Samsung Galaxy S27 Ultra: Kamera-Mogelpackung wegen Rotstift

Samsung streicht beim kommenden Galaxy S27 Ultra die dedizierte 3x-Telekamera. Was die PR-Abteilung auf dem Event als grandiosen Fortschritt durch künstliche Intelligenz verkaufen wird, entpuppt sich beim Blick auf die Hardware als knallharte Sparmaßnahme. Was bedeutet dieser Schritt für die Fotoqualität im Alltag wirklich?
Eigentlich sah der Plan gut aus: Erste Prototypen des Galaxy S27 Pro testeten eine neuartige 50 MP 3,5x ALoP-Telekamera. Mit dieser Bauweise (All Lenses on Prism) wollte Samsung das Kameramodul extrem flach halten. Das Projekt wurde eiskalt gestrichen. Das Pro-Modell bekommt stattdessen eine betagte 12 MP 3x Telekamera, kombiniert mit der bekannten 200 MP Hauptkamera und einem 50 MP Ultraweitwinkel.
Physikalische Grenzen: Warum KI den 3x-Zoom nicht retten kann
Beim Galaxy S27 Ultra fehlt das 3x-Teleobjektiv künftig komplett. Zwischen dem 50 MP Ultraweitwinkel, der 200 MP Hauptkamera und dem 50 MP 5x Periskop-Tele klafft eine gewaltige Hardware-Lücke. Wer bei Familienfeiern oder Porträts auf einen typischen 3,5-fachen Zoom tippt, nutzt reinen Digitalzoom.
Die Mathematik dahinter ist unerbittlich: Die 200 MP Hauptkamera nutzt im Alltag ein 12 MP Pixel-Binning, um überhaupt genug Licht einzufangen. Schneidet das System für einen 3,5-fachen Zoom einfach die Mitte des Sensors heraus, schrumpft die effektive Sensorfläche drastisch zusammen. Selbst ein vermuteter 1/1.12 Zoll ISOCELL HPA Sensor kann diesen Lichtverlust nicht ausgleichen. Das Resultat ist höheres Bildrauschen, das eine aggressive KI-Nachschärfung verdecken muss.
Künstlicher Abstand: Das Kalkül hinter der Modellpolitik
Warum tut Samsung seinen Kunden das an? Die Antwort liegt in der Preisleiter. Hätte das Galaxy S27 Pro die moderne ALoP-Linse bekommen und das Ultra-Modell eine überlegene Zoom-Kombination behalten, wäre der Rechtfertigungsdruck für das Top-Modell gewachsen. Indem Samsung dem Ultra die 3x-Optik raubt und dem Pro nur Standard-Kost zugesteht, verhindert der Konzern die direkte Vergleichbarkeit beider Geräte.
Zudem spart das Weglassen einer kompletten Linsengruppe Baukosten im Rahmen der internen BOM-Optimierung (Bill of Materials). Der gewonnene Platz im Gehäuse wird mutmaßlich für Magnete genutzt, um endlich vollen Qi2-Support zu bieten. Ein schwacher Trost, wenn man bedenke, dass Käufer in der 1.400 Euro Leistungsklasse kompromisslose Kamera-Hardware erwarten dürfen.
Ein fauler Kompromiss für Vielknipser
Die Strategie mag betriebswirtschaftlich aufgehen, für ambitionierte Smartphone-Fotografen ist sie ein enttäuschender Rückschritt. Ein digitaler Ausschnitt bleibt ein Kompromiss, egal wie schlau die Marketing-Namen für das KI-Upscaling klingen mögen. Das wurde aber auch Zeit, dass die Sparmaßnahmen der Hersteller nicht mehr als Innovation getarnt werden.
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