BMW i3: Fast 10.000 Euro Aufpreis für die Ungeduld

BMW i3 2026
Quelle: BMW
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BMW hat den i3-Verkaufsstart in Europa vorgezogen. Schön, oder? Könnte man meinen. Bis man auf das Preisschild schaut: 75.340 Euro für die First Edition, bestellbar seit Mitte Juni. Das „normale“ Auto, das man sich selbst zusammenklickt? Kommt erst Ende September. Kostet dann 65.900 Euro. Gleiche Technik, gleiche Plattform, gleicher Antrieb. Zehntausend Euro Differenz. Nennt mir ein Wort dafür – ich nehme „Ungeduld-Steuer“.

Milan Nedeljković, seit Kurzem der neue starke Mann in München, hat das im Q2-Earnings-Call am 29. Juli so nebenbei fallen lassen. „Starke Nachfrage“, „positive Resonanz“ – die üblichen CEO-Vokabeln. Was er nicht gesagt hat: wie viele First Editions tatsächlich bestellt wurden. Keine Zahl. Nicht mal eine vage. Und genau das macht mich stutzig. Wären es 15.000 Bestellungen, hätte er es rausgeposaut. So bleibt das Gefühl, dass die Stückzahlen eher… naja. Sagen wir: überschaubar sind.

912 Kilometer – und trotzdem nur ein einziger Antrieb

Technisch ist das Ding ein Monster, keine Frage. Zweites Serienmodell auf der Neue-Klasse-Plattform nach dem iX3, erstes mit 800-Volt-Architektur in Limousinen-Form. 912 Kilometer WLTP im Basismodell. Zum Einordnen: Ein Tesla Model 3 Long Range schafft 678. Das ist kein Vorsprung, das ist eine andere Sportart.

Aber – und das ist ein großes Aber – es gibt zum Start genau eine Motorisierung. i3 50 xDrive, Allrad, fertig. Kein Heckantrieb. Keine 40-Variante. Nichts unter 66k. Beim iX3 hat BMW die Heckantriebs-Version nachgeschoben, beim i3 wird das sicher auch kommen. Nur wann? Schulterzucken in München.

Der Witz mit der Reichweite

Okay, jetzt wird’s richtig schön. Die First Edition schafft 906 Kilometer. Das Basismodell 912. Sechs Kilometer mehr. Für zehntausend Euro weniger. Warum? Weil die M-Sport-Felgen der First Edition größer sind und mehr Luftwiderstand produzieren. Man zahlt also einen fünfstelligen Aufpreis für ein M-Paket, eine beleuchtete Niere, ein Head-up-Display – und sechs Kilometer weniger Reichweite.

Ich hab das dreimal nachgelesen, weil ich dachte, ich verarsche mich selbst. Aber nein. Steht so in den Datenblättern.

Wer schlau ist, wartet bis Ende September, konfiguriert frei und spart das Geld. Wobei – „sparen“ ist relativ. Bei 65.900 Euro Grundpreis und der BMW-typischen Optionsliste wird am Ende trotzdem kaum jemand unter 72k rausgehen. Da bin ich auf den Konfigurator gespannt.

BYD lacht sich ins Fäustchen

Und jetzt der Teil, der BMW wehtun dürfte. Tesla Model 3 Long Range AWD: ab ca. 52.000 Euro. BYD Seal AWD: ab rund 47.000 Euro. Mercedes EQE 350+: etwa 66.000 Euro, also i3-Niveau, aber mit gut 100 Kilometern weniger Reichweite.

Ja, der i3 ist technisch das bessere Auto. 800 Volt, über 900 Kilometer, Neue-Klasse-Architektur. Geschenkt. Aber der normale Käufer – der, der nicht auf YouTube Ladekurven vergleicht – rechnet in Leasingraten. Und da steht ein BYD Seal für 47k beim Händler und grinst. BMW verkauft hier Reichweiten-Dominanz zu einem Preis, bei dem ein Großteil der Zielgruppe einfach nicht mehr mitspielt. Das ist kein Produktproblem. Das ist ein Positionierungsproblem.

Touring, M-Modelle, und was noch kommt

Was definitiv kommt: der i3 Touring, 2027, gebaut in München. Kombi. In der 3er-Reihe. Möglicherweise sogar für die USA, was es so noch nie gab. Erlkönige drehen bereits ihre Runden, die Tarnung wird dünner.

Dazu: M Performance, echtes M, vermutlich ein 40 xDrive. Ich lege mich fest – bis Mitte 2027 stehen mindestens vier i3-Varianten im Konfigurator. BMW kann sich ein Ein-Modell-Lineup auf Dauer nicht leisten, nicht gegen diese Konkurrenz.

Also: Kaufen oder warten?

Ganz ehrlich? Warten. Die First Edition ist ein künstlich verknapptes Paket für Leute, die das Auto im September auf dem Parkplatz stehen haben müssen. Technischen Vorsprung gibt es keinen – im Gegenteil, sechs Kilometer weniger.

Wer Ende September bestellt, zahlt 66k statt 75k und kriegt trotzdem das gleiche Auto. Wer auf Heckantrieb spekuliert, braucht Geduld bis 2027. Und wer einfach ein gutes Elektroauto unter 50k will – tja, der ist bei BMW halt falsch. Noch.

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