Cupra Raval Plus: Warum der sportliche Einstieg richtig Spaß macht – und Sparfüchse trotzdem ungeduldig mit den Hufen scharren

Wer auf den versprochenen Elektro-Kracher für unter 26.000 Euro wartet, muss jetzt ganz stark sein. Cupra schiebt im Konfigurator klammheimlich eine Zwischenvariante namens Raval Plus vor, die zwar deutlich günstiger als die bisherigen Launch-Editionen ist, aber eben auch die magische Budgetgrenze reißt.
Für knapp unter 30.000 Euro rollt hier ab Mitte September ein sportlicher Kompakter an, der zeigt, wo die Reise bei den günstigen MEB+-Stromern des Volkswagen-Konzerns wirklich hingeht. Ein cleverer Schachzug der Spanier, der aber nicht jedem gefallen dürfte.
Leistung passt, die Batterie erzwingt einen Kompromiss
Der Raval Plus kombiniert den 99 kW starken Frontmotor mit einem 37-kWh-Akku auf LFP-Basis. Damit ist man in der Stadt agil unterwegs. Überraschend sportlich. In der City reichen die 300 Kilometer WLTP-Reichweite locker, alles andere wäre Quatsch. Auf der Langstrecke schrumpft der Spaß dagegen merklich zusammen.
Gerade im Winter dürfte diese Reichweite spürbar in die Knie gehen und aus 300 km wohl eher schnell mal nur 180 km werden. Das ist die Kehrseite des Sparkurses. Wer mehr Kilometer am Stück fressen will, muss zu den teureren Versionen greifen, die mit dem größeren 52-kWh-NMC-Akku bis zu 444 Kilometer schaffen.
Die 88 kW DC-Ladeleistung des Plus sind im Alltag wichtiger als gedacht, um das Auto auf Reisen schnell wieder flottzubekommen. Von 10 auf 80 Prozent vergehen am Schnelllader so gerade einmal rund 23 Minuten. An der heimischen Wallbox zieht der Spanier die üblichen 11 kW AC.
Schade ist trotzdem, dass die eigentliche Einstiegsvariante für 25.950 Euro und mit schmaleren 85 kW Leistung nun erst für September im Konfigurator gelistet wird. Ursprünglich sollte sie im Sommer starten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Cupra zuerst die teureren Editionen abgrasen möchte.
Innenraum schick, aber Extras kosten extra
Im Cockpit verbaut Cupra gewohnte Kost. Sportsitze sind serienmäßig an Bord. Dazu gesellen sich ein digitales Cockpit mit 10,25 Zoll Diagonale und ein großes 12,9-Zoll-Infotainmentsystem auf Android-Basis. Sogar der Kofferraum ist mit 441 Litern Volumen für ein 4,05 Meter langes Auto eine echte Ansage. Das Design außen ist auffällig, mit scharf gezeichneter Sharknose und Matrix-LED-Scheinwerfern. Aber wer die wirklich spannenden Features will, muss kräftig draufzahlen.
Die Aufpreisliste nervt ein wenig. Für das Edge-Paket mit kabellosem Handyladen und der V2L-Funktion verlangt Cupra stolze 1.010 Euro extra, der Travel Assist 3.0 schlägt mit 690 Euro zu Buche und das Sennheiser-Soundsystem kostet weitere 950 Euro. Absurdes Preisspiel.
Wer noch eine Anhängerkupplung für 650 Euro oder das optionale Panoramadach für ebenfalls 650 Euro anhakt, treibt den Preis weiter hoch. Am Ende knackt man also auch mit dem vermeintlich günstigen Raval Plus extrem schnell die 35.000-Euro-Marke. Die drei bisherigen Launch-Editionen namens Dynamic ab 37.250 Euro, Dynamic Plus ab 41.605 Euro und das Topmodell VZ Extreme ab 46.525 Euro wirken dagegen fast schon utopisch teuer für ein Auto dieser Klasse.
Warum Wolfsburg beim Volks-Stromer taktiert
Dass die echte Einstiegsversion für knapp 26.000 Euro nach hinten verschoben wird, ist kein Zufall. Volkswagen und seine Töchter kämpfen bei den kleinen Elektroautos mit extrem dünnen Margen. Indem Cupra zuerst die teuren Launch-Editionen ab 37.250 Euro und nun den Raval Plus für knapp 30.000 Euro in den Markt drückt, greifen sie die zahlungskräftige Kundschaft ab. LFP-Akkus senken zwar die Produktionskosten, aber der Gewinn bei einem echten Basismodell ist für den Konzern im aktuellen Marktumfeld schlicht zu schmerzhaft.
Technisch zeigt die MEB+-Plattform mit Frontantrieb aber, wohin die Reise geht. Der Spagat aus kompakten 4,05 Metern Außenlänge und einem erstaunlich großen 441-Liter-Kofferraum zeigt, dass reine Elektro-Plattformen klassischen Verbrennern beim Packaging meilenweit überlegen sind. Wenn jetzt noch die Software auf Android-Basis ab Start stabil läuft, hat der Konzern endlich ein echtes Argument gegen die billigere Konkurrenz aus China in der Hand.
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