Nothing Headphone (1) Pro Testbericht

Mit dem Nothing Headphone (1) Pro schiebt das Londoner Unternehmen seiner noch jungen Over-Ear-Reihe ein drittes, deutlich ambitionierteres Modell nach. Nach dem günstigen Headphone (a) und dem klanglich mit KEF abgestimmten Headphone (1) wagt Nothing nun den Sprung in die obere Mittelklasse: Für 349 Euro UVP tritt der Headphone (1) Pro gegen etablierte Platzhirsche wie Sony WH-1000XM6, Bose QuietComfort Ultra und Apple AirPods Max an.
Statt eines einzelnen, breitbandigen Treibers wie beim Headphone (1) setzt das Pro-Modell auf eine Dreifach-Treiber-Architektur mit jeweils spezialisierten Chassis für Bass, Mitten und Höhen. Klanglich abgestimmt wurde der Kopfhörer diesmal nicht mit dem HiFi-Spezialisten KEF, sondern in Zusammenarbeit mit den renommierten Metropolis Studios in London – einem Tonstudio mit Alben von Adele und Coldplay in der Referenzliste. Dazu kommen ein verstärktes ANC mit zehn Mikrofonen, Bluetooth 6.1 mit Auracast-Unterstützung als Sender UND Empfänger sowie erstmals verlustfreies USB-C-Audio.
Ich habe die Headphone (1) Pro kostenlos vom Hersteller in der Farbe Schwarz für diesen Test zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat natürlich keinen Einfluss auf das Testergebnis.
Lieferumfang & Transportcase
Im Lieferumfang des Headphone (1) Pro sind neben dem Kopfhörer selbst ein robustes Hartschalen-Case inklusive praktischer Trageschlaufen enthalten. Für den kabelgebundenen Musikgenuss liegt ein 3,5-mm-Audiokabel bei, während das ebenfalls mitgelieferte USB-C-Kabel für das Aufladen und ebenfalls für verlustfreies Musikhören sorgt. Eine Kurzanleitung rundet das Paket ab und erleichtert Ihnen den schnellen Einstieg.
Das mitgelieferte Transportetui hat sich gegenüber dem Softcase des Headphone (1) deutlich verändert: Es besteht nun aus einer festen Hartschale mit weicher TPU-Auskleidung und erinnert entfernt an eine kleine Handtasche. Mit Außenmaßen von 228,5 × 123 × 53 mm und einem Gewicht von 383,5 Gramm fällt es rund halb so groß aus wie das alte Softcase und schützt das Gerät im Rucksack zuverlässig. Da die Abmessungen von Headphone (1) und (1) Pro identisch sind, lässt sich wahlweise auch das alte, leichtere Softcase des Nicht-Pro-Modells verwenden.
Ob man das neue Case mag, sei dahin gestellt. Sie ähneln bei der Aufmachung eher dem Apple-Etui, dieses ist aber als Softcase angelegt und beim Nothing Headphone (1) Pro ein Hartschalen-Case. Trotz seiner kompakteren Form könnte es von einigen als schwer und wenig praktikabel für den unkomplizierten Transport im Rucksack angesehen werden.

