BYD Seal U: Das Elektro-SUV fliegt heimlich aus dem Programm

Ein Kontrollblick in den offiziellen Konfigurator von BYD bringt Gewissheit: Die rein elektrische Version des BYD Seal U ist in Deutschland klammheimlich aus dem Programm geflogen. Wer das 4,79 Meter lange Mittelklasse-SUV beim chinesischen Hersteller sucht, bekommt ab sofort ausschließlich den Plug-in-Hybrid Seal U DM-i serviert. Im Markenforum kursierte das Aus bereits seit Juni – jetzt ist der Stecker auf der Website endgültig gezogen.
Ladekrücke auf Verbrenner-Basis: Warum der Stromer scheitern musste
Technisch war das Modell in meinen Augen von Beginn an ein fauler Kompromiss.
Trotz des Modellnamens teilte sich das SUV nicht die moderne Plattform der Limousine, sondern setzte auf eine umgestrickte Verbrenner-Architektur mit Frontantrieb. Ein einzelner 160-kW-Motor quälte sich mit dem Gewicht ab und brauchte zähe 9,3 bis 9,6 Sekunden bis Tempo 100. Zeitgemäß ist das schlicht nicht.
Der eigentliche Genickbruch war für mich aber die Schnellladeleistung an der Autobahnsäule.
Egal ob man zum Basis-Akku mit 72 kWh (Modell Comfort) oder zum großen 87-kWh-Paket (Modell Design) griff: An der DC-Säule vergingen quälende 42 bis 43 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Auf der Langstrecke nervt eine solche Zwangspause gewaltig. Schon das bekannte Ladeproblem des normalen BYD Seal zeigte unmissverständlich, wie allergisch der deutsche Markt auf solche Trödelzeiten reagiert.
Auch der Preis rettete das Konzept nicht mehr.
Zwar klangen 42.990 Euro für den Einstieg und 46.490 Euro für 500 Kilometer Reichweite auf dem Papier ordentlich. Doch für magere 420 Kilometer Basistauglichkeit und Bummel-Laden war das Auto schlicht nicht konkurrenzfähig.
Brutale KBA-Zahlen: Über 90 Prozent griffen zum Hybrid
Die offiziellen Neuzulassungen sprechen eine vernichtende Sprache.
Im Jahr 2024 schaffte der Seal U hierzulande nicht einmal 500 Zulassungen. Zwar kletterte das Modell 2025 auf fast 9.600 Neuzulassungen, aber davon fuhren gerade einmal 888 Fahrzeuge rein elektrisch. Die Kundschaft wählte den Stecker-Hybrid – und ließ den reinen Stromer links liegen.
Dieses Bild verfestigte sich 2026 noch drastischer.
Bis einschließlich September zählte das KBA über 12.000 Neuzulassungen für den Seal U, doch weniger als 1.200 Einheiten waren reine Elektroautos. Dass der viel beachtete Privatkunden-Rekord von BYD in Deutschland fast im Alleingang vom DM-i gestemmt wurde, zeigt die Absurdität: Der Teilzeitstromer geht durch die Decke, während die Elektro-Version wie Blei bei den Händlern stand.

Sealion 7 übernimmt: Echtes E-Auto zum saftigen Aufpreis
Die Nachfolge hat BYD bereits geregelt, lässt sich das Ganze aber fürstlich bezahlen.
An die Stelle des aussortierten SUV rückt der 4,83 Meter lange Sealion 7. Das SUV-Coupé nutzt endlich eine echte Elektro-Plattform, bietet 230-kW-Heckantrieb oder 390-kW-Allradantrieb und Akkus mit 82,5 kWh sowie 91,3 kWh.
Vor allem beim Laden wischt der Neuling mit dem Vorgänger den Boden auf: Der Ladehub von 10 auf 80 Prozent ist in 32 bzw. 24 Minuten erledigt.
Doch der Technologiesprung tut im Geldbeutel weh. Wie unser Test des BYD Sealion 7 bewies, lässt sich BYD die moderne Technik einiges kosten. Der Einstieg liegt bei 49.990 Euro – das sind exakt 7.000 Euro mehr als beim alten Seal U Comfort.
Wer ein bezahlbares Mittelklasse-Elektro-SUV der Marke sucht, steht damit vor verschlossenen Türen. BYD bereinigt zwar konsequent seinen Modellkatalog, schiebt die reine E-Mobilität damit aber endgültig in eine teurere Liga. Für mich bleibt die Frage: Kann der Sealion 7 diesen satten Aufpreis im Alltag wirklich wieder einfahren?
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