Oppo Find X9 Ultra im DxOMark: Die Physik besiegt das 200-MP-Monster

Das Wettrüsten auf dem Smartphone-Markt hat eine neue Absurdität erreicht, doch schiere Megapixel-Gewalt schützt vor Enttäuschungen nicht. Das Oppo Find X9 Ultra landet im aktuellen DxOMark-Kameratest mit 170 Punkten auf dem dritten Platz. Damit zieht das Flaggschiff lediglich mit dem Vivo X300 Ultra gleich und hinkt dem Spitzenreiter Huawei Pura 80 Ultra mit seinen 175 Punkten spürbar hinterher.
Auf dem Papier liest sich die Ausstattung wie der Traum eines jeden Foto-Enthusiasten: Eine 200 MP Hauptkamera auf einem gigantischen 1/1.12-Zoll-Sensor, kombiniert mit einem 200 MP Periskop-Tele (70 mm) und einer weiteren 50 MP Periskop-Linse für 10-fach optischen Zoom (230 mm). Wen überrascht es da, dass Aufnahmen bei Tageslicht durch exzellente Farbtreue und ein minimales Rauschverhalten glänzen?
Die Physik-Falle: Wenn der Riesen-Sensor zum Nachteil wird
Doch genau bei der Hardware-Architektur beginnt das Dilemma. Oppo verzichtet bei der Hauptkamera auf eine variable Blende und setzt auf eine starre f/1.5-Öffnung. Bei einem derart riesigen 1/1.12-Zoll-Sensor führt das zu einer extrem flachen Schärfentiefe.
Das Resultat bei Gruppenporträts ist ernüchternd: Stehen Personen nur wenige Zentimeter versetzt, verschwimmen die hinteren Gesichter in der Unschärfe. Um diesen optischen Makel zu korrigieren, greift die Oppo-Software mit agressiver KI-Nachschärfung ein. Das Ergebnis wirktstellenweise künstlich und überschärft.
Die digitale Wüste im Zoom-Bereich bei 135 Millimetern
Ein weiteres Problem offenbart der Blick auf die Brennweiten. Zwar liefern die nativen optischen Stufen bei 70 mm und 230 mm knallharte Details, doch dazwischen klafft eine riesige optische Lücke. Im stark genutzten Zwischenbereich um 135 mm bricht die Auflösung massiv ein, weil das System rein digital aus der 70-mm-Linse croppen muss.
Hier hätte Oppo im Vergleich zum Vorgänger Find X8 Ultra den entscheidenden Schritt nach vorne machen können. Dass ausgerechnet das Vivo X300 Ultra im selben Zwischenbereich schwächelt, macht die verpasste Chance nur noch deutlicher. Zudem gerät der Weißabgleich bei Kunstlicht schnell ins Wanken und zieht Fotos ins unnötig Warme.
Ich bin echt gespannt, wie viel Oppo hier per Software-Update noch an Feinabstimmung herausholen kann. Das Find X9 Ultra bleibt ein mächtiges Kamera-Smartphone, zeigt aber klar: Ohne variable Blende und klug austarierte Computational Photography nützen auch zwei 200-Megapixel-Sensoren und ein edles Hasselblad-Logo nichts.
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