Technische Daten
| Merkmal | Spezifikation |
|---|---|
| Bauform | Over-Ear, geschlossen |
| Bass-Treiber | 40 mm, dynamisch (20 Hz – 10 kHz), PEEK+PU-Sicke, PET-Metall-Keramik-Kalotte |
| Präzisions-Treiber | 13 × 8 mm, dynamisch (5 – 15 kHz), PEN-Membran |
| Hochtöner | xMEMS, Silizium-Membran (10 – 40 kHz) |
| Frequenzgang | 20 Hz – 40.000 Hz |
| Bluetooth | Version 6.1 |
| Audio-Codecs | SBC, AAC, LDAC, LC3 (Broadcast-Audio) |
| Multipoint | Ja, 2 Geräte gleichzeitig; Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair |
| Kabelgebunden | USB-C verlustfrei bis 24 Bit/192 kHz; 3,5-mm-Klinke Hi-Res bis 24 Bit/96 kHz |
| Auracast | Sender UND Empfänger, bis zu 10 Empfangsgeräte gleichzeitig |
| Latenz (Low-Latency-Modus) | unter 120 ms kabellos, unter 15 ms kabelgebunden im Flat-EQ-Modus |
| ANC | Adaptiv (Niedrig/Mittel/Hoch), bis 46 dB, 10 Mikrofone (3 Feedforward + 2 Feedback je Seite) |
| Telefonie | Clear Voice Technology, DNN-Beamforming mit 4 Mikrofonen |
| Akkulaufzeit (AAC) | bis 68 Std. ohne ANC / bis 30 Std. mit ANC |
| Akkulaufzeit (LDAC) | bis 53 Std. ohne ANC / bis 28 Std. mit ANC |
| Akkulaufzeit (Telefonie) | bis 40 Std. ohne ANC / bis 33 Std. mit ANC |
| Akkukapazität | 1.060 mAh |
| Ladezeit | ca. 2 Std. vollständig; Schnellladen: 5 Min. → 4 Std. (ohne ANC) / 2 Std. (mit ANC) |
| Gewicht | ca. 327 g |
| Kopfbandverstellung | 132–169 mm, Ohrmuscheln mit 20° Neigungswinkel |
| Ohrpolster | Austauschbar, PU-Leder + Nylongewebe, 8-mm-Silikon-Schallwand, Innenmaß ca. 6 × 4 cm |
| Materialien | 9H Panda Glass, gefrästes Aluminium, Titan (Scharniere) |
| Schutzklasse | IP52 |
| App | Nothing X (iOS, Android) |
| Farben | Schwarz, Weiß |
| Lieferumfang | Hartschalen-Case (228,5 × 123 × 53 mm, 383,5 g), Miniklinkenkabel, USB-C-Kabel |
| Preis | 349 Euro (UVP) |

Das Herzstück: Dreifach-Treiber-Architektur
Der entscheidende technische Unterschied zum Headphone (1) steckt im Inneren der Ohrmuscheln: Statt eines einzelnen, von KEF abgestimmten Breitbandtreibers verbaut Nothing im Pro-Modell drei separate, spezialisierte Chassis, die gemeinsam den Frequenzbereich von 20 Hz bis 40.000 Hz abdecken.
Die drei Treiber im Detail
40-mm-Basstreiber
- 20 Hz – 10 kHz
PEEK+PU-Sicke für straffen Bass, galvanisierte PET-Metall-Keramik-Kalotte reduziert Verzerrungen bei hoher Lautstärke. Gegenüber dem Headphone (1): 15 % mehr Antriebskraft, 26 % höhere Empfindlichkeit.
Präzisions-Treiber
- 5 – 15 kHz
13 × 8 mm, formstabile PEN-Membran für klare Gesangswiedergabe. Atmung, Artikulation und S-/T-Laute werden mit mehr Textur und Detailtreue wiedergegeben.
xMEMS-Hochtöner
- 10 – 40 kHz
Siliziummembran, 95-mal steifer als Kunststoff bei geringem Eigengewicht. Liefert Transienten präzise und verzerrungsfrei, verstärkt Obertöne und Texturen.
In der Praxis macht sich diese Architektur deutlich bemerkbar: Die Klangbühne wirkt gegenüber dem Einzeltreiber-Headphone (1) spürbar breiter und pointierter. Besonders in den Höhen zeigt sich eine Verbesserung – sie fallen detaillierter und klarer aus, während Zischlaute weniger „scharf“ hervortreten. Auch die Bässe profitieren mit einem Tick mehr Punch. Insgesamt gilt die Abstimmung über alle Frequenzbereiche als ausgewogen und gut durchdacht.
Design, Materialien & Verarbeitung
Der Headphone (1) Pro bleibt dem charakteristischen transparenten Look der Marke treu, setzt aber auf neue, hochwertigere Materialien: 9H Panda Glass (gehärtetes, kratzfestes Glas – ein 9H-Bleistift hinterlässt darauf keine Spuren) ersetzt den Pseudo-Transparenz-Kunststoff des Headphone (1) und gibt den Blick auf die verbaute Technik frei, deren Anordnung optisch an das Höhenlinienbild einer topografischen Karte erinnert.
Der Rahmen besteht aus präzise gefrästem Aluminium, während bei den hochbelasteten Scharnierteilen matt glänzendes Titan zum Einsatz kommt. Diese Materialwahl spart gegenüber dem Vorgänger nach Herstellerangaben fast die Hälfte des Gewichts an den beweglichen Bügelarmen ein. Auf der Waage bringt es der Kopfhörer insgesamt dennoch auf rund 327 Gramm – kein Leichtgewicht, das sich beim Tragen aber überraschend unauffällig verteilt.
