BMW: Warum uns die Euro-7-Rettung von M3 und M5 im Alltag nervt

Seitensicht des roten BMW M Concept Neue Klasse
Quelle: BMW
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Totgesagte leben länger. Wer dachte, dass die immer strengeren Abgasregeln den dicken Verbrennern aus München den Stecker ziehen, liegt falsch. BMW rettet den Sechszylinder und den V8 bis weit in die 2030er-Jahre. Eine echte Ansage. Aber der Preis für uns in Europa ist eine technische Friss-oder-Stirb-Nummer.

Das klingt auf den ersten Blick nach Feierstimmung für alle Autofans. Ist es aber nicht. Wer genauer hinsieht, erkennt das fiese Konstrukt dahinter. M-Chef Frank van Meel hat am Rande des Goodwood Festival of Speed 2026 gegenüber Bimmer Today ausgepackt und klargestellt, wie viel technischer Aufwand nötig ist, um S58 und S68 durch die Euro-7-Hürde zu peitschen. Für uns Kunden hat die Sache nämlich einen gewaltigen Haken.

Der Sechszylinder bleibt stark, wird aber ein Reparatur-Albtraum

Gott sei Dank behält der 3,0-Liter-Reihensechszylinder namens S58 in Europa seine Leistung. BMW knallt dafür eine Technik namens M Ignite rein. Dahinter steckt eine Vorkammer, die direkt in den Zylinderkopf integriert wurde. Höhere Verdichtung gibt es obendrauf, genau wie Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG). Das soll den Durst senken, vor allem wenn man die Kiste auf der Autobahn ordentlich tritt.

Klingt nett. Die Kehrseite? Der Motor mutiert zur absoluten Hightech-Mimose. Die aktuellen M3 und M4 rollen bereits mit diesem modifizierten S58 vom Band. Der kleine Bruder M2 zieht im August nach. Im Alltag zählt am Ende aber nicht nur die Leistung, sondern auch die Haltbarkeit. Ich sehe jetzt schon die langen Gesichter in den Werkstätten, wenn an dieser filigranen Vorkammer-Konstruktion mal was zickt. Komplexer Quatsch.

Beim V8 wird die reine Verbrenner-Ehre kastriert

Richtiger Kontrollverlust herrscht jedoch beim dicken S68-V8. M Ignite? Pustekuchen. Bekommt der Achtzylinder überraschend nicht. BMW baut den Hobel stattdessen auf das Miller-Brennverfahren um, schmeißt ein neues Motormanagement rein, überarbeitet die Abgasnachbehandlung und spendiert mehr Kühlung. Das bittere Resultat: Der nackte Verbrenner verliert schlicht an reiner Pferdestärke.

Ein Jammer. Und jetzt? BMW fängt den Leistungsabfall beim neuen M5 und dem XM Label einfach über einen stärkeren Elektromotor ab. Die Systemleistung bleibt auf dem Papier also identisch. Der M5 wird seit März so gebaut, der XM Label zog im April nach. Clever gelöst, könnte man meinen. Mich nervt dieses künstliche Beatmen trotzdem kolossal. Der Charakter leidet, nur um die CO2-Werte zu drücken.

Das dicke Ende kommt erst noch. Diese ganze Euro-7-Kastration betrifft nur uns Europäer. Die US-Versionen bleiben von den Änderungen komplett verschont. Dort drüben darf der V8 weiterhin frei durchatmen und seine volle Verbrenner-Leistung ohne Miller-Brennverfahren entfalten. Eine unfaire Zweiklassengesellschaft auf unserem Rücken.

Die Hybrid-Welle rollt unaufhaltsam weiter

Der Blick auf die Roadmap zeigt, wo die Reise hingeht. Ab 2027 wandert der geänderte V8 in den X5 M60, den M760 und den ALPINA 7er. Nächstes Jahr steht schon der neue X7 als M60-Variante an. Im Jahr 2028 folgt dann der nächste X6 als M Performance und später als echter M.

Der Reihensechszylinder schlüpft derweil in den nächsten M3. Höchstwahrscheinlich gekoppelt an ein Mild-Hybrid-System. Noch mehr Kabel, noch mehr Gewicht. Immerhin schiebt BMW noch dieses Jahr den neuen 3er als M350 mit dem bewährten B58-Motor und über 400 PS an den Start. Auch ein neuer 3er Touring ist in Arbeit.

Ob wir am Ende echte M-Versionen des Kombis sehen, ist unbestätigt. Klar ist nur: Der unbeschwerte, reine Verbrenner-Spaß ist in Europa Geschichte. Ein fauler Kompromiss jagt den nächsten.

Regulierungswahn spaltet den globalen Automarkt

Die BMW-Strategie legt die Sollbruchstelle der globalen Autoindustrie offen. Euro 7 zwingt die Hersteller zu extrem teuren, regionalen Sonderlocken. Identische Modellnamen verstecken künftig völlig unterschiedliche Antriebskonzepte unter dem Blech. Das treibt die Entwicklungskosten in absurde Höhen.

Wir Europäer zahlen die Zeche doppelt. Erstens an der Kasse, zweitens mit anfälligerer, schwererer Technik. Wenn ein V8 künstlich elektrisch beatmet werden muss, leidet das Leistungsgewicht dauerhaft. Die USA lachen sich ins Fäustchen, während wir den Hybrid-Ballast durch die Kurven schleppen.

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