Hyundai Ioniq V: 800-Volt-Ansage entlarvt Europas Preise

Seitenansicht des Hyundai Ioniq V in 2 Farben
Quelle: Hyundai
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Hyundais neuester Streich in China entlarvt die europäische Preispolitik der Elektro-Hersteller ohne jede Scham. Mit dem Ioniq V schieben die Südkoreaner eine 4,90 Meter lange Fastback-Limousine auf die Straße, die mit 800-Volt-Technik, rahmenlosen Türen und bis zu 650 Kilometer CLTC-Reichweite glänzt. Der Preisschock: Das Basismodell 540 Max startet im Vorverkauf bei umgerechnet 15.630 Euro (119.900 Yuan). Ein Betrag, für den deutsche Kunden auf dem Heimatmarkt nicht einmal einen nackten Kleinwagen bekommen.

Chinesische Hardware bändigt die Kosten

Der radikale Preisansatz kommt nicht von ungefähr. Beijing Hyundai schlitterte in China von einst über einer Million Verkäufen auf unter 170.000 Einheiten ab – ein historischer Tiefstand. Der Ioniq V soll die Wende bringen. Um die Kosten drastisch zu drücken, bedient sich Hyundai gnadenlos im chinesischen Zulieferer-Ökosystem.

In der Bodengruppe sitzt ein Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP) von CATL. Die Basis nutzt 53,5 kWh für 540 km Reichweite, während das Topmodell 650 Max+ mit 66,8 kWh bis zu 650 km weit kommt. Zum Vergleich: Ein Ioniq 5 benötigt für 570 WLTP-Kilometer einen massiven 84-kWh-Speicher. Die keilförmige Silhouette des Ioniq V – optisch eine Mischung aus Toyota Prius und Tesla Cybertruck – drückt den Luftwiderstand so stark, dass selbst kleine LFP-Akkus Rekordreichweiten liefern. Schon beim chinesischen Marktstart des Hyundai Ioniq V zeichnete sich ab, dass die Koreaner beim Preiskampf die Daumenschrauben ansetzen würden. Den Schwenk auf günstige Zellchemien vollziehen derweil alle Volumensegmente: Mit dem LFP-Batterie-Update im Renault 5 versuchen auch europäische Marken, den extremen Kostendruck der Fernost-Konkurrenz abzufedern.

Snapdragon, Baidu und Momenta statt Eigenentwicklungen

Auch bei der Elektronik verzichtet Hyundai auf teure Eigenentwicklungen und setzt auf chinesische Branchenführer. Das Infotainment treibt ein Qualcomm Snapdragon 8295 Prozessor an, der ein nahtloses 27-Zoll-4K-Display für Fahrer und Beifahrer speist. Die Sprachsteuerung greift auf KI-Modelle von Baidu (Ernie Bot) und ByteDance zurück. Das automatisierte Fahren nach Level 2+ entstammt der Feder des chinesischen Spezialisten Momenta.

Trotz der Sparmaßnahmen bleibt das Herzstück der E-GMP-Architektur erhalten: Dank 800-Volt-System lädt der Stromer an der Schnellladesäule in unter 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Zudem bietet der Innenraum eine doppelte Smartphone-Ablage und eine neu strukturierte Mittelkonsole.

Die fatale Zwei-Klassen-Gesellschaft im Konzern

Der Ioniq V zeigt schmerzhaft, wie der europäische Kunde abgekassiert wird. Während in Deutschland der kompakte Hyundai Ioniq 3 als Einstiegsmodell für rund 29.000 Euro gehandelt wird, stellt Hyundai in China ein echtes Flaggschiff für die Hälfte des Geldes auf die Räder. Selbst das Topmodell 650 Max+ bleibt mit umgerechnet etwa 18.800 Euro (21.000 US-Dollar) spottbillig.

Hyundai plant bis 2030 noch 20 neue Elektro- und EREV-Modelle in China, um den Absatz wieder auf 500.000 Fahrzeuge zu hieven. Ein Import des Ioniq V nach Europa ist vorerst ausgeschlossen. Hiesige Käufer finanzierten somit die Preisschlacht in Fernost, ohne selbst von den günstigen Fertigungskosten profitieren zu können.

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Ein Kommentar

  1. Rechnen in Deutschland fällt auch hier sehr schwer. Was als Europa Preis raus kommt gleicht durch EU Vorschriften, hausgemachten Zöllen und MwSt jeden günstigen Preis aus. Danke Deutschland, danke EU. und ja, wir bezahlen den Preis, da die deutsche Automobilwirtschaft durch die hohen Gewerkschaftsforderungen und dem hohen Manageranteil kaputt gemacht wird.Kein Wunder, dass die lieber im Ausland produzieren.

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