Nothing: Gerüchte um Marktrückzug – wenn die Realität das Marketing einholt

Carl Pei wollte die Smartphone-Welt aufrütteln. Jetzt zeigen Gerüchte über massiven Stellenabbau und den Rückzug aus zwölf Ländern: Der beste Hype nützt dir gar nichts, wenn der globale Bauteilemarkt brennt. Selbst wenn der Gründer alles als Fake News abtut – die Probleme der Mittelklasse sind verdammt real.
Bösartige Gerüchte oder harte Realität?
Das indische Tech-Portal Digit hat eine echte Bombe platzen lassen. Angeblich zieht Nothing bei 40 Prozent der Belegschaft den Stecker, halbiert die Forschung in China und flieht aus zwölf Märkten in Europa, Japan und dem Mittleren Osten. Auch die Verkaufszahlen klingen gruselig: Gerade einmal 20.000 Stück soll das neue Nothing Phone (4b) bisher geschafft haben, während die Phone (4a)-Reihe zusammen bei 150.000 Geräten dümpelt.
Carl Pei ließ das natürlich nicht auf sich sitzen und schoss auf X konsequent zurück. Alles Quatsch, reine Fake News. Allein am ersten Verkaufstag habe sich das Phone (4b) bereits 29.537 Mal verkauft. Trotzdem gibt Nothing zu, dass im Hintergrund die Teams umgebaut werden.
Die Marge ist weg: Wenn Speicherpreise das Geschäftsmodell fressen
Ich sage euch, wie es ist: Selbst wenn die Gerüchte aus Indien maßlos übertrieben sind, steckt Nothing in einer heftigen Klemme. 2025 hat das Start-up noch rund zwei Millionen Smartphones unters Volk gebracht. Der Erfolg basierte aber vor allem auf aggressiv kalkulierten Preisen.
Genau das bricht der Marke jetzt das Genick. Die Preise für DRAM und Flash-Speicher explodieren seit Monaten. Bei einem Smartphone für 300 Euro tut jeder einzelne Dollar beim Einkauf richtig weh. Dass Nothing bei der günstigen Untermarke CMF für 2026 erst mal gar keine neuen Smartphones bringt, spricht Bände. Der Spielraum ist weg.
OnePlus lässt grüßen: Dasselbe Spiel noch einmal
Ich verfolge Carl Peis Karriere seit den frühen OnePlus-Tagen. Was wir jetzt bei Nothing sehen, ist im Grunde das gleiche alte Drehbuch: Am Anfang steht der große Enthusiasmus der Community, am Ende der kalte Kampf um Margen und Überleben. In Indien läuft die Marke super, aber global wird die Luft extrem dünn.
Wer in der Mittelklasse überleben will, braucht gigantische Stückzahlen. Hast du die nicht, zieht dir der Bauteilemarkt den Boden unter den Füßen weg. Ob Nothing nun wirklich aus zwölf Ländern verschwindet oder nur Sparflamme fährt: Der Druck auf den Kessel ist riesig.
Warum der Speicher-Kollaps die Kleinen zuerst trifft
Große Player wie Samsung oder Apple verhandeln ihre Speicherchips Jahre im Voraus und holen sich das Geld über sündhaft teure Pro-Modelle wieder rein. Ein kleines Label wie Nothing hat in der Preisklasse unter 400 Euro absolut keinen Puffer.
Steigen die Einkaufspreise für Arbeitsspeicher und Flash-Module, bleibt von der ohnehin mickrigen Marge nichts mehr übrig. Entweder legst du bei jedem verkauften Gerät drauf oder du erhöhst die Preise – und verlierst deine preissensible Kundschaft. Aus diesem Teufelskreis kommt man ohne eigenes Ökosystem kaum heraus.
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Ich habe ein NP 3 vor ein paar Tagen gekauft, will es heute im Markt abholen und lese die Nachricht von Schwierigkeiten bei Nothing. Das ist erschreckend, da ich nun in Sorge bin, dass die versprochenen Updates (OS und Patches) vielleicht nicht mehr für den ganzen Zeitraum kommen werden.
Dabei habe ich NP3 grade wegen dem schlanken OS, der ‚langen‘ Unterstützung und ein paar anderen Features gewählt, Glyph gehörte nicht dazu ;-).
Falls bei Nothing trotzdem irgendwann die Lichter ausgehen, hoffe ich, dass sie das Phone vorher für alternative ROMS aufmachen und ich nicht auf teurem Elektroschrott sitzen bleibe.
Das hätte eine gewisse Würde.
Ich drück uns die Daumen…
Mein Take dazu: Als Ersatz für mein altes Handy hatte ich vor 2 Wochen ein Nothing 4a Pro gekauft. Im Alltag zeigten sich zahlreiche Schwächen:
Das Handy ist vergleichsweise dick (war mir vorher nicht bewusst) und die Glyphen-Funktion ist zwar ein nettes Gimmick, man kann aber die Pixel nicht selbst editieren, d.h. man kann Kontakten nur bestimmte vorgegebene Muster zuweisen.
Blöd ist auch der Knopf auf der rechten Seite, der eine Art Diktierfunktion aktiviert. Genau habe ich das aber nicht ausprobiert, weil ich soetwas nicht brauche. Deaktivieren ließ er sich nicht. Dafür berührt man im Alltag die Taste häufiger als einem Lieb ist.
Dann die Regelung der automatischen Displayhelligkeit. Totaler Murks. Mal zu hell oder zu dunkel. Umzug einer eSIM zu einem anderen Handy wird nicht unterstützt – Standard bei anderen Herstellern – ich musste die eSIM neu beantragen.
Zurück gegeben habe ich das Nothing, weil es mehrmals am Tag ohne Grund neu startete.
Jetzt habe ich ein Motorola Edge. Super Design, 3-fach-Zoom, (fast) reines Android, flach und klein. Dafür habe ich weniger als 270 Euro gezahlt.
PS: Ich hätte mir gerne wieder ein Google Pixel geholt, aber die kolportierten Preise von über 1000 Euro sind eine Frechheit.