Geely TT: Kampfpreis halbiert die Kosten des Xiaomi SU7

Als am Freitagmorgen die offiziellen Verkaufszahlen und Preislisten der neuen Geely TT Elektrolimousine veröffentlicht wurden, dürfte das für europäischer Hersteller wohl wieder ein neuer Schock-Moment gewesen sein. Für umgerechnet knapp 18.000 Euro bringt Geely eine knapp fünf Meter lange Sportlimousine auf den chinesischen Heimatmarkt, die bereits in der Basisversion mit einer 800-Volt-Ladearchitektur und einem serienmäßigen LiDAR-Sensor vorfährt. Das ist eine klare Ansage in Richtung der Konkurrenz. Geely zielt mit diesem Modell ohne Umwege auf den Xiaomi SU7 und setzt den aufstrebenden Smartphone-Giganten unter immensen Preisdruck.
800-Volt-Technik und LiDAR für 18.000 Euro
Auf dem Papier wirkt das Gesamtpaket des Geely TT beinahe absurd für ein Fahrzeug dieser Preisklasse. Der Einstiegspreis liegt bei 129.900 Yuan (umgerechnet etwa 19.100 US-Dollar bzw. gut 18.000 Euro). Für dieses Geld bekommen Käufer nicht etwa einen abgespeckten Stadtflitzer mit Billigtechnik, sondern eine vollwertige Elektro-Sportlimousine.
Das Fahrzeug misst knapp fünf Meter in der Länge und bietet dank eines Radstands von 2.920 mm reichlich Platz im Innenraum, der zudem durch einen durchgehend flachen Fondboden aufgewertet wird. Während viele Hersteller bei günstigen Modellen an der Ladeinfrastruktur sparen und alte 400-Volt-Komponenten verbauen, setzt Geely durchgehend auf ein 800-Volt-Schnellladesystem. Das bedeutet kurze Ladezeiten an modernen Schnellladesäulen. Die angegebene Reichweite der Basisversion liegt bei soliden 640 km nach dem chinesischen CLTC-Standard.
Auch bei der Sensorik macht der Hersteller keine halben Sachen. Ein hochauflösender LiDAR-Sensor gehört bei jeder Ausstattungsvariante zum Serienstandard. Dieser versorgt das herstellereigene Fahrassistenzsystem G-ASD mit Daten für automatisierte Fahrfunktionen in der Stadt und auf der Autobahn. Im Cockpit setzt der Konzern auf den Sprachassistenten Super Eva sowie ein Flyme Sound-System mit 23 Lautsprechern. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, welches Kundensegment hier direkt angesprochen werden soll: junge, technologieaffine Käufer, die erstklassige Software und Fahrassistenten erwarten.
Der 100.000-Yuan-Abstand fordert Xiaomi heraus
Der direkte Vergleich mit der Konkurrenz macht die Preisstrategie von Geely erst so richtig brisant. Der Hauptrivale ist unmissverständlich der Xiaomi SU7. Die neue Generation des Xiaomi SU7 mit LiDAR-Standard startet erst ab 229.900 Yuan, Geely verlangt für die Basis des TT hingegen lediglich 129.900 Yuan. Das entspricht einer gewaltigen Preislücke von genau 100.000 Yuan – umgerechnet rund 13.000 Euro Preisunterschied bei ähnlichen Fahrzeugdimensionen.
Selbst die voll ausgestattete Sonderedition Geely TT Ultra bleibt mit einem Preis von 185.900 Yuan (ca. 27.300 US-Dollar) noch unter dem Einstiegspreis des einfachsten Xiaomi SU7. Die reguläre RWD-Modellpalette des TT bewegt sich im Bereich von 129.900 bis 159.900 Yuan. Dass diese Preispolitik beim Publikum zieht, belegen die ersten Auftragsbücher. Laut Herstellerangaben gingen innerhalb von knapp zwei Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart bereits mehr als 20.000 Vorbestellungen für die neue Limousine ein.
Aus meiner Sicht als Beobachter ist diese Entwicklungsrichtung extrem spannend. Xiaomi hatte mit dem SU7 bewiesen, dass ein Neueinsteiger im Automobilsektor mit starker Software und starkem Design etablierte Marken aufmischen kann. Nun schlägt Geely mit der eigenen Skaleneffizienz zurück. Dass der Mutterkonzern Geely gleichzeitig auf eine breit gefächerte Modellpalette über alle Preisklassen hinweg setzt, zeigte zuletzt auch der Zeekr 9X im deutschen Luxus-Segment. Während Zeekr das globale Premium-Segment abdeckt, fungiert die Marke Geely im Heimatmarkt als scharfe Waffe im Preiskampf.
Kann diese Preispolitik dauerhaft funktionieren?
Der Vorstoß wirft jedoch auch kritische Fragen auf, die in der ersten Euphorie über niedrige Listenpreise oft untergehen. Ein Elektroauto mit 800 Volt, LiDAR und fast fünf Metern Länge für umgerechnet 18.000 Euro anzubieten, grenzt an eine betriebswirtschaftliche Herkulesaufgabe. Die Marge bei diesen Einstiegsmodellen dürfte hauchdünn sein, wenn der Hersteller nicht sogar bewusst Verluste in Kauf nimmt, um Marktanteile von Xiaomi und Tesla zu erobern.
Für den Endkunden ist der entflammte Preiskampf auf den ersten Blick ein Segen. Wer viel Technik für vergleichsweise wenig Geld sucht, findet beim Geely TT ein auf dem Papier unschlagbares Angebot. Allerdings zeigt die Erfahrung im chinesischen Markt auch, dass extremer Preisdruck häufig zulasten der langfristigen Software-Pflege oder der Verarbeitungsqualität im Detail geht. Ob das G-ASD Assistenzsystem im hektischen Stadtverkehr hält, was der serienmäßige LiDAR-Sensor verspricht, müssen erste unabhängige Praxistests auf der Straße zeigen.
Fest steht: Der Schlagabtausch zwischen den traditionellen Autogiganten und den aufstrebenden Tech-Konzernen erreicht eine neue Intensität. Geely hat die Fehdehandschuhe offen hingelegt. Für Xiaomi wird der gewohnte Vorteil des besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses mit einem Schlag erheblich kleiner.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
