BMW i3 Touring: Warum der Elektro-Kombi genial wird – und Traditionalisten trotzdem fluchen

Kombis sind die wahren Helden des Alltags. BMW bringt mit dem i3 Touring die lang ersehnte Steckdosen-Alternative zum klassischen Dreier. Doch die ersten Erlkönig-Bilder zeigen einen herben Verlust für Traditionalisten. Ein geniales Detail stirbt.
Kein Platz für Schnickschnack: Das Ende der geteilten Heckklappe
Die Fotografen von Autocar haben den getarnten Prototyp erstmals im Freien erwischt. Spannend: Das Heck wirkt gestreckt, die Dachlinie fällt sanft ab. Schick. Aber wer genau hinsieht, vermisst die legendäre, separat öffnende Heckscheibe. Dieses praktische Feature scheint endgültig Geschichte zu sein. Ein bitterer Kompromiss für alle, die mal eben schnell eine Tasche in den Kofferraum werfen wollten. BMW opfert ein Stück Identität auf dem Altar der Aerodynamik.
Wie viel passt überhaupt rein? Der aktuelle Verbrenner-Kombi schluckt 500 Liter Gepäck, während die Limousine auf 480 Liter kommt. Für den neuen i3 Touring schweigt sich München noch über das genaue Ladevolumen aus. Es dürfte aber deutlich mehr werden. Schließlich bietet die komplett neu entwickelte Plattform der Neuen Klasse ganz andere Platzverhältnisse.
Auch die Reichweite leidet unter dem Rucksack. Die i3 Limousine glänzt im britischen Raum mit einer offiziellen Reichweite von bis zu 567 Meilen (ca. 912 Kilometer). Der Touring wird diesen Spitzenwert durch seine schlechtere Aerodynamik leicht verfehlen. Ein physikalischer Fakt, der im Alltag aber kaum ins Gewicht fallen dürfte.

Der Preis der Exklusivität: Warum Mercedes die Flucht ergreift
E-Kombis sind rar gesät. Mercedes hat die elektrische C-Klasse als Kombi bereits komplett gestrichen. Die Begründung aus Stuttgart? Angeblich kauft niemand mehr diese Karosserieform. Völliger Quatsch. BMW-Chef Oliver Zipse betonte nicht ohne Grund, dass Geschäftskunden und Familien den Touring lieben. München bleibt stur. Gut so. Das ist eine verdammt starke Ansage an die Konkurrenz. Sie bauen ihn einfach.
Das Ganze hat allerdings seinen Preis. Während die i3 Limousine bei 66.000 Euro starten soll, dürfte der Touring die 70.000-Euro-Marke knacken. Ein heftiger Batzen Geld. BMW war noch nie billig, aber hier tut es im Portemonnaie richtig weh. Später sollen zwar günstigere Versionen folgen, doch zum Start 2027 melkt man erst einmal die Early Adopter.
Wer noch mehr Power sucht, muss sich gedulden. Der vollelektrische M3 Touring ist fest eingeplant. Vor 2028 wird der Sport-Kombi aber wohl nicht auf der Straße stehen.
Warum BMW das Kombi-Risiko wagt, während Mercedes kneift
Hinter der Entscheidung steckt eiskaltes Kalkül. Kombis sind primär ein europäisches Phänomen. In China und den USA spielen sie kaum eine Rolle, dort regieren SUVs und Limousinen. Mercedes spart sich die teuren Entwicklungskosten für eine elektrische C-Klasse mit großem Heck, um die Rendite zu maximieren. Schlichte Gewinnoptimierung auf Kosten der Nutzbarkeit.
BMW wählt einen anderen Weg. Die Bayern nutzen die hochflexible Architektur der Neuen Klasse, um mit minimalem Mehraufwand verschiedene Karosserieformen anzubieten. Das hält die Kosten im Zaum. Gleichzeitig bindet es die lukrativen europäischen Flottenkunden an die Marke, die schlichtweg keinen SUV-Panzer als Dienstwagen wollen. Ein cleverer Schachzug, der sich trotz geringerer globaler Stückzahlen auszahlen könnte.
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