modell VLA 2.0 in ein Szenario, das ganz ohne vorgegebene Regeln auskommen muss.
In einer aktuellen Demonstration steuert das Fahrzeug völlig eigenständig auf eine Fähre, rangiert präzise auf dem Deck und fährt am Zielort selbstständig wieder ab. Das Entscheidende daran: Es gab keine aktive Navigation, keine Abbiegehinweise im Display und vor allem keine Fahrbahnmarkierungen.
End-to-End ohne Sprachübersetzung: So funktioniert die KI
Bisher stützten sich viele Fahrassistenten auf starre Regelwerke oder hochauflösende HD-Karten. Auf einer Fähre hilft das wenig: Enge Rampen, wechselnde Abstände zu anderen Autos und fehlende Fahrspuren fordern flexible Reaktionen. Xpeng schmeißt starre Logikketten bei Vision Language Action (VLA 2.0) über Bord und nutzt ein End-to-End-Modell.
Der Clou: Der Bordrechner eliminiert den bisher üblichen Zwischenschritt einer internen Sprachübersetzung („Vision-to-Language-to-Action“). Die visuellen Signale der Kameras werden ohne Umwege direkt in Lenk- und Bremsbefehle übersetzt. Trainiert wurde das Modell auf einem Cloud-Cluster mit 30.000 Grafikkarten und rund 100 Millionen Videoschnipseln. Im Auto liefert der hauseigene Turing-KI-Chip bis zu 2.250 TOPS Rechenleistung. Auf engen Straßen stieg die fahrfreie Strecke ohne menschliche Eingriffe dadurch um das 13-fache. Das wurde bei den oft trägen Systemen aber auch Zeit.
Start ab 2027 in Europa: Ein harter Brocken für Tesla
Für Autofahrer bei uns ist die Entwicklung durchaus relevant. Xpeng peilt an, die VLA-Technologie ab 2027 nach Europa zu bringen – unter anderem in kommenden Modellen der L03-Reihe. Zudem ist Volkswagen als erster globaler Partner für das System an Bord.
Braucht man das autonome Auffahren auf eine Fähre im Alltag ständig? Sicher nicht jeden Tag. Doch das Experiment zeigt pragmatisch, wie KI mit chaotischen Mischflächen, Baustellen und unmarkierten Wegen umgeht. Xpeng baut damit enormen Druck auf Tesla und deren FSD-System auf. Bis die europäischen Zulassungsbehörden solche Manöver auf öffentlichen Straßen freigeben, fließt allerdings noch reichlich Wasser den Rhein runter.
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