Polestar: Radikaler Designkurs soll Millionenverluste stoppen

Polestar zieht im Oktober den Schleier vom Concept Formula 2030. Das Showcar ist keine unverbindliche Fingerübung, sondern die direkte Vorschau auf die nächste Generation des Polestar 2 (2027) und das kompakte SUV Polestar 7 (2028). Unter dem seit Januar 2025 amtierenden Designchef Philipp Römers stellt sich die Marke optisch neu auf.
Der visuelle Neuanfang steht unter massivem wirtschaftlichem Druck. CEO Michael Lohscheller muss den schwedischen Elektroautobauer aus den roten Zahlen steuern. Allein im ersten Halbjahr 2026 verbuchte Polestar einen Nettoverlust von 842 Millionen US-Dollar (rund 623 Millionen Pfund). Das ist zwar ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2025, reicht aber nicht für das Überleben am Markt.
S-Duct bringt Anpressdruck ohne Reichweitenverlust
Technisch rückt beim Concept Formula 2030 die Aero-Effizienz in den Mittelpunkt. Auffälligstes Detail der tiefen, breiten Karosserie mit leicht angewinkelten Vorderrädern ist ein sogenannter S-Duct. Bei diesem System strömt die Luft durch den vorderen Kühllufteinlass hinein und wird über einen Kanal gezielt durch die Fronthaube nach oben geleitet.
Das bringt im Alltag einen handfesten Vorteil: Der Luftstrom drückt die Vorderachse bei hohem Tempo auf den Asphalt, ohne den Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) durch steile Spoilerbrüstungen zu verschlechtern. Das sichert die Spurtreue auf der Autobahn und schont gleichzeitig den Akku. Das bekannte Blade-Tagfahrlicht bleibt als Markenzeichen erhalten.
Abgrenzung zu Volvo: Dynamik statt Klotz-Optik
Römers erteilt aggressiven Riesen-Grills und martialischem Poser-Design eine Absage. Das Design soll sportlich und selbstbewusst wirken, ohne Passanten zu verschrecken. Ziel ist eine schärfere Abgrenzung zur Konzernschwester Volvo, die eher auf ruhige Familien-Sicherheit setzt.
Der wirtschaftliche Erfolg dieser Designlinie entscheidet über das Schicksal der Marke. Um profitable Zahlen zu schreiben, muss Polestar den Absatz von zuletzt 60.000 Fahrzeugen im Jahr 2025 dauerhaft auf mindestens 100.000 Autos pro Jahr steigern. Der Wechsel auf die neue Optik bei den kommenden Volumenmodellen Polestar 2 und Polestar 7 ist damit der zentrale Pfeiler der gesamten Sanierungsstrategie.
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