CMF Clip Pro Testbericht

Mit dem CMF Clip Pro wagt sich die Nothing-Tochtermarke CMF erstmals in ein neues Kopfhörer-Segment: Statt klassischer In-Ear-Stöpsel oder der bereits von Nothing selbst bekannten Ear-(open)-Bügelform setzt CMF auf das sogenannte Clip-Design. Die Ohrhörer werden dabei nicht in den Gehörgang gesteckt, sondern seitlich an den Ohrrand geklemmt – ein Formfaktor, der in Asien bereits große Beliebtheit genießt und mit Modellen wie den Huawei FreeClip, Bose Ultra Open oder Soundcore AeroClip auch in Europa zunehmend Anhänger findet.
Für 79,95 Euro positioniert sich das Clip Pro klar im Budget-Segment und bringt dabei technisch mehr mit, als der günstige Preis vermuten lässt: Hi-Res Audio mit LDAC-Unterstützung, ein cleveres Smart Dial am Ladecase sowie eine spezielle Technologie für verständlichere Telefonate. Ob das offene Tragekonzept im Alltag überzeugt und ob es für klassische In-Ear-Nutzer eine echte Alternative darstellt, zeigt dieser Testbericht.
Die CMF Clip Pro wurden mir vom Hersteller kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Dies hatte aber natürlich keine Auswirkungen auf das Ergebnis des Tests.
Technische Daten
| Merkmal | Spezifikation |
|---|---|
| Bauform | Open-Ear, Clip-Design (Ohr-Anhänger, kein Gehörgang-Sitz) |
| Treiber | 10,8 mm, Dual-Magnet, dynamisch |
| Frequenzbereich | 20 Hz – 40.000 Hz |
| Material C-Bridge | Flexibler Titanium-Draht (Formanpassung ans Ohr) |
| Audio-Codecs | LDAC, AAC, SBC – Hi-Res Audio Wireless zertifiziert |
| Bluetooth | Version 5.4 |
| Multipoint | Ja (2 Geräte, Dual-Geräte-Verbindung) |
| Pairing-Standards | Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair |
| Mikrofone | 4 (2 pro Seite), VPU Power Call Clarity + Elephant Sound AI |
| Akkulaufzeit Hörer | Bis zu 10 Std. (mittlere Lautstärke) |
| Akkulaufzeit mit Case | Bis zu 32,5 Std. (Standard) / bis zu 36 Std. (Long-Battery-Modus) |
| Akkulaufzeit Telefonate | Bis 25 Std. (mit Case) / bis 6,5 Std. (nur Hörer) |
| Schnellladen | 10 Min. → bis zu 4 Std. Wiedergabe |
| Akku Case / Hörer | 475 mAh (Case), 60 mAh (je Hörer) |
| Laden | USB-C (kein Kabel im Lieferumfang), kein kabelloses Laden |
| Gewicht Hörer | ca. 5,9 g pro Stück |
| Gewicht Case | ca. 38,8–39 g |
| Maße Case | 52,1 × 26,69 × 51,01 mm |
| Bedienung | Physischer Knopf je Hörer + Smart Dial (Drehregler) am Case |
| Schutzklasse | IP54 (Hörer), Case ohne / IPX2 laut einzelnen Quellen |
| Kompatibilität | Android ab 5.1, iOS/iPadOS ab 13 |
| Besondere KI-Features | ChatGPT-Sprachsteuerung & Nothing AI News nur mit Nothing-Smartphone |
| Farben | Coral (Orange), Light Grey, Dark Grey |
| Lieferumfang | Ohrhörer, Ladecase, mehrsprachige Anleitung – kein USB-Kabel |
| Preis | 79,95 Euro (AT/DE) |
| Verfügbarkeit | Ab 1. September 2026 |

Das Konzept: Open-Ear statt In-Ear
Kopfhörer sind normalerweise eine ziemlich eindeutige Sache: Entweder sie stecken im Gehörgang, sitzen auf dem Ohr, oder sie umschließen es komplett. Die CMF Clip Pro machen das anders. Sie werden nicht in den Gehörgang gedrückt, sondern außen am Ohr befestigt – das Tragegefühl ähnelt eher einem Ohrring als klassischen Bluetooth-Kopfhörern. Der auffälligste Unterschied zeigt sich beim Aufsetzen: Statt den passenden Winkel für einen Stöpsel zu suchen, hängt man die Clip Pro einfach an den Rand des Ohres – wo sie überraschend stabil halten.
Das klassische Druckgefühl eines In-Ear-Modells entfällt komplett. Umgekehrt werden die Ohren nicht abgeschottet: Gespräche, Verkehr und Umgebungsgeräusche bleiben Teil des Hörerlebnisses. Für CMF sind die Clip Pro der erste Ausflug ins Open-Ear-Segment – Mutterfirma Nothing hatte mit den Ear (open) bereits ein Bügel-Design im Angebot, die Clip Pro gehen jedoch einen anderen, kompakteren Weg.

Design & Tragekomfort
CMF bleibt sich auch bei den Clip Pro treu und liefert ein markantes, eigenständiges Design. Anders als plumpe Kopien, die sich an anderen Herstellern orientieren, geht CMF eigene Wege – auch wenn die Rückseite des Hörers entfernt an die Konstruktion der Bose Ultra Open erinnert. Farblich stehen Coral (Orange), Light Grey und Dark Grey zur Wahl. Das Ladecase im hochkanten Format kombiniert mattierte und glänzende Oberflächen; der mattierte Kunststoff wirkt robust gegen Mikrokratzer.
Das Verbindungsstück zwischen vorderem Treiber-Element und hinterem Akkumodul, die sogenannte C-Bridge, lässt sich dank eines integrierten Titanium-Drahts flexibel dehnen. Das soll dafür sorgen, dass sich die Hörer bequem an unterschiedliche Ohrformen anpassen, ohne zu drücken, gleichzeitig aber zuverlässig in ihre Ursprungsform zurückkehren.
Der Tragekomfort ist hervorragend. Da die Hörer nur knapp sechs Gramm wiegen, spürt man sie im Alltag kaum und vergisst mitunter, dass man überhaupt Kopfhörer trägt. Besonders für Brillenträger ist das Clip-Format ein Gewinn: Anders als Ohrhaken-Modelle oder Nackenbänder kommt es zu keinen Kollisionen mit dem Brillenbügel. Der Sitz erwies sich im Test auch bei heftigen Kopfbewegungen und beim Sport als zuverlässig stabil.
Weil keine sperrigen Ohrhaken untergebracht werden müssen, fällt das Ladecase der Clip Pro deutlich kompakter aus als bei Open-Ear-Modellen mit Bügel-Design und passt dadurch leichter in Hosen- oder Jackentasche.
Bedienung: Physische Knöpfe & Smart Dial
Die Musiksteuerung erfolgt über einen physischen Knopf an der Batterieeinheit hinter dem Ohr. Durch seine raue, ertastbare Oberfläche lässt er sich zuverlässig bedienen, auch beim Sport – und schneidet damit im Vergleich zu Touch- oder Klopfgesten, wie sie andere Hersteller nutzen, klar besser ab.
Unterstützt werden verschiedene Gesten: einmal Drücken (Wiedergabe/Pause, Anruf annehmen/beenden), zweifach Drücken (nächster Titel), dreifach Drücken (vorheriger Titel) sowie Drücken & Halten für Lautstärkeänderungen. In der Nothing X App lassen sich sämtliche Gesten frei belegen.

Smart Dial: Case als Fernbedienung
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist das Smart Dial auf der Oberseite des Ladecases – ein Drehregler, der sich per App aktivieren und mit verschiedenen Funktionen belegen lässt: Wiedergabe/Pause, Titelwechsel, Sprachassistent, Low-Latency-Modus sowie Anrufannahme oder -ablehnung. Das Drehen des Rads ist ausschließlich für die Lautstärkeregelung vorgesehen. So lässt sich die Musik steuern, ohne das Smartphone aus der Tasche zu nehmen.
Leider kann es im Alltag aber vorkommen, wenn ihr das Case in der Hosentasche habt, dass dann das Dial durch Bewegung ungewollte Lautstärkeänderungen macht. So habe ich dann bereits nach kurzer Zeit das Dial zugunsten der zuverlässigeren Knopfsteuerung an den Hörern selbst deaktiviert.
Klangqualität
Bei den Clip Pro sitzt kein Stöpsel im Gehörgang – der 10,8-Millimeter-Treiber hängt stattdessen am Ohr und spielt den Ton hinein. Musik wirkt dadurch weniger abgeschottet, die Umgebung bleibt hörbar. Technisch ist CMF hier nicht bei Standardkost geblieben: Unterstützt werden Hi-Res Audio und der Bluetooth-Codec LDAC, zusätzlich stehen AAC und SBC zur Verfügung. Im Inneren arbeitet eine Membran aus TPU und LCP, ergänzt durch CMF Custom Tuning und einen selbst entwickelten Malleus-Algorithmus, der laut Hersteller die Basswiedergabe verbessern und Verzerrungen bei hohen Tönen reduzieren soll.
Im Praxistest liefern die Clip Pro für ihre Treibergröße einen überraschend hochauflösenden Klang. Besonders Höhen und Mitteltöne bleiben trotz des Abstands zwischen Hörer und Gehörgang bemerkenswert verzerrungsfrei. Nothing/CMF habe die Treiber gut an das Open-Ear-Konzept angepasst.

Die bauartbedingte Bass-Schwäche
Konstruktionsbedingt entsteht bei Open-Ear-Kopfhörern keine abdichtende Druckkammer im Gehörgang, was naturgemäß zu einem flacheren Bass führt. Ohne den Bass-Enhance-Modus sind die Clip Pro entsprechend schwach im Tiefton. Wird die Funktion aktiviert, klingt der Bass auf Stufe 1 bereits kräftiger. Auf Stufe 2 stößt der Treiber jedoch ab einer gewissen Lautstärke an seine Grenzen: Das Klangbild neigt bei Basslinien zu unangenehmem Übersteuern. Stufe 1 ist daher sinnvoller oder aber ihr schaltet das Feature gar nicht erst ein.
Im Vergleich zur direkten Konkurrenz positionieren sich die Clip Pro klanglich im Mittelfeld: Die deutlich teureren Huawei FreeClip 2 werden nicht erreicht, während die Soundcore AeroClip zwar weniger hochauflösend klingen, dafür aber einen kräftigeren Bass ohne Übersteuern liefern.
Anti-Leakage-Modus: Kompromiss statt Lösung
Ein zentrales Problem des offenen Designs ist Schallaustritt (Leakage) bei höherer Lautstärke. Der Anti-Leakage-Modus (in der App auch „Privacy Tuning“ genannt) senkt dafür die oberen Frequenzen ab – mit spürbaren Folgen für die Klangqualität. Für Telefonate akzeptabel, für Musik oder Videos aber nicht wirklich angenehm. Der Modus lässt sich getrennt für Anrufe oder alle Medien aktivieren.
Für die Feinjustage steht in der Nothing X App ein Drei-Band-Equalizer bereit. Insgesamt stehen sechs EQ-Presets zusätzlich zur Auswahl. So wirklich glücklich wurde ich aber mit keiner der Presets.
Static Spatial Audio gehört ebenfalls zum Funktionsumfang, dieser ht man aber auch nicht wirklich überzeugt. Das könnte an der Bauform der Kopfhörer liegen, denn bei anderen Nothing-Modellen funktioniert Spatial Audio immer recht gut.
Telefonate & Mikrofone
Für Telefonate verfügen die Clip Pro über vier Mikrofone (zwei pro Seite), unterstützt durch VPU Power Call Clarity und Elephant Sound AI. Diese Kombination soll die Stimme des Trägers auch bei störenden Umgebungsgeräuschen verständlich übertragen. Da bei einem Open-Ear-Gespräch zwangsläufig mehr Außengeräusche auf das System treffen als bei abgeschotteten Modellen, versucht die Technik, dies bei der Sprachaufnahme auszugleichen.
Die Ergebnisse fallen überwiegend positiv aus: es gibt eine klare, verständliche Stimmübertragung im Alltag, etwa beim Telefonieren während eines Spaziergangs. Gewöhnlicher Umgebungslärm und Windgeräusche werden zuverlässig herausgefiltert, solange man selbst schweigt. Sobald man spricht, können bei lauten, prägnanten Geräuschen – etwa einem piependen LKW oder Hintergrundstimmen – bruchstückhafte Störungen hörbar werden.
Bei sehr lauter Umgebung oder starkem Wind gerät die Sprachqualität an ihre Grenzen. Für kurze Absprachen in Cafés oder an belebten Straßen reicht es aus; bei langen, wichtigen Telefonaten kann es für den Gesprächspartner in solchen Umgebungen anstrengend werden.
Akkulaufzeit & Laden
CMF gibt für die Hörer eine Laufzeit von bis zu 10 Stunden bei mittlerer Lautstärke an. Zusammen mit dem Ladecase sind bis zu 32,5 Stunden möglich; im Long-Battery-Life-Modus soll die Gesamtlaufzeit sogar auf bis zu 36 Stunden steigen. Bei Telefonaten werden bis zu 25 Stunden (mit Case) beziehungsweise 6,5 Stunden (nur Hörer) angegeben.
Im Test kommt man auch tatsächlich an die Herstellerangabe – stark abhängig von der gewählten Lautstärke. Die Schnellladefunktion ist ein echtes Highlight: 10 Minuten am Kabel reichen für bis zu 4 Stunden Musikwiedergabe. Geladen wird ausschließlich über USB-C; kabelloses Laden wird nicht unterstützt.
Trotz eines eher sparsamen Karton-Inhalts (nur Hörer im Case plus Anleitung) legt CMF kein USB-Kabel bei.
Wasserschutz & Nothing X App
Die Ohrhörer sind nach IP54 gegen Staub und Wasser geschützt und damit für Alltag und leichten Sporteinsatz geeignet, wenn auch nicht für starken Regen oder Schwimmen. Das Ladecase selbst benötigt beim Umgang mit Feuchtigkeit mehr Vorsicht.
Über die Nothing X App (Android & iOS) lassen sich zahlreiche Funktionen steuern: räumlicher Audiomodus, Bass-Enhance-Einstellungen, individuelle Belegung der Bedienelemente, Low-Latency-Modus fürs Gaming, Dual-Geräte-Verbindung (Multipoint), Firmware-Updates sowie eine „Kopfhörer finden“-Funktion per Signalton. Was den Clip Pro fehlt, ist eine Trageerkennung – die Wiedergabe muss beim Absetzen manuell pausiert werden.
Eine Besonderheit für diese Preisklasse: KI-Funktionen wie ChatGPT-Sprachsteuerung und Nothing AI News stehen exklusiv in Verbindung mit einem Nothing-Smartphone zur Verfügung.
Kritische Erfahrungen
Mein Hauptproblem war das korrekte Einsetzen der Hörer im Ladecase. Ich wusste echt am Anfag nciht, wie ich diese wieder in das Case legen muss. Mehrere Versuche scheiterten. Ferner muss man sagen, dass wenn die magnetischen Kontakte nicht exakt sitzen, kommt keine Kopplung zustande – aufgrund der Formgebung der Hörer können sie selbst bei korrekter Platzierung leicht aus der Position rutschen.
Für wen eignen sich die CMF Clip Pro?
Kaufempfehlung für:
- Brillenträger, die mit Ohrhaken-Modellen schlechte Erfahrungen gemacht haben
- Einsteiger ins Open-Ear-Segment mit begrenztem Budget
- Nutzer, die beim Sport, im Büro oder Straßenverkehr ihre Umgebung wahrnehmen wollen
- Personen mit Berufen, bei denen ein Ohr für Umgebungsgeräusche frei bleiben muss
- Podcast-, Hörbuch- und Hörspiel-Hörer, bei denen feine Klangnuancen zweitrangig sind
- Nutzer, die physische Bedienelemente Touch-Gesten vorziehen
Lieber nicht kaufen, wenn:
- Kräftiger, sauberer Bass oder audiophiler Klang im Vordergrund steht
- Aktive Geräuschunterdrückung (ANC) für Reisen benötigt wird
- Vollständige Abschottung von der Umgebung gewünscht ist
- Größte Zuverlässigkeit beim Erstpairing entscheidend ist
- Ein vollständiger Lieferumfang inkl. Ladekabel erwartet wird
Fazit
Die CMF Clip Pro sind ein mutiger und größtenteils gelungener erster Schritt der Nothing-Tochtermarke ins Open-Ear-Segment. Der Tragekomfort gehört zu den besten, die im getesteten Marktumfeld gefunden wurden, und das Bedienkonzept aus physischem Knopf und optionalem Smart Dial am Case ist durchdacht und alltagstauglich. Für 79,95 Euro bekommt man außerdem technisch mehr, als man in dieser Preisklasse erwarten würde: LDAC, Hi-Res-Zertifizierung und eine spezialisierte Telefonie-Technik.
Die grundsätzlichen Kompromisse des offenen Designs – schwacher Bass, hörbare Schallabgabe bei höherer Lautstärke und ein Anti-Leakage-Modus, der die Klangqualität spürbar beeinträchtigt – lassen sich physikalisch kaum umgehen und betreffen praktisch alle Open-Ear-Kopfhörer. Wer diese Einschränkungen kennt und akzeptiert, bekommt ein rundes Gesamtpaket.
Am Ende bleibt die entscheidende Frage: Magst du das offene Hören? Wer seine Umgebung weiter wahrnehmen möchte und auf klassische Abschottung verzichten kann, findet in den Clip Pro einen der günstigsten und komfortabelsten Einstiege ins Open-Ear-Segment. Wer beim Musikhören komplett abschalten will, ist mit klassischen In-Ears oder Over-Ears weiterhin besser bedient.
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