Kleiner Schönheitsfehler: Das Glas der schwarzen Variante zieht spürbar mehr Fingerabdrücke an als Kunststoff. Zudem schlagen die beiden Ohrmuscheln beim Tragen am Kopfband zusammen – Aluminium auf Aluminium, was langfristig zu Kratzern führen könnte. Ein Manko, das bereits beim Headphone (1) bestand und beim Pro-Modell unverändert fortbesteht.
Die Abmessungen von Headphone (1) und Headphone (1) Pro sind identisch – wer möchte, kann theoretisch das jeweils andere Case nutzen. Die Kopfhörer sind weiterhin nicht faltbar, lassen sich aber an den Ohrmuscheln um 90 Grad nach innen drehen, um flach verstaut oder bequem um den Hals getragen zu werden.

Trage- und Bedienkomfort
Beim Tragekomfort hat Nothing gegenüber dem Headphone (1) spürbar nachgelegt. Die Ohrpolster fallen einen Tick weicher aus und sitzen satter, wodurch sie auch passiv etwas besser abdichten. Die Entwickler haben die Polsterung um gut ein Zehntel verstärkt, auch das Kopfband hat in der Breite um ein Zehntel zugelegt, was den Auflagedruck gleichmäßiger verteilt. Die innere Schaumfüllung fühlt sich beim Aufsetzen spürbar weicher an als beim Nicht-Pro-Modell.
Über mehrere Stunden Dauerbetrieb hinweg spürte ich keinerlei Druckstellen oder hatte Beschwerden – auch nicht als Brillenträger. Eine verborgene Barriere aus flexiblem Silikon im Inneren der Ohrkissen sorgt dafür, dass sich das Kunstleder-Nylon-Gemisch lückenlos um Brillenbügel, Piercings und individuelle Ohrkonturen legt, was die Abdichtung zur Außenwelt spürbar verbessert.
Fetter Pluspunkt: Die Ohrpolster lassen sich erstmals selbst wechseln und sind als Ersatzteil direkt bei Nothing erhältlich – ein wichtiges Detail für die Langlebigkeit, da Ohrpolster bei Over-Ear-Kopfhörern typischerweise die ersten sichtbaren Alterserscheinungen zeigen.
Die Schutzklasse IP52 schützt gegen Staub und leichtes Tropfwasser – ein unerwarteter Regenschauer auf dem Heimweg ist damit kein Problem. Nur wenige Over-Ear-Kopfhörer besitzen überhaupt eine ausgewiesene IP-Zertifizierung.
Bedienelemente
Da hat Nothing zum Glück an die bekannte Bedienung der normalen Headphone (1) festgehalten und verzichtet bewusst auf fummelige Touch-Gesten und setzt vollständig auf physische Elemente: Der Roller (Drehregler) steuert präzise die Lautstärke, kurzes Drücken startet oder pausiert die Wiedergabe, langes Gedrückthalten schaltet durch die ANC-Stufen. Ein Paddle (Wipphebel) übernimmt das Überspringen von Titeln sowie die Anrufannahme. Hinzu kommt ein dedizierter Ein-/Ausschalter, der den Gerätestatus direkt ohne Aufsetzen erkennen lässt, sowie eine frei belegbare Funktionstaste (Sprachassistent, Kamera-Fernauslöser oder ChatGPT bei Nothing-Smartphones).
Neu beim Pro-Modell ist ein physischer Flat-EQ-Schalter auf der linken Hörer-Innenseite, der mit einem Umschalten sofort vom normalen Alltagsklang auf ein komplett neutrales, unverfälschtes Profil umschaltet – entwickelt in Zusammenarbeit mit den Metropolis Studios. Im aktiven Flat-EQ-Modus werden Transparenzmodus, Spatial Audio und App-EQ-Einstellungen automatisch deaktiviert, dafür sinkt die kabelgebundene Latenz auf unter 15 Millisekunden.
Alle Bedienelemente lassen sich auch hier gut erreichen und auch blind bedienen – ein klarer Vorteil gegenüber rein kapazitiven Touch-Flächen anderer Hersteller.
Metropolis Studios: Klangabstimmung & Nothing X App
Für die Klangabstimmung des Headphone (1) Pro hat Nothing erstmals nicht mit dem HiFi-Spezialisten KEF, sondern mit den Metropolis Studios zusammengearbeitet – einem Londoner Tonstudio mit Alben von Adele und Coldplay in der Referenzliste. Über die Nothing X App (iOS/Android) stehen neben einem einfachen 3-Band-EQ mit Presets (Balance, Bass, Höhen, Stimmen, Instrumente) fünf von Metropolis Studios kuratierte, genrespezifische EQ-Profile zur Verfügung: Neo-Jazz, British Rock, UK Rap + Grime, Electronica und UK Bass.
Wer tiefer einsteigen möchte, aktiviert den fortgeschrittenen EQ mit frei verschiebbaren Tuning-Punkten über das gesamte Spektrum von 20 Hz bis 20 kHz inklusive Q-Faktor – hier lassen sich Haupt- und Präzisionstreiber sogar getrennt regeln. Die Qualität der Presets ist vorbildlich: Sie wirken feinabgestimmt, das Electronica-Profil etwa passte bei den meisten getesteten Titeln sehr gut.
Eine integrierte Hörtest-Funktion erstellt zudem ein persönliches Klangprofil basierend auf dem individuellen Hörvermögen.
Dynamic Spatial Audio: Fünf Raumklang-Modi mit Head-Tracking
Gegenüber dem Headphone (1) wurde die räumliche Audio-Unterstützung überarbeitet und nutzt nun dynamisches Head-Tracking, das Kopfbewegungen in Echtzeit erfasst und den Klang entsprechend im virtuellen Raum verankert. Zur Wahl stehen fünf Modi:
- Standard: Breit und ausgewogen, für Musik und Filme
- Studio B (Metropolis Studios): Kräftig und authentisch, nachempfunden einem Regieraum des Tonstudios, für konzentriertes Hören
- Club: Tief und energiegeladen, für Elektronik, Dance und Pop
- Konzertsaal: Raffiniert und räumlich, für Orchester und Klassik
- Musikclub / Live House: Roh und hallig, für Rock, Indie, Jazz und Hip-Hop
Die Wahrnehmung der Modi ist Geschmackssache: Bei dichten Genre-Mixes in der Playlist passt die Klangfärbung eines bestimmten Profils nicht immer optimal. Besonders gelungen ist die Kombination aus Jazz- bzw. Hip-Hop-Titeln mit dem Musikclub-Preset. Echtes objektbasiertes 3D-Audio mit Dolby-Atmos-Spuren für Filme bleibt allerdings weiterhin nicht verfügbar.



Geräuschunterdrückung & Telefonie
Für die aktive Geräuschunterdrückung setzt der Headphone (1) Pro auf zehn Mikrofone – gegenüber sechs beim Headphone (1) eine deutliche Aufstockung. Je Seite erfassen drei nach außen gerichtete Feedforward-Mikrofone die Umgebung, zwei nach innen gerichtete Feedback-Mikrofone optimieren die Unterdrückung direkt am Ohr, was Windeinfluss auf die Messung reduziert. Das adaptive System schaltet automatisch zwischen den Stufen Niedrig, Mittel und Hoch und erreicht laut Datenblatt bis zu 46 Dezibel Dämpfung (Headphone (1): 42 dB).
Im Praxistest filtert das ANC breitbandig und zuverlässig monotone Geräusche wie Zug- oder Flugzeuglärm; selbst Stimmen dringen nur stark abgeschwächt durch. Das ANC ist fast auf dem Niveau des Sony WH-1000XM6 ein – bei Flugzeuglärm und weißem Rauschen vergleichbar stark wie der Bose QuietComfort (2. Gen.), wobei das dezentere Grundrauschen des Nothing-Modells im direkten Vergleich positiver auffällt. Auch gegen die Apple AirPods Max 2 kann der Headphone (1) Pro mithalten, wobei Apple je nach Situation gelegentlich noch die Nase vorn hat.
Der Transparenzmodus wird übereinstimmend als gelungen beschrieben: natürlich, mit geringem Grundrauschen und kaum gedämpfter Umgebungswahrnehmung trotz ordentlicher passiver Abdichtung.
Telefonie
Für Anrufe kommt die hauseigene Clear Voice Technology zum Einsatz, nach Herstellerangaben trainiert anhand von 30 Millionen realen Audio-Samples aus Verkehr, Restaurants und windigen Umgebungen. Ein DNN-gestütztes Beamforming-System mit vier Mikrofonen trennt die eigene Stimme gezielt von Hintergrundgeräuschen. In der Praxis funktioniert das gut bis sehr gut – wobei Gesprächspartner manchmal aber auch ganz leicht Stimmen und Geräusche aus dem Hintergrund wahrnehmen konnten und es bei windiger Geräuschkulisse gelegentlich zu leichter Artefaktbildung der eigenen Stimme kam.
Konnektivität: Bluetooth 6.1, Auracast & USB-C-Lossless
Der Headphone (1) Pro funkt über den aktuellen Standard Bluetooth 6.1 und unterstützt als besonderes Highlight Auracast sowohl als Sender als auch als Empfänger – eine Kombination, die derzeit kein Mitbewerber bietet. In der Praxis bedeutet das: Bis zu zehn Auracast-fähige Geräte können gleichzeitig den Stream des Headphone (1) Pro empfangen, etwa um bei einer langen Zugfahrt gemeinsam mit Freunden denselben Podcast oder dasselbe Hörspiel zu hören – vorausgesetzt, die Begleitung besitzt ebenfalls Auracast-kompatible Kopfhörer.
Google Fast Pair und Microsoft Swift Pair werden unterstützt, ebenso eine Dual-Device-Verbindung (Multipoint) für zwei gleichzeitig verbundene Geräte, die unterbrechungsfrei etwa zwischen Laptop und Smartphone wechselt.
Kabelgebunden unterstützt der Kopfhörer eine verlustfreie Wiedergabe mit bis zu 24 Bit und 192 kHz über USB-C sowie Hi-Res-Audio mit bis zu 24 Bit und 96 kHz über die 3,5-mm-Klinke – ein Feature, das dem Headphone (1) komplett fehlte. Kabellos stehen SBC, AAC und LDAC zur Verfügung, für Broadcast-Audio zusätzlich LC3. Ein Low-Latency-Modus reduziert die Ende-zu-Ende-Verzögerung laut Hersteller auf unter 120 Millisekunden, im kabelgebundenen Flat-EQ-Modus sogar auf unter 15 Millisekunden – relevant etwa für Gaming.

Akkulaufzeit & Laden
Mit einer Akkukapazität von 1.060 mAh erweist sich der Headphone (1) Pro trotz der zusätzlichen Treiber und Mikrofone als Langstreckenläufer: Ohne aktiviertes ANC hält die Zelle bei moderater Lautstärke mit AAC-Codec bis zu 68 Stunden durch, mit aktiviertem ANC immer noch sehr gute 30 Stunden. Im anspruchsvolleren LDAC-Modus sinken die Werte auf 53 bzw. 28 Stunden.
Die Kopfhörer sind eigentlich bei durchschnittlicher, moderater Nutzung kaum leer zu bekommen. Die Schnellladefunktion ist praxistauglich: 5 Minuten am USB-C-Kabel liefern bis zu 4 Stunden Wiedergabe ohne bzw. 2 Stunden mit ANC. Eine vollständige Ladung von 0 auf 100 Prozent dauert rund 2 Stunden.
Kleiner Wermutstropfen: Auf dem Datenblatt fällt die Akkulaufzeit des Pro-Modells etwas geringer aus als beim Headphone (1) – vermutlich der Preis für die zusätzlichen Treiber und Mikrofone. In der Praxis macht sich das aber eigentlich kaum bemerkbar.
Headphone (1) oder Headphone (1) Pro?
Lohnt sich der Aufpreis von 50 Euro?
Beide Modelle verfolgen bewusst unterschiedliche klangliche Philosophien: Der Headphone (1) ist mit dem HiFi-Spezialisten KEF abgestimmt, der Headphone (1) Pro mit dem professionellen Tonstudio Metropolis Studios. Wer sich entscheiden muss, sollte daher weniger nach „besser oder schlechter“ fragen als danach, welche Klangphilosophie besser zu den eigenen Hörgewohnheiten passt.
Technisch bringt das Pro-Modell für 50 Euro Aufpreis eine Dreifach- statt Einzeltreiber-Architektur, ein auf 46 statt 42 Dezibel verstärktes ANC mit mehr Mikrofonen, Bluetooth 6.1 statt 5.3 inklusive Auracast-Sender sowie erstmals verlustfreies USB-C-Audio. Auch beim Tragekomfort gibt es spürbare Verbesserungen: dickere Polsterung, breiteres Kopfband, weicherer Schaumstoff und erstmals austauschbare Ohrpolster.
