Hyundai Ioniq 9 im Test: Viel Platz, aber schwache Reichweite

schräge Frontansicht eines grünen Hyundai Ioniq 9 Modelljahr 2027
Quelle: Hyundai
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Wer glaubt, dass XXL-Elektro-SUVs mit dem Kia EV9 ausgereizt waren, wird nun eines Besseren belehrt. Mit dem Hyundai Ioniq 9 schickt der koreanische Konzern sein bisher größtes E-Flaggschiff ins Rennen. Ein Fünf-Meter-Koloss mit bis zu sieben Sitzplätzen, auffälligem Pixellicht und deutlichem Oberklasse-Anspruch.

Doch hinter der futuristischen Optik und teuren Komfort-Features verbergen sich handfeste Schwächen, die in der Preisklasse ab knapp 76.000 Euro schwer wiegen.

Konzern-Duell: Papierpreis schlägt Händler-Realität

Auf dem Papier startet der Hyundai Ioniq 9 bei umgerechnet knapp 76.000 Euro (£65.000) und unterbietet den Plattform-Bruder Kia EV9 um knapp 1.200 Euro. Ein transparenter Preistrick der Marketingabteilung, um in den Vergleichstabellen den günstigsten Einstieg vorzugaukeln.

Die Realität am Markt sieht anders aus: Während der Ioniq 9 als Neuerscheinung zum vollen Listenpreis verkauft wird, gewähren Händler auf den etablierten Kia EV9 bereits Nachlässe von bis zu 7.000 Euro. Wer jetzt kauft, zahlt beim Hyundai einen satten Aufpreis für den Neuheitsfaktor.

106 kWh im Akku: 800 Volt retten die schwache Effizienz

Technisch setzt Hyundai auf die bekannte E-GMP-Architektur mit einer gewaltigen 106-kWh-Batterie (netto). Im Topmodell leisten zwei Elektromotoren stramme 427 PS und katapultieren den Fünf-Meter-Riesen in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. In der Praxis bleibt dieser Antritt eine nette Spielerei für die Ampel.

Das eigentliche Nadelöhr ist der Verbrauch: Im Realtest genehmigte sich der Allradler 25 kWh pro 100 km (2,5 mi/kWh). Das reduziert die praxisnahe Reichweite auf enttäuschende 435 Kilometer – weit entfernt von den versprochenen 598 Kilometern nach WLTP. Immerhin rettet die 800-Volt-Technik den Langstreckennutzen: An 350-kW-Schnellladern peitscht die Ladeleistung auf bis zu 242 kW hoch, womit der Akku in 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllt.

Teure Fehlgriffe: Kameraspiegel und Wendekreis-Desaster

Im Innenraum überzeugt das Platzangebot mit 338 Litern Kofferraum selbst bei genutzter dritter Sitzreihe, 100-Watt-USB-C-Ladebuchsen und einer integrierten UV-C-Entkeimungsschublade. Doch die Ingenieure haben an entscheidenden Stellen am Ziel vorbeientwickelt.

Zwei eklatante Schwachstellen fallen im Alltag sofort negativ auf:

  • Digitale Außenspiegel für 1.200 Euro Aufpreis: Ein klarer Fehlkauf. Mangelnde Tiefenschärfe, fehlender Neigungswinkel beim Einparken und ein unzureichender digitaler Zoom machen die Kameras jedem Standard-Spiegel unterlegen.
  • Fehlende Hinterachslenkung: Mit 12,5 Metern Wendekreis zirkelt man den Fünf-Meter-Riesen ohne mitlenkende Hinterachse wie einen Lkw durch enge europäische Parkhäuser.

Warten auf die ersten Händler-Rabatte

Der Hyundai Ioniq 9 ist ein komfortables Raumwunder für Großfamilien mit Hang zum auffälligen Design. Mein Rat aus der Praxis: Lasst die digitalen Spiegel weg, wählt den effizienteren Heckantrieb und wartet auf die ersten Nachlässe der Händler.

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