Renault: Schluss mit Retro-Wahn und SUV-Zwang

Wer gehofft hat, dass Renault seine komplette Modellpalette in eine rollende 80er-Jahre-Gedächtnisparty verwandelt, bekommt jetzt die kalte Dusche verpasst. Die Franzosen reiten mit dem R5 und dem kommenden R4 zwar erfolgreich auf der Nostalgiewelle, doch Markenchef Fabrice Cambolive zieht im Gespräch mit Autocar eine glasklare Grenze: Reiner Retro-Kult ohne handfesten Zweck führt direkt in die Sackgasse.
Künftig teilen die Franzosen ihre Modellreihen strikt in drei Bereiche auf: Ein Drittel historische Ikonen (Renault 5, Renault 4, Twingo), ein Drittel gewachsene Bestseller (Renault Clio, Scenic) und ein Drittel völlig neu gedachte Entwürfe. Wir finden: Das wurde auch verdammt noch mal Zeit, denn der Markt braucht keine künstlich aufgeblasene Nostalgie, sondern bezahlbare Alltagsautos.
Renault 5: Schnelles Hardware-Update bessert Schwachstellen aus
Besonders interessant ist das Eingeständnis beim aktuellen Star im Stall: Der rein elektrische Renault 5 E-Tech bekommt in absehbarer Zeit ein handfestes Technik-Upgrade spendiert. Geplant sind leistungsstärkere Elektromotoren und eine größere Batterie, um die Reichweite spürbar nach oben zu schrauben.
Die Ingenieure haben laut Cambolive bereits Schwachstellen am aktuellen R5 lokalisiert – und zwar intern, bevor die ersten Kunden genervt auf der Matte stehen. Dass Renault trotz des massiven Gegenwinds aus der Branche stur auf reine Batterieantriebe gesetzt und den Ruf nach billigen Hybrid-Kompromissen ignoriert hat, war goldrichtig. Ein moderner City-Flitzer gehört an die Ladesäule und braucht keinen schweren Verbrenner-Ballast im Bug.
Neuer Clio: Flacher Schrägheck-Klassiker mit Range-Extender
Beim echten Volumenbringer, dem Renault Clio, erteilt Renault dem allgegenwärtigen SUV-Wahn eine erfrischende Absage. Der Nachfolger bleibt ein klassisches Schrägheck mit 4,10 bis 4,20 Metern Länge. Keine aufgebockte Pseudo-Offroad-Optik, kein Retro-Look, sondern ein aerodynamisch flacher Kleinwagen für das echte Leben.
Unter dem Blech wechselt Renault auf eine völlig neue Plattformgeneration. Diese Architektur ist modular ausgelegt und unterstützt neben dem reinen Batterie-Elektroantrieb (BEV) explizit auch Range-Extender-Konzepte, bei denen ein kleiner Verbrennungsmotor ausschließlich als Generator für den Akku mitfährt. Bis 2030 will die Marke komplett elektrifiziert sein, wobei mindestens 50 Prozent rein elektrisch rollen sollen. Ob der nächste Clio überhaupt noch ein klassisches Getriebe sieht? Äußerst unwahrscheinlich.
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