Die Akkulaufzeit fällt laut Datenblatt allerdings etwas kürzer aus. Wer aber die 50 Euro Aufpreis übrig hat, sollte aber unbedingt zum Pro-Modell greifen – das erweiterte Feature-Set überzeugt in nahezu jeder Disziplin.
| Merkmal | Headphone (1) | Headphone (1) Pro |
|---|---|---|
| Treiber | Einzeltreiber (KEF-Tuning) | Dreifach-Treiber (Metropolis Studios) |
| ANC | Bis 42 dB, 6 Mikrofone | Bis 46 dB, 10 Mikrofone |
| Bluetooth | 5.3 | 6.1 (inkl. Auracast-Sender) |
| USB-C-Audio | Nicht vorhanden | Verlustfrei bis 24 Bit/192 kHz |
| Ohrpolster | Nicht austauschbar | Austauschbar, dickere Polsterung |
| Materialien | Kunststoff-Transparenz | 9H Panda Glass, Aluminium, Titan |
| Akkulaufzeit (AAC, ohne ANC) | Etwas länger laut Datenblatt | Bis 68 Std. |
| Case | Softcase | Hartschale |
| Preis | ca. 249 Euro (Stand aktuell) | 349 Euro |
Stärken & Schwächen
✓ Stärken
- Dreifach-Treiber mit sauberem Bass, präsenten Vocals und breiter Bühne
- Sehr effektives ANC, fast auf Sony-WH-1000XM6-Niveau
- Auracast als Sender UND Empfänger – bisher einzigartig am Markt
- Verlustfreies USB-C-Audio bis 24 Bit/192 kHz
- Bluetooth 6.1, LDAC, Multipoint, Fast Pair und Swift Pair
- Physischer Flat-EQ-Schalter für neutrales Referenz-Hören
- Sehr umfangreicher EQ mit fünf Metropolis-Studios-Profilen
- Deutlich verbesserter Tragekomfort, austauschbare Ohrpolster
- Hochwertige Materialien: Panda Glass, Aluminium, Titan
- IP52-Zertifizierung – selten bei Over-Ear-Kopfhörern
- Bis zu 68 Stunden Akkulaufzeit
✗ Schwächen
- Kopfband-Mechanik schwergängig, Bügelkonstruktion gewöhnungsbedürftig
- Ohrmuscheln schlagen beim Tragen am Kopfband zusammen (Kratzgefahr)
- Glasoberfläche zieht Fingerabdrücke stärker an
- Hartschalen-Case laut einem Test schwer und wenig alltagstauglich
- S-Laute kratzen je nach EQ-Preset an der Schärfegrenze
- Akkulaufzeit laut Datenblatt etwas kürzer als beim Headphone (1)
- Kein echtes objektbasiertes Dolby-Atmos-3D-Audio
- Mikrofonqualität bei Anrufen laut einem Test nur durchschnittlich
- Nicht faltbar, nur drehbare Ohrmuscheln

Fazit
Der Nothing Headphone (1) Pro ist ein technisch rundum starkes Over-Ear-Flaggschiff, das die größten Kritikpunkte am Headphone (1) gezielt ausräumt: Das Kopfpolster ist luxuriöser, der Hitzestau geringer, und erstmals gibt es verlustfreies USB-C-Audio. Hinzu kommen ein ANC, das fast an den Sony WH-1000XM6 heranreicht, Auracast als Sender und Empfänger sowie ein extrem flexibler EQ samt physischem Flat-EQ-Schalter.
Die Dreifach-Treiber-Architektur zahlt sich klanglich hörbar aus: breitere Bühne, präsentere Vocals, mehr Bass-Punch und klarere Höhen gegenüber dem Einzeltreiber-Vorgänger. Dass Nothing dafür mit renommierten Metropolis Studios statt KEF zusammengearbeitet hat, ergibt ein eigenständiges, aber ebenbürtiges Klangprofil.
Kritikpunkte gibt es nur an wenigen Stellen: die gewöhnungsbedürftige, teils schwergängige Kopfband-Mechanik, das wenig praktikable Hartschalen-Case und eine im Datenblatt etwas kürzere Akkulaufzeit als beim Nicht-Pro-Modell. Angesichts des Gesamtpakets aus Klang, ANC, Konnektivität und Verarbeitung fallen diese Punkte kaum ins Gewicht.
Wie würde man in der Musik sagen: Mit dem Headphone (1) Pro ist Nothing ein echter Hit gelungen!
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