Elektroautos in der EU sind 33 Prozent günstiger im Betrieb als Benziner – das zeigt die neueste ICCT-Studie

Wer noch immer glaubt, dass Elektroautos teurer im Unterhalt sind als Benziner, der lebt in einer Welt, die es so nicht mehr gibt. Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hat in seiner aktuellen Ausgabe des „EV Transition Check“ klare Fakten auf den Tisch gelegt: Fahrer von Elektroautos zahlen in Europa etwa ein Drittel weniger für den täglichen Betrieb als Fahrer von Benzinern. Das ist nicht irgendein Marketing-Gerede – das sind abgehärtete Daten aus hunderttausenden Fahrzeug-Vergleichen.
Der Report zeigt dabei besonders interessant: Diese Kostenersparnis funktioniert nicht nur bei den High-End-Stromern mit Privatladepunkt. Selbst E-Autos, die ausschließlich an öffentlichen Ladesäulen tanken, sind immer noch rund 28 Prozent günstiger pro Kilometer als vergleichbare Benziner. Das widerlegt hartnäckig diesen einen Mythos, den noch immer fast jeder Ölverbrenner-Fahrer herauskramt: »Öffentliches Laden ist doch viel teurer.«
Die Energiepreiskrise macht den Vorsprung noch größer
Was den ICCT-Bericht besonders zeitaktuell macht, ist die Ölkrise, die seit Februar 2026 den Energiemarkt durcheinander wirbelt. Während die Strompreise für Elektroauto-Fahrer weitgehend stabil blieben, kletterten die Spritpreise für Benziner-Besitzer um 12 bis 36 Prozent nach oben. Das bedeutet im Klartext: Der 33-Prozent-Kostenvorteil der E-Autos ist seither noch deutlich größer geworden. Wer heute noch ein neues Auto mit Verbrennermotor kauft, zahlt nicht nur mehr beim ersten Liter – er zahlt längerfristig für einen auslaufenden Standard.
Der Grund für diese drastische Kostenverschiebung ist relativ simpel. Batteriekosten sind kontinuierlich gefallen – im globalen Durchschnitt um 35 Prozent zwischen 2020 und 2025. Diese Einsparungen hätten längst in günstigere Listenpreise fließen können. Statt dessen haben Autobauer die billigeren Zellen bevorzugt genutzt, um größere Batteriepakete zu verbauen und damit die ewige Reichweiten-Debatte abzuwürgen. Eine clevere Strategie für die Konzerne, ein versteckter Segen für Käufer, die heute Elektroautos wählen.
In Deutschland sind E-Auto-Preise und Benziner-Preise praktisch identisch
Ein entscheidender Punkt: Im Jahr 2025 haben Elektroautos in Deutschland – dem größten europäischen Automarkt – erstmals das Preislevel von vergleichbaren Benzin-Pkw erreicht. Das zeigen Auswertungen von über 100.000 Fahrzeugdaten. Das ist ein historischer Wendepunkt. Wer also beide Antriebsarten direkt vergleicht – bereinigt um Reichweite, Leistung, Gewicht und Inflation – zahlt für einen Stromer nicht mehr als für einen Verbrenner. Im Gegenteil: Bei den mittleren Fahrzeugsegmenten ist das E-Auto oft sogar billiger geworden.
Der Hintergrund ist ein massiver Skaleneffekt bei der Batteriefertigung. Tesla, BYD, Volkswagen und Konsorten drehen jetzt Millionen Zellen pro Jahr. Die Preise fallen dadurch unter Druck, und diese Einsparungen – auch wenn Hersteller sie nicht komplett weitergeben – landen dennoch am Kundenportemonnai. Verglichen mit den Listenpreisen von vor fünf Jahren zeigen aktuelle Datenbank-Analysen, wie sehr der Preis-Druck greift.
Die Modellvielfalt wächst rasant
Ein Nebeneffekt, der oft übersehen wird: Die Zahl verfügbarer Elektroauto-Modelle hat sich zwischen 2020 und 2025 vervierfacht. Das bedeutet für Käufer mehr Wahlfreiheit und stärkeren Preiswettbewerb. Während es 2020 noch Glücksspiel war, überhaupt ein passendes E-Auto zu finden, gibt es heute für praktisch jedes Budget und jeden Nutzungsfall ein Modell. Das ist nicht spektakulär in der Schlagzeile, aber im Alltag entscheidend.
Elektro-Lkw in Deutschland bereits kostengünstiger als Diesel
Interessanterweise zeigt der ICCT-Report, dass die Kostenparität für Lkw sogar noch schneller kommt als erwartet. Dank spezieller Mautbefreiungen für Elektro-Lastkraftwagen in Deutschland liegen die Gesamtbetriebskosten für Fernverkehrs-Elektro-Lkw bereits 11 Prozent unter denen von Diesel-Lkw – und das heute, nicht irgendwann 2035. Für den Rest der EU wird diese Kostengleichheit voraussichtlich bis 2030 erreicht. Das ist relevant für Spediteure und Flottenbetreiber, die endlich mit harten Zahlen argumentieren können statt nur mit Umwelt-Ideologie.
Der CO2-Vorteil ist größer als früher gedacht
Und dann wäre da noch die Klimabilanz. Über ihren gesamten Lebenszyklus produzieren Elektroautos 73 Prozent weniger Treibhausgase als Benziner – deutlich besser als manche politisch fragwürdige Studien suggerieren (hier blicke ich auf die umstrittene TU-München-Arbeit von vor einigen Jahren). Bei Elektro-Lkw im Fernverkehr soll die CO2-Ersparnis sogar bei 86 Prozent liegen. Das sind keine Marginalien mehr, das ist die Kernfrage beim Thema Mobilitätswende.
Was das bedeutet: Die Elektromobilität ist wirtschaftlich angelangt
Die ICCT-Studie ist im Kern eine unbequeme Botschaft für die Verbrenner-Industrie: Elektroautos sind nicht einfach zukunftssicher – sie sind heute schon wirtschaftlicher. Das erklärt auch, warum der europäische Automarkt weiterhin in Richtung Stromantriebe driftet. Nicht aus Idealismus, sondern aus blankem Pragmatismus. Ein Käufer, der beim Betrieb ein Drittel sparen kann, wird langfristig die richtige Entscheidung treffen.
Das Management von Volkswagen, Mercedes und anderen mag das noch nicht öffentlich aussprechen – die Zahlen sprechen aber lauter als jedes Dementsi.
Der ICCT rechnet damit, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch deutlich verstärkt, sofern die derzeitige politische Unterstützung beibehalten wird. Neue, billigere Zellchemien wie LFP werden Massenmarkt-E-Autos unter 25.000 Euro ermöglichen. Der Wettbewerb wird sich verschärfen. Wer nicht liefern kann – und das bezahlbar – wird über kurz oder lang vom Markt verdrängt.
Die Botschaft an Hersteller ist klar: Nicht die Frage ist mehr »Sollen wir elektrifizieren?«, sondern »Wie schnell können wir kostengünstig genug werden?«. Und für Fahrer, die sich heute Gedanken über öffentliches Laden machen, ist die gute Nachricht: Die Ladekosten sinken mittlerweile spürbar.
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