Hyundai Ioniq 3: Einstiegspreis eine Mogelpackung?

Hyundai schiebt seine E-GMP-Plattform endlich in die Kompaktklasse. Ab sofort rollt der neue Hyundai Ioniq 3 im türkischen Werk Izmit vom Band und lässt sich offiziell konfigurieren. Auf den ersten Blick wirkt die Ansage verlockend: Ein Einstiegspreis von 28.950 Euro für den 4,15 Meter kurzen City-Stromer soll die Konkurrenz auf Abstand halten.
Wer allerdings glaubt, für unter 29.000 Euro ein komplett alltagstaugliches Elektroauto zu bekommen, fällt auf den klassischen Marketing-Trick der Autobauer herein. Schauen wir uns die Nackten Zahlen ohne die blumige PR-Sprechblase an.
Magerer Akku und lahme Basis-Leistung
In der Basisversion verbaut Korea lediglich einen 42-kWh-Akku. Der treibt einen 108 kW (147 PS) starken Frontmotor an und macht nach WLTP-Zyklus bei mageren 344 Kilometern schlapp. Wer im Alltag ohne ständige Ladeangst Strecke machen will, muss zwingend zur 61-kWh-Batterie greifen. Diese schafft zwar bis zu 497 Kilometer, drosselt die Motorleistung jedoch unverständlicherweise auf 99 kW (135 PS).
Auch beim Schnellladen reißt der Biedermann keine Bäume aus: Bei maximal 119 kW DC-Ladeleistung vergehen unter optimalen Bedingungen rund 29 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Immerhin: Ein dreiphasiges 22-kW-Bordladegerät für Wechselstrom ist optional verfügbar. Ähnlich wie beim großen Hyundai Ioniq 9 setzt Hyundai beim Infotainment mit „Pleos Connect“ auf ein natives Android Automotive OS.
N Line ist Pflicht – und treibt den Preis über 40.000 Euro
Im Innenraum punktet der „Aero Hatch“ mit einem ebenen Fahrzeugboden, klug geschnittenem Raumkonzept und satten 441 Litern Kofferraumvolumen inklusive Unterboden-Staufach. Das war es dann aber auch schon mit den Lobeshymnen. Optisch sieht der Ioniq 3 in den Standard-Ausstattungen Select und Trend meiner Meinung nach nämlich ziemlich bieder aus.
Erst in den sportlicheren Trims N Line oder N Line Evo bekommt der Wagen das scharfe Gesicht, das man erwartet. Wer jetzt noch das nötige Technik-Paket für 1.650 Euro (inklusive 22-kW-Lader, V2L-Adapter und 230-Volt-Steckdose) sowie Matrix-LED-Scheinwerfer anklickt, klettert ruckzuck über die Marke von 40.000 Euro. Eine praxistaugliche Alltags-Konfiguration landet realistisch bei etwa 35.000 Euro. Das wurde zwar Zeit für die Kompaktklasse, aber ein echter Volks-Stromer sieht preislich anders aus.
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