Porsche 911: Leiters’ „niemals elektrisch“ wackelt schon

Porsche richtet seine Strategie grundlegend neu aus. Die Marke will weniger Autos verkaufen, sich stärker auf Verbrenner konzentrieren und dabei mehr Geld verdienen. Neue Elektroautos kommen zwar noch, doch das Tempo hat Porsche spürbar herausgenommen. Mir ist in dieser Neuausrichtung ein Satz besonders aufgefallen: Der 911er werde „niemals elektrisch“, so Michael Leiters, der Porsche-Chef im Rahmen der neuen Strategie.
Ein solches „niemals“ ist ziemlich gewagt. Wer weiß schon, wie die Antriebstechnik in zehn Jahren aussieht? Ich halte das Wort eher für eine Festlegung, die man später gern wieder überdenkt.
Der 911er bleibt beim Verbrenner, Hybrid soll es richten
Der Strategiewechsel hat laut Porsche einen klaren Grund. Die Elektro-Ziele hat die Marke nicht erreicht, und die Begründung lautet, dass Kundinnen und Kunden weiterhin vor allem Verbrenner verlangen. Das große Geld fließt deshalb wieder stärker in die Entwicklung dieser Motoren.
Beim 911er setzt Porsche auf einen Hybrid-Antrieb. Die Ikone bekommt also einen Stromanteil, aber keinen rein elektrischen Antrieb. Für viele Fans dürfte das beruhigend klingen, doch der Hybrid wirkt eher wie ein Kompromiss als wie ein Zukunftsbekenntnis.
Der Gedanke ist allerdings nicht neu. Schon länger kursieren Gerüchte über einen vollelektrischen 911er. Leiters ist außerdem nicht der erste Porsche-Chef, der eine elektrische Variante der Ikone ausschließt. Diesmal fällt die Absage jedoch besonders deutlich aus. Angeblich hatte die VW-Marke einmal ein internes Projekt für einen elektrischen 911er in Planung, belegt ist das aber nicht.
„Niemals“ ist ein gewagtes Wort
Die Entwicklung bei Elektroautos schreitet rasant voran. Batterien werden leistungsfähiger, ermöglichen höhere Reichweiten und lassen sich immer schneller laden. Mit Feststoffbatterien könnte in den kommenden Jahren der nächste große Sprung anstehen. Wer in diesem Umfeld ein Modell für alle Zeiten ausschließt, legt sich für Jahrzehnte fest.
Ich glaube deshalb nicht, dass diese Aussage für immer in Stein gemeißelt ist. In diesem Jahrzehnt kommt kein elektrischer 911er, da bin ich mir ziemlich sicher. Ob es vor 2035 oder vor 2040 so weit ist, wage ich nicht vorherzusagen. Das hängt davon ab, wie sich der Verbrenner in Europa entwickelt und wie gut Porsche die Ikone in die Zukunft führt.
Hat Porsche keinen Plan, wie der 911er den Weg in die Zukunft findet, dürfte es vor 2040 wohl keinen elektrischen 911er geben. Dann stellt sich aber die größere Frage, ob es Porsche in seiner bisherigen Form noch gibt. Vielleicht kassiert der Konzern die Sportwagen irgendwann ein, denn mit SUVs verdient Porsche schon heute mehr Geld.
Porsche gibt Tempo raus, die Konkurrenz nicht
Der VW-Konzern kämpft an mehreren Fronten und braucht rasch bessere Ergebnisse. Porsche setzt deshalb auf Bewährtes und hofft, mit Verbrennern und wenigen Elektroautos schneller wieder für positive Zahlen zu sorgen. Aus Konzernsicht ist dieser Schritt verständlich, ohne Risiko ist er allerdings nicht.
Die Kehrseite liegt auf der Hand. Wer die Elektrostrategie bremst, muss später mit weniger Erfahrung aufholen. Andere Hersteller zeigen, dass sich Elektroautos auch im Premiumsegment gut verkaufen lassen, und viele der Konkurrenten stammen inzwischen aus China. Wenn Porsche den elektrischen Sportwagen weitgehend den Mitbewerbern überlässt, wäre das eine ziemlich unkluge Entscheidung.
Vielleicht hätte Porsche der Elektrostrategie einfach mehr Zeit und einen längeren Atem geben müssen. Ob der neue Kurs aufgeht, werden die kommenden Jahre zeigen. Ich persönlich habe daran zumindest meine Zweifel.
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