Fang Cheng Bao Formula S: BYD greift Xiaomi und Tesla an

Seitenansicht grüner Fang Cheng Bao Formula S
Quelle: BYD
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BYD bläst zur nächsten Offensive im Premium-Segment: Mit dem Marktstart des Fang Cheng Bao Formula S und der Kombi-Variante Formula S GT schickt der chinesische Autogigant zwei extrem aufgebohrte Elektroboliden ins Rennen, die exakt auf die Kundschaft von Tesla und Xiaomi zielen. Ich habe mir die Datenblätter und Spezifikationen der neusten BYD-Aushängeschilder genauer angesehen. Was der Konzern bei Ladezeiten, Fahrwerkstechnik und Preisgestaltung abliefert, stellt die etablierte Konkurrenz vor ein echtes Problem.

Magnetorheologie und Flash-Charging: Technisches Geschütz gegen Tesla

BYD zieht bei den technischen Komponenten sämtliche Register, um dem Tesla Model 3 Kunden abzuluchsen. An der Spitze der technischen Neuerungen steht die Einführung der Fahrwerksplattform mit der Bezeichnung DiSus-M. Dieses intelligente magnetorheologische System passt die Dämpfung im Millisekundenbereich an Straßenverhältnisse und Fahrdynamik an. Je nach Modellvariante kombiniert der Hersteller auch das Luftfahrwerk DiSus-A oder das adaptive System DiSus-C. Damit deckt BYD vom komfortorientierten Gleiter bis zum straffen Sport-Coupé ein breites Spektrum ab.

Zusammen mit der Hochvolt-Architektur wollen die Chinesen ein lästiges Nadelöhr der Elektromobilität beseitigen: lahmende Ladevorgänge an der Säule. Über die verbaute Flash-Charging-Technologie lädt der Akku in 5 Minuten von 10 auf 70 Prozent. Wer auf 97 Prozent laden will, steht schlicht 9 Minuten an der Ladesäule. Das ist eine deutliche Ansage an die Branche. Bei den Antrieben stehen mehrere Leistungsstufen zur Wahl: Die Varianten mit Heckantrieb leisten 245 kW (329 PS) oder 300 kW (402 PS). Wer maximale Traktion sucht, greift zur Allradversion mit einer Systemleistung von 490 kW – das entspricht strammen 657 PS.

Die Reichweite liegt je nach Konfiguration bei bis zu 900 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Messverfahren. Auf der Straße muss sich der Newcomer gegen etablierte Stromer wie die zweite Generation des Xiaomi SU7 behaupten, die in China bereits erhebliche Marktanteile erobert hat. Für die autonome Führung verbaut BYD das System Gottesauge B samt LiDAR-Sensorik, das sowohl auf der Autobahn als auch im städtischen Verkehr Navigation on Autopilot (NOA) ermöglicht.

Karosserie, Innenraum und die Baukasten-Philosophie

Beim Karosseriedesign orientiert sich die Submarke Fang Cheng Bao an der Studie Formula X. Der Formula S kommt als sportliches Stufenheck-Coupé mit einer Länge von 5.060 mm, einer Breite von 1.967 mm und einer Höhe von 1.483 mm. Der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei hervorragenden 0,22 cW. Die Shooting-Brake-Version Formula S GT fällt mit 5.025 mm Länge und 1.458 mm Höhe geringfügig kompakter aus, bringt es aber wegen des veränderten Hecks auf einen cW-Wert von 0,25. Beide Derivate teilen sich einen Radstand von 2.960 mm, was für üppige Platzverhältnisse im Passagierraum sorgt.

Im Cockpit dominiert ein mächtiges 26-Zoll-AR-HUD, kombiniert mit einem Soundsystem von Devialet und speziellen Schwerelosigkeitssitzen für Fahrer und Beifahrer. Überraschend pragmatisch zeigt sich die Gestaltung der Mittelkonsole. BYD verzichtet auf eine starre Systemlandschaft und integriert modulare Hardware-Schnittstellen mit Magnet-, Gewinde- und PIN-Anschlüssen. Käufer können das Cockpit dadurch mit physischen Schalterleisten, magnetischer Ambientebeleuchtung oder Karaoke-Equipment individuell aufrüsten. Ob man unterwegs wirklich ein Mikrofon im Auto braucht, sei dahingestellt – die Flexibilität des Schnittstellen-Konzepts ist jedenfalls clever gelöst.

Differenzierte Modellpalette im Detail

Um verschiedene Käuferschichten gezielt anzusprechen, teilt BYD das Angebot für den Formula S und den Formula S GT in fein abgestufte Ausstattungs- und Fahrwerksvarianten auf.

Die Varianten des Formula S (Coupé)

  • Formula S 730 km DiSus-C RWD: Einstiegsmodell mit Heckantrieb und 730 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S 900 km DiSus-A RWD: Langstrecken-Variante mit Luftfahrwerk und 900 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S 900 km DiSus-M RWD: Langstrecken-Variante mit magnetorheologischem Fahrwerk und 900 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S 750 km DiSus-A AWD: Allradmodell mit 490 kW Leistung, Luftfahrwerk und 750 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S 750 km DiSus-M AWD: Allradmodell mit 490 kW Leistung, magnetorheologischem Fahrwerk und 750 km CLTC-Reichweite.

Die Varianten des Formula S GT (Shooting Brake)

  • Formula S GT 850 km DiSus-A RWD: Shooting Brake mit Heckantrieb, Luftfahrwerk und 850 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S GT 850 km DiSus-M RWD: Shooting Brake mit Heckantrieb, magnetorheologischem Fahrwerk und 850 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S GT 730 km DiSus-A AWD: Shooting Brake mit Allradantrieb, Luftfahrwerk und 730 km CLTC-Reichweite.
  • Formula S GT 730 km DiSus-M AWD: Shooting Brake mit Allradantrieb, magnetorheologischem Fahrwerk und 730 km CLTC-Reichweite.

Preisstruktur als Kampfansage im umkämpften China-Markt

Der Blick auf die Preisliste zeigt das eigentliche Aggressionspotenzial dieser Neuerscheinung. Der Einstiegspreis für den Formula S 730 km DiSus-C RWD liegt bei 189.900 Yuan (umgerechnet rund 27.900 US-Dollar). Die mittlere Variante mit 900 km Reichweite (sowohl mit DiSus-A als auch mit DiSus-M) wird für 209.900 Yuan (ca. 30.900 US-Dollar) angeboten. Das Topmodell Formula S 750 km AWD mit 490 kW Leistung kostet unabhängig vom gewählten Fahrwerk 229.900 Yuan (ca. 33.800 US-Dollar).

Für den praktischeren Shooting Brake Formula S GT starten die Preise bei 219.900 Yuan (32.300 US-Dollar) für die RWD-Ausführungen mit 850 km Reichweite. Die Allrad-Spitzenmodelle des Formula S GT 730 km AWD schlagen mit 239.900 Yuan (35.300 US-Dollar) zu Buche. Damit wildert Fang Cheng Bao direkt im Revier des Tesla Model 3 und baut zeitgleich Druck auf heimische Konkurrenten auf.

In einer Phase, in der chinesische E-Auto-Hersteller europäische Rivale verdrängen, verschärft sich auch der Verdrängungswettbewerb vor der eigenen Haustür deutlich. Die Kombination aus extrem kurzen Ladezeiten, flexibler Fahrwerkstechnik und einer aggressiven Preisgestaltung dürfte der etablierten Konkurrenz Kopfschmerzen bereiten. Ob die Software im Alltagsbetrieb hält, was die Papierform verspricht, wird erst der Praxistest auf den Straßen zeigen.

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