Polestar: US-Bann zwingt Geely-Tochter voll nach Europa

Das weiße Polestar 3 Elektro-SUV in der schrägen Frontansicht auf einer Straße. Das sportliche Premium-E-Auto zeigt sein markantes LED-Lichtdesign, große Alufelgen und ein schwarzes Panoramadach vor einer Sanddüne
Quelle: Polestar
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Die Hiobsbotschaft aus den USA trifft Polestar bis ins Mark. Nach dem verhängten Verkaufsverbot für Fahrzeuge mit chinesischem Kontrollhintergrund verliert die Marke ihren wichtigsten Überseemarkt von heute auf morgen. Weil zeitgleich das Geschäft im Heimatmarkt des Mutterkonzerns Geely lahmt, zieht CEO Michael Lohscheller jetzt die Notbremse. Die gesamte verbliebene Schlagkraft wandert nach Europa. Dort bläst der Hersteller zum direkten Großangriff auf die deutsche Konkurrenz.

US-Bann und China-Krise erzwingen den Rückzug

Der Abgang aus den Vereinigten Staaten erfolgt nicht freiwillig, sondern markiert eine politische Sackgasse. Während die Konzernschwester Volvo weiterhin auf dem US-Markt agieren darf, stufen die US-Behörden Polestar wegen der Geely-Eigentümerstruktur als chinesischen Akteur ein. Das Ergebnis ist ein faktisches Verkaufsverbot. Der Schritt erinnert an das Vorgehen gegen Technologiekonzerne wie Huawei und entzieht dem Hersteller ein zentrales Standbein der weltweiten Absatzplanung.

Auf dem chinesischen Markt sieht die Lage kaum besser aus. Dort verfehlt Polestar seit Jahren die internen Absatzerwartungen und gerät zwischen aggressiven Preiskämpfen und Geelys internen Plattformgeschwistern wie Zeekr unter die Räder. Wenn zwei von drei globalen Kernregionen gleichzeitig wegbrechen, bleibt keine Zeit für Zaudern. Europa wird für die Marke vom Wachstumsfeld zur reinen Überlebensfrage.

Dass der finanzielle Spielraum für riskante Experimente fehlt, offenbarten bereits die hohen Millionenverluste und der angekündigte Designkurs der vergangenen Monate. Ein Scheitern auf dem europäischen Kontinent kann sich das Unternehmen schlicht nicht leisten.

Großangriff auf BMW: Die Nische hat ausgedient

Im Gespräch mit Automotive News Europe formuliert Michael Lohscheller die neue Marschrichtung erstaunlich ungeschminkt. Der bisherige Nischenstatus der Modelle brachte zu wenig Volumen. Statt sich weiterhin an unerreichbaren Luxusmarken wie Porsche aufzureiben, nimmt die Marke ab sofort das klassische Premium-Mittelfeld ins Visier. Das erklärte Ziel heißt: Kunden von BMW, Audi und Mercedes abjagen.

Als wichtigster Hebel fungiert der neue Polestar 4 SUV, den Lohscheller unmittelbar nach seinem Amtsantritt vor rund zwei Jahren forcierte. Das Modell soll genau den Sweet Spot des europäischen Marktes für batterieelektrische Premiumfahrzeuge besetzen.

Dass die Schweden dafür alte Dogmen über Bord werfen mussten, zeigt der pragmatische Karosseriewechsel. Mit dem günstigeren Polestar 4 SUV samt echter Heckscheibe korrigierte man die unpraktische Kamera-Lösung des Coupés zugunsten echter Alltagstauglichkeit. Wer gegen etablierte Crossover aus München oder Ingolstadt bestehen will, darf Käufer nicht mit unfertigen Konzepten verprellen.

Volles Elektro-Risiko bei anhaltender Preisfalle

Bis zum Ende des Jahrzehnts steht der Modellfahrplan. Im Jahr 2027 soll der neue Polestar 2 antreten, gefolgt vom kompakten SUV Polestar 7 im Jahr 2028. Trotz allgemeiner Branchenverunsicherung hält Polestar stur an einer reinen BEV-Strategie fest. Kein Plug-in-Hybrid, kein Verbrenner-Rückzieher. Lohscheller setzt alles auf eine Karte.

Das birgt ein massives Problem. Die Nachfrage stagniert bereits heute spürbar, weil die Fahrzeuge schlicht zu teuer am Markt positioniert sind. Selbstbewusste Preise verlangen ein gefestigtes Markenprestige, das sich die Marke im europäischen Flotten- und Privatmarkt erst mühsam erarbeiten muss.

Wie hart der Markt Preisübertreibungen abstraft, zeigte sich bereits, als der Polestar 3 an seiner unklaren Zielgruppe scheiterte und hinter den Absatzzielen zurückblieb. Auch Initiativen wie Polestar Charge mit neuen Lade-Tarifen kaschieren diesen Konstruktionsfehler nur unzureichend. Wenn ein Elektroauto im Leasing teurer ausfällt als ein vergleichbarer BMW i4, greift die Zielgruppe zum vertrauten Traditionshersteller.

Lohschellers Europa-Plan ist alternativlos. Doch wenn Polestar nicht umgehend die Preisstruktur der Realität anpasst, verpufft der Großangriff auf BMW und Audi, bevor die neuen Modelle überhaupt auf die Straße rollen.

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