Nio ET9: Luxus-Stromer wird in Deutschland unbezahlbar

Seitenansicht eines dunklen Nio ET9
Quelle: Nio
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Wer bei der Europa-Premiere in Berlin aufmerksam zugehört hat, dem dürften bei den Preisen kurz die Augen herausgefallen sein. Nio ruft in China zwar umgerechnet rund 120.000 Euro (800.000 RMB) für sein neues Flaggschiff auf, aber machen wir uns nichts vor: Das ist reines Wunschdenken für den deutschen Markt.

Rechnet man 19 Prozent Mehrwertsteuer, 10 Prozent EU-Einfuhrzoll sowie die immensen Kosten für Homologation und Logistik drauf, steht am Ende ganz schnell eine 150.000 Euro auf dem Preisschild. Preislich leider völlig daneben, wenn man als noch junge Marke in Deutschland Fuß fassen will. Wer hier an Schnäppchen aus Fernost glaubt, verkennt die harten Realitäten von Importzöllen und Bürokratie.

Technisches Muskelspiel mit 900 Volt und Fahrwerks-Hokus-Pokus

Technisch zieht Nio beim Nio ET9 natürlich alle Register, um die etablierte Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Das Herzstück bildet eine 900-Volt-Architektur namens „Thunder“, die theoretische Ladeleistungen von bis zu 600 kW verspricht. In der Praxis soll das in fünf Minuten Strom für 255 Kilometer bringen – zumindest im chinesischen CLTC-Laborzyklus.

Angetrieben wird das 5,33 Meter lange Schlachtschiff von einem 520 kW (707 PS) starken Allradantrieb, gespeist aus einem wechselbaren 120-kWh-Akku. Dazu gesellt sich das vollaktive „SkyRide“-Fahrwerk mit Steer-by-Wire. Klingt spektakulär, wirft bei mir aber sofort Fragen auf: Wer repariert so ein extrem komplexes hydraulisches System nach ein paar Jahren außerhalb des Nio-Netzwerks? Ob man das wirklich braucht oder sich damit nur teure Fehlerquellen einhandelt, muss der Alltag erst beweisen.

Marktstart 2027: Bis dahin hat die Konkurrenz aufgeschlossen

Das größte Problem von Nio ist jedoch nicht nur der Preis, sondern der Kalender. In China rollt der Stromer Anfang 2025 vom Band, doch nach Europa schlägt der ET9 erst Anfang 2027 durch. Zwei Jahre Wartezeit sind im aktuellen E-Auto-Tempo eine halbe Ewigkeit.

Bis der Luxus-Chinesen bei uns beim Händler steht, hat die Konkurrenz längst nachgelegt. BMW bringt mit der Neuen Klasse den elektrischen BMW i3 an den Start, und auch Stuttgart schläft nicht. Das wurde aber auch Zeit, dass deutsche Hersteller gegensteuern – für Nio könnte dieser späte Marktstart jedenfalls nach hinten losgehen.

EQS und Taycan im Visier, aber entscheidende Fakten fehlen

Mit 5.325 Millimetern Länge und 3.250 Millimetern Radstand legt es der Nio ET9 direkt auf Schwergewichte wie den Mercedes EQS 580 4MATIC (ab 139.500 Euro) und den Porsche Taycan Turbo (ab 165.000 Euro) an. Bei Leistung und Ladespannung wischt der ET9 auf dem Papier mit den Deutschen den Boden wisch.

Doch Papier ist bekanntlich geduldig. Nio bleibt uns nämlich ausgerechnet die verlässliche WLTP-Reichweite schuldig, nennt kein echtes Kofferraumvolumen und schweigt sich zu den monatlichen Kosten für das Akku-Mietmodell (BaaS) in Deutschland komplett aus. Ohne diese Kernfakten bleibt der Wagen vorerst ein faszinierender Technologieträger für zahlungskräftige Risikofreudige – aber noch lange kein echtes Kaufangebot für die Masse